Überraschende Wendung: Die Kita von Felchow kommt nicht ins Herrenhaus. Wegen zu hoher Kosten hat die Gemeindevertretung diese Pläne beerdigt. Die Abgeordneten wollen aber unbedingt einen Standort im Dorf erhalten. Das alte Haus musste geräumt werden.
Es gibt sogar Tränen einer Mutter: Sie habe sich die Dorfkita extra ausgesucht, und nun weiß keiner, wie es weitergeht. Nachdem das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk wegen Baumängeln die uralte Schule von Felchow schließen musste, in dem die Kinder viele Jahre eine Herberge hatten, fahren Mädchen, Jungen und Erzieher täglich mit einem Shuttle nach Schwedt in Ersatzräume. Doch dort sind die Platzverhältnisse beengt. Und die Eltern sind mit dieser Lösung ganz und gar nicht zufrieden. "Wir haben nur einen Raum, das ganze Hin und Her kostet viel Zeit. Wir verzeichnen immer mehr Abgänge, je länger der Zustand dauert", berichtet eine Mitarbeiterin den Gemeindevertretern. Eine Erzieherin wurde bereits abgegeben. "Wenn nicht bald eine Lösung gefunden ist, haben wir in drei Monaten niemanden mehr."
Keiner weiß, was passieren soll. Einen Wechsel nach Pinnow lehnen die Eltern ab. Und der schnelle Einzug in das Herrenhaus gleich gegenüber der alten Kita hat sich zerschlagen. Man geht von Umbaukosten in Höhe von 80 000 Euro aus, um eine provisorische Lösung zu schaffen, die dann nur eine vorübergehende Betriebsgenehmigung bekommt. "Wir haben nicht mit einem solchen Umfang gerechnet", so der Schöneberger Bürgermeister Wilfried Schramm.
Schon früher standen Baumängel der alten Dorfschule immer wieder zur Diskussion. Es geht um schlechte Decken und das Dachgeschoss. Weil die obere Etage nicht genutzt werden durfte, hatte das Jugend- und Fürsorgewerk bereits einen Anbau errichtet. Die Kinder fühlten sich in der kuschelig kleinen Kita wohl. Das Problem: Wer jetzt einen Umbau am Haus beginnt, muss eine Kindereinrichtung nach Standard herrichten. Man schätzt die Kosten auf rund 500 000 Euro, was einem Neubau gleichkäme.
Der Landkreis befürwortet den Standort Felchow. Er ist im Bedarfsplan der Uckermark sicher verankert. Die Gemeinde müsse ein Angebot für Eltern vorhalten, erläutert Heiko Stäck vom Jugendamt. Egal um welchen Betreiber es sich handelt: Grundstück, Gebäude und Bewirtschaftung seien durch die Kommune abzusichern. "Das Angebot hier im Ort wird von den Eltern sehr gern gewünscht", so Stäck. Daher müsse sich die Gemeinde positionieren, wie sie ein solches sozialpolitisches Angebot darstellen wolle.
Dieser Ansicht folgen die Gemeindevertreter mit ihrem Grundsatzbeschluss. Doch ist damit immer noch kein Haus in Sicht. Sogar die Idee von schnell aufbaubaren Containern als Behelfskita macht die Runde. Das gibt es an anderer Stelle auch.
Jetzt wollen Amt, Gemeinde und Jugendwerk weiter verhandeln, um eine mögliche Lösung zu schaffen. Eine Verlängerung für die am 31. März ausgelaufene Fahrregelung ist beantragt worden. Die Eltern sind informiert, dass ihre Kinder noch bis zum 31. Juli in Schwedt betreut werden, so Heiko Stäck. Sollte sich keine Möglichkeit finden, dauerhaft ein Haus zu nutzen oder zu bauen, käme noch eine Tagespflege in Betracht. "Wir sind auch dazu im Gespräch", so Heiko Stäck.