Am Freitag findet ein solcher Dichterwettstreit bereits zum vierten Mal im Studentenclub statt. Auch dieses Mal wird er von Tim K. organisiert, der selbst schon seit fünf Jahren auf Bühnen in Berlin, Hamburg und Brandenburg sein Können unter Beweis stellt.
Auch, wenn bei einem Slam der Spaß im Vordergrund steht, müssen Vorgaben beachtet werden. "Die Texte müssen selbstgeschrieben sein", sagt K.. Außerdem dürfen auf der Bühne keine Requisiten, Instrumente oder Kostüme verwendet werden.
Oft sind die Beiträge extra auf den Wettstreit zugeschrieben. Die Redezeit der Autoren beträgt meist nicht mehr als fünf Minuten. Wie der Gewinner ermittelt wird, ist immer unterschiedlich. "Bei uns gibt es zwei Runden. Alle Autoren lesen in jeder Runde einmal, tragen also insgesamt zwei Texte vor. Es gewinnt immer der, für den das Publikum am lautesten klatscht und trampelt. Wenn in den Runden unterschiedliche Autoren gewinnen, geht es ins Finale", erklärt K..
Der 24-jährige K. ist durch und durch literaturbegeistert. In Neubrandenburg, dort wo er Landschaftsplanung studiert, organisiert er eine Lesebühne. In der Schublade liegt ein Manuskript mit Gedichten und Kurzgeschichten, die auf ihre Veröffentlichung warten. Er organisiert den Poetry Slam in Eberswalde, weil er hier aufgewachsen ist.
Da es um das Sprechen geht, sind die Texte oft in rhythmischer Sprache verfasst. Auch wenn sie nicht in eine lustige, überspitzte Richtung gehen müssen, enthalten sie häufig Pointen. Außerdem dreht sich viel um alltägliche Erfahrungen. Denn dies kommt besonders an. Auch K., der früher als Kabarettist aufgetreten ist, verwendet Pointen. Wie in seinem Gedicht "Entsorgungsstrategie": "Neulich fand er/eine Flasche am Ufer/ entnahm ihr einen Zettel/und las nach dem Entfalten:/Danke fürs Wegbringen/das Pfand darfst du behalten."
Das Format, das 1986 in Chicago zum ersten Mal stattfand, etablierte sich in den 1990er-Jahren weltweit. In Deutschland finden mittlerweile jährlich mehrere Hundert solcher Veranstaltungen statt und es gibt sogar Landesausscheide sowie einen bundesweiten Wettbewerb. Der Erfolg des Slams kommt daher - vermuten Literaturwissenschaftler -, dass er kurzweilig ist und das Publikum einbezieht.
In Eberswalde trauen sich dieses Mal vier Autoren aus der Region auf die Bühne. Außer der Reihe trägt auch K. als Erster vor. Das ist üblich, damit keiner der Wettstreiter den Anfang machen muss. K.s Ziel ist es, die Kulturszene in Eberswalde zu bereichern. Der Slam kostet nichts, da er allen den Zugang zur Literatur ermöglichen möchte. Für die Zukunft wünscht sich K. mehr Autoren, die mitmachen, denn: "Die Leute wollen hören, was Ihr zu sagen habt. Also traut Euch!"
Freitag ab 19 Uhr, Schicklerstraße 1. Eintritt frei.
Auf die Bühne: Ob wie hier beim Improvisationstheater oder beim Poetry Slam, performen kann jeder.Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Deutschlandweit finden immer mehr Poetry Slams statt - in Eberswalde geht der Dichterwettstreit in die vierte Runde