Wie ein zäher Kleister hat sich der Streit um den Neubau von Windkraftanlagen über viele Jahre hingezogen. Zweimal schon hatten die Planer gehofft, ein Ende zu erreichen. Nun hob die Mehrheit der Regionalräte aus den Kreisen Uckermark und Barnim wieder die Hand für den nächsten Entwurf. Und auch der wird torpediert. Stellungnahmen und Einwände von Bürgern, Verbänden und Kommunen sind längst geschrieben. Sie fließen in den sogenannten öffentlichen Abwägungsprozess ein. Das bedeutet im Klartext: Mit der Auslegung des Windplans kann jeder Bürger seine Anregungen und Kritiken einreichen in der Hoffnung, dass sie Beachtung finden. Oder auch nicht.
Mehrere tausende Briefe waren es beim jüngsten Versuch aus dem Jahre 2011. Die übervollen Zuschauerreihen im Eberswalder Plenarsaal belegen, dass betroffene Bürger, Windkraftgegner, aber auch Befürworter und Kommunen mit dem neuen Papier ebenfalls unzufrieden sind.
Zur öffentlichen Debatte stehen nun 52 festgelegte Windeignungsgebiete in beiden Landkreisen. Sie umfassen eine Gesamtfläche von 10 043 Hektar. Ein beträchtlicher Zuwachs.Einige alte sollen verschwinden oder zumindest nicht wieder bebaut werden. Zahlreiche neue Gebiete kommen hinzu. Andere verschieben sich oder werden erweitert. Etliche bereits geplante Felder sind wieder rausgeflogen. Einige von Kommunen favorisierte Flächen finden dagegen keinen Einlass.
Im Widerstreit unterschiedlichster Interessen wirken die Mitglieder des Planungsausschusses, die den Windplan politisch gesteuert haben, inzwischen stark genervt. Die jetzt beschlossene Auslegung bedeute nicht, dass man nicht noch Änderungen vornehmen könne, beschwor Ausschussvorsitzender Frank Bretsch die Runde. "Es wird in langer Sicht mehr Windkraft geben müssen", bekräftigte Regionalrat Hans-Otto Gerlach. Gleichzeitig machte er auf einen der umstrittensten Punkte aufmerksam: "Windräder im Wald sind etwas für den Germanen eigentlich Unvorstellbares." Und so sehen das Bürgerinitiativen im Raum Wandlitz auch. Als "ökologischen Unsinn" betitelte das Bürgermeisterin Jana Radant. "Wir zerstören Umwelt."
Man hätte den Plan besser machen können, argumentiert der Schwedter Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen. Es sei zu viel geändert und zurückgenommen worden. So wäre das Windfeld Neukünkendorf erst von 60 auf 197 Hektar gewachsen, dann wieder auf 140 geschrumpft, bevor es erneut 197 Hektar haben sollte. Jetzt stünden 256 Hektar drin. "Wen wundert es, wenn der Eindruck von Intranparenz entsteht", so Koeppen
Die Regionalräte sind sich bewusst, dass ihr Entwurf mitten in die bundesweite Diskussion um die Strompreise gerät. Weil jedes Land und jede Planungsregion andere Ziele und Kriterien anwendet, ist ein ungleicher Ausbau der Windenergie entstanden. Hinzu kommt das Problem der Leitungstrassen. Und auch der europäische Vogelschutz zwingt manches geplante Windfeld in die Knie. In der Vergangenheit war es immer wieder der Artenschutz, der zu einer Veränderung
So verwundert es nicht, dass man in der Regionalversammlung selbst skeptisch ist, ob der neue Windplan überhaupt eins zu eins durchkommt. Nach der Auslegung im kommenden Jahr muss wie bereits beim ersten Versuch jeder Belang ausgewertet und abgewogen werden. Das zieht eine monatelange Arbeit der Planungsstelle nach sich. Nach bisherigem Zeitplan könnte die neue Windkarte für die Landkreise Uckermark und Barnim 2015 in Kraft treten. Bis dahin herrscht bei Eigentümern weiter Unklarheit, ob auf ihren Feldern nun eine Strommühle gebaut werden darf oder nicht.