Die Was-Wäre-Wenn-Geschichte schien filmisch wie auch spielerisch ausgereizt. Rebellion jedoch hat eine Fortsetzung zur Zombie Army Trilogy gefunden. Die Nazis sind besiegt, doch deren Armee kämpft weiter - als Zombies. So müssen die Alliieren zusehen, wie sie der Plage Herr werden. Ein vereintes Kommando koordiniert die Einsätze. Und mittendrin eine Handvoll Spezialisten, in deren Haut der Gamer in "Zombie Army 4: Dead War" schlüpfen kann. Doch wir ahnen oder besser kennen es schon: Für wen man sich entscheidet, spielt letztlich kaum eine Rolle. Russe Boris ist zu empfehlen, weil dessen Englisch mit schwerem Akzent und dem teils bemühten, teils gelungenen Wortwitz für Abwechslung bei der nun folgenden Monotonie sorgt.
Denn wie bei anderen Zombie-Shootern auch gilt hier viel Feind - viel Ehr. Wirklich taktische Überlegungen sind daher nicht angebracht. Welle um Welle rollen die Untoten über einen hinweg, Flucht meist aussichtslos. Und so darf sich der Spieler dreier mitgeführter Wummen bedienen: der Shotgun für den kurzen Prozess, dem Scharfschützengewehr für die Distanz - schließlich stammt der Titel direkt von Sniper Elite ab - und schließlich der Pistole als letztes Mittel oder im Falle, dass man etwas schweres zu tragen und nur eine Hand frei hat. Womit wir beim Geschehen abseits der Ballerei wären. Immer mal wieder müssen Aufgaben erfüllt werden. Und da im Prinzip alle Ereignisse gescript sind, kommen die lebenden Toten genau dann wieder aus ihren Löchern gekrochen, wenn unser Held etwas von A nach B zu befördert. Dann noch einen Hebel umgelegt oder ein Mechanismus in Gang gesetzt, das war’s an "Kopfarbeit".
Neun Missionen im südlichen Europa gehören zur Kampagne. Die Level sind zwar generell linear aufgebaut, verfügen aber über reichlich Neben- und Umwege. Die zu gehen lohnt, denn hier sind reichlich Goodies und auch so manche Extraaufgabe versteckt. Der dann doch üppige Aufbau der Areale ist dem Umstand geschuldet, dass bis zu vier von Menschen gesteuerte Figuren darin Platz finden müssen. Zwar nicht Koop an einem Bildschirm, sondern nur via Online-Anbindung, aber immerhin. Entsprechend der Anzahl der Mitwirkenden kann auch das Aufkommen an Zombies eingestellt werden. Das ist praktisch vor allem für jene, die auch auf der höchsten der drei Schwierigkeitsstufen noch eine Herausforderung suchen und dann eben Gegner für zwei, drei oder vier Akteure einstellen, aber allein ins Gemetzel ziehen.
Apropos: Der Gore-Faktor ist natürlich galaktisch. Insofern und auch das historische Setting betrachtend, erklärt sich die USK 18 Einstufung. Wer mit Pixelblut und Innereien Probleme hat, ist hier definiv fehl am Platze. Andererseits ist der Body-Count so aberwitzig hoch, dass niemand bei klarem Verstand die Sache wirklich ernst nehmen kann. Und lange durchhält. Denn die Handlungsabläufe wiederholen sich. Nur bei der Bossgegnern ist ein wenig Überlegung und mitunter Präparation des Geländes gefragt. Dafür werfen die Obermotze richtig große Wummen ab, derer sich die Spielfigur dann auch bemächtigen kann. Das bringt reichlich Abwechslung in die Ballerei. Ein gewisser Teil davon entfällt auch auf die Entwicklung von Mensch und Gerät. Denn mit fortschreitender Punktzahl steigt die Figur im Rang auf und schaltet Fähigkeiten frei. Die können dann als Perks eingesetzt werden und ergänzen den Waffengang ganz ordentlich. Für die Knarren gibt es immer wieder Upgrades, die die Wirkung der steigenden Zahl von Gegnern anpassen. Wer die notwendigen Packages nicht mühsam einsammeln will, kann besseres Equipment allerdings auch gegen Cash erwerben. Die leidigen Microtransaktionen, die man aus Handy-Games kennt, haben auch hier Einzug gehalten.
Grafik und Präsentation sind ganz ordentlich gelungen. Nun wird sich niemand wirklich gruseln, aber die Atmosphäre ist dennoch ansprechend düster. Die Charaktere bewegen sich flüssig, alles animierte kommt rund rüber. Die Zombies machen da naturgemäß eine Ausnahme. Es gibt reichlich Cutscenes und natürlich fehlt auch die Kill-Cam nicht. Dazu werden reichlich Spezialeffekte gereicht, die über weite Strecken gut aussehen. Der Score passt, wenngleich sich die Tracks irgendwann wiederholen. Aber wer lauscht schon der Musik?
Als kurze Ballerei zwischendurch oder kooperativer Metzelspaß mit Freunden ist Dead War ziemlich gut zu gebrauchen. Über Sinn oder Anspruch des Titels muss dabei nicht gestritten werden, solange Zombies Kult sind.
Zombie Army 4: Dead War; Rebellion
https://zombiearmy.com/de