Von Michael Dietrich
Zaton Dolna (MOZ) Der Zauber der Liebe, der diesem Tal nachgesagt wird, kann sich seit gestern wieder entfalten. Verschwungene Waldwege, idyllische Lichtungen und Aussichtspunkte sowie Apollo und Aphrodite in den Goldfischteichen laden dank EU-Förderung wieder ins Tal der Liebe ein.
70 Gäste waren zur Eröffnung des Parks gekommen, darunter auch zahlreiche Schwedter. Die Revitalisierung des Tals der Liebe ist mehr als eines von vielen Förderprojekten der EU auf der anderen Seite der Grenze. Das einst beliebte Ausflugsziel wenige Kilometer von Schwedt entfernt könnte wieder zu einer touristischen Attraktion werden, die beiderseits der Oder für Entwicklung sorgt, so die Hoffnung.
Zur Eröffnung mit Bürgermeistern, Woiwodschaftsvertretern, Nachfahren der Gründerin des Parks sowie zahlreichen Projektbegleitern wurde vielfach die Magie des Ortes, der Zauber des Tals der Liebe beschworen. Dieser Liebeszauber, erklärte Projektchef Jakub Szumin vom kleinen Umwelt-Verein Gaja aus Szceczin (Stettin), habe auch schon bei den vielen Behörden gewirkt, die ihre Zustimmung geben mussten: Denkmalschutz, Forstbehörde, Umweltamt und die EU-Förderstelle in Löcknitz. Er vermutete, dass wohl auch der Zauber der Liebe dabei geholfen habe, dass der Gemeinderat der Stadt Chojna der Bürgschaft über zwei Millionen Zloty zugestimmt habe und dass die Umweltschutzbehörde dem Fällen von Bäumen zustimmte. Er selbst, so Jakub Szumin, sei diesem Zauber erlegen. Im Tal der Liebe habe er um die Hand seiner Verlobten angehalten.
Die Anregung zur Wiederherstellung der Parkwege und Lichtungen kam aus Schwedt. Die Stadt suchte für ihr Projekt Hugenottenpark an den Uckermärkischen Bühnen ein polnisches Pendant, um in den Genuß der EU-Förderung zu kommen. „Die Zusammenarbeit beider Seiten hat es ermöglicht, Geld der EU in unsere Region zu holen“, erinnerte Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl in seiner Rede. 1,6 Millionen Euro für Schwedt, knapp eine Million Euro für Chojna. Noch ist der Park nicht fertig. Auf einer Wiese werkelten Arbeiter an einem Spielplatz, Parkplätze an den Parkeingängen fehlen noch genauso wie Papierkörbe, Neupflanzungen von Efeu oder Büschen sowie die Goldfische in den Teichen um die beiden rekonstruierten Glume-Plastiken Aphrodite und Apollo. Es sei gute polnische Tradition, etwas zu eröffnen, was noch nicht ganz fertig ist, rechtfertigte Chojnas Bürgermeister Adam Fedorowicz den Banddurchschnitt in der malerischen Talschlucht. Er kündigte an, dass im nächsten Jahr eine deutsch-polnische Begegnungsstätte in der Nähe fertig werden soll. Eine kleine überdachte Raststätte am Wegesrand wurde bereits errichtet, sie soll später einen Imbiss beherbergen. Momentan findet man lediglich eine improvisierte Gastwirtschaft bei Beata Balbuza in Zaton Dolna.
Wolf von Uslar-Gleichen, einer der Nachfahren von Anna Sophie von Humbert, die den Park 1850 als Liebesbeweis für ihren Mann Carl Philipp anlegen ließ, wollte zur Feier der Übergabe auch noch einen Beweis des Liebeszaubers dieses Tals beisteuern: „Wenn es das Tal der Liebe nicht gäbe, gäbe es auch mich nicht“, verriet er mit einem Schmunzeln.
Verschlungene Wege am Oderhang: Auf der polnischen Seite der Oder lädt das Tal der Liebe mit einem 13 Kilometer langen Wegenetz und idyllischen Plätzen wieder zu Spaziergängen und Picknick-Ausflügen ein. Der 1850 angelegte und nach dem Krieg völlig verwilderte Park wurde für knapp eine Million Euro rekonstruiert. Gestern feierte die polnische Seite seine Wiedereröffnung.Fotos (2): Stefan Csévi