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Reden, retten und viel zu viele Autos

Hajo Zenker Foto: MOZ
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Hajo Zenker / 18.03.2009, 18:28 Uhr
Miteinander reden ist immer gut. Und von Angesicht zu Angesicht lässt sich manches besser erläutern als per Telefon oder E-Mail. Schon deshalb war die Reise des Wirtschaftsministers zur US-Regierung und zur Opel-Mutter sinnvoll. Eine Rettung der Blitz-Marke innerhalb von Stunden konnte jedoch niemand ernsthaft erwarten. Auch wenn jetzt einige Politiker und Funktionäre so enttäuscht tun. Die Lage ist viel zu vertrackt; in einem verschachtelten Weltkonzern, wo jeder seine Haut retten will, es an Konzepten aber mangelt. Wo viele auf Hilfe vom Staat hoffen. Wo deutsche Interessen von untergeordneter Bedeutung sind. In einer Situation, in der mit fragwürdigen Argumenten operiert wird.

Anders etwa, als das Führung und Betriebsrat darstellen, ist Opel kein Opfer der heutigen Krise. Mit dem Marktanteil des Wendegewinners, der in Ostdeutschland mehr Kadett verkaufte als Erzkonkurrent VW mit dem Golf, ging es bald bergab. Weil die US-Mutter in die europäischen Belange hineinregierte - ohne rechte Vorstellung von den Kunden hier, ohne Langfriststrategie. Weshalb einige Jahre Opel-Chefs häufiger wechselten als im Fußball die Trainer, Qualität und Design lange vernachlässigt wurden. Der einst ewige Zweite hinter VW lag 2008 in Deutschland auch hinter Mercedes und BMW. Zwar hat Opel gelernt, wie der neue Insignia zeigt. Aber selbst in Zeiten der blühenden Konjunktur liegen so viele verlorene Jahre einer Firma schwer im Magen.

Wer private Investoren als Retter ins Spiel bringt, kann das kaum ernst meinen. Es gibt viel zu viele Autoproduzenten. Und Opel ist kein einzigartiges Juwel. Am ehestens ließe sich das Werk in Eisenach verkaufen. Aber auch nicht sofort. Wer meint, dass die deutsche Wirtschaft eine Opel-Pleite nicht verkraftet, muss ehrlicherweise den Staatsbetrieb fordern. Und nimmt in Kauf, dass etwa ein privates Unternehmen wie BMW, mit besser geglückter Modellpolitik, mit sinnvollen Kooperationen mit Mercedes und Peugeot, zusätzliche Probleme durch staatlich abgesicherte Konkurrenz bekommt. Und vielleicht scheitert. Denn deutsche Hersteller werden verschwinden. Mit Steuergeldern würde die Marke mit der stärksten politischen Lobby gerettet. Aber bestimmt nicht die beste.

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