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Interesse an Stasi-Akten weiter hoch

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn © Foto: dpa
20.10.2011, 12:05 Uhr
Berlin (dpa) Knapp 22 Jahre nach dem Mauerfall interessieren sich noch Zehntausende Deutsche für die Stasi-Akten. "Das Interesse ist ungebrochen. Allein in diesem Jahr gingen bis Ende September knapp 60 500 Anträge von Bürgern ein, die Stasi-Papiere über sich sehen wollten", sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Seit 1990 wurden rund 2,8 Millionen solcher Anträge gestellt. Im Vorjahr waren es insgesamt rund 87 500.

Viele Menschen beantragten die Akteneinsicht schon zum wiederholten Male, sagte Jahn. "Die Unterlagen sind heute viel weiter erschlossen als in den 90er Jahren." Rund 86 Prozent der unsortierten Papier-Hinterlassenschaft seien aufbereitet. Einen Schub erhofft sich der frühere DDR-Oppositionelle von der Rekonstruktion zerrissener Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit. Der Testlauf soll voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen.

Auf der anderen Seite beantragten etliche Deutsche erst jetzt das erste Mal den Blick in die Vergangenheit. "Mancher brauchte den Abstand. Und zunehmend wollen nun junge Menschen wissen, ob und wie die DDR-Staatssicherheit in das Leben ihrer Eltern oder Großeltern eingegriffen hat", sagte der 58-Jährige. Mit der Novelle des Stasi-Unterlagen-Gesetzes soll auch der Zugang zu den Akten für Wissenschaft und Medien erleichtert werden.

Die Überprüfungen im öffentlichen Dienst auf eine frühere Stasi-Mitarbeit nahmen in den letzten Jahren stark ab, wie Jahn sagte. Demnach wurden im Vorjahr lediglich 76 entsprechende Anträge registriert. In diesem Jahr seien bis Ende September 156 Ersuchen, vor allem aus Brandenburg, gestellt worden. Nach den bislang geltenden Regelungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes konnten nur wenige Spitzenämter gecheckt werden.

Die Gesetzes-Novelle, die jetzt vom Bundestag verabschiedet wurde, sieht wieder mehr Möglichkeiten der Überprüfung vor. Danach sollen leitende Mitarbeiter ab der Stufe A9 ohne Anlass überprüft werden können. Es sei noch nicht absehbar, ob die Zahl der Anfragen in die Höhe gingen, sagte Jahn. "Ich rechne aber nicht mehr mit flächendeckenden Überprüfungen." In den ersten neun Monaten dieses Jahres stellten Ämter auch knapp 1700 Anträge, um anhand der Akten Anträge für SED-Opferrenten zu prüfen.

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