Skispringen Bad Freienwalde
: Teamwettkampf bei Olympia gestrichen – die Folgen für den Sport

Das IOC hat den beliebten Teamwettbewerb im Skispringen bei Olympia gestrichen. Trainer Stefan Wiedmann aus Bad Freienwalde fürchtet eine andere Bedrohung für den Verein und die Sportler.
Von
Jessica Reichhardt
Bad Freienwalde
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Seit Jahren begleitet Trainer Stefan Wiedmann die Nachwuchs-Sportler vom Wintersportverein Bad Freienwalde im Skispringen. Manche von ihnen wollen bis ganz nach oben zu Olympia. Die neueste Entscheidung des IOC erschwert dies aber.

Stefan Wiedmann
  • Das IOC streicht den Teamwettbewerb im Skispringen bei Olympia, ersetzt ihn durch das „Super Team“.
  • Nur noch zwei statt vier Athleten pro Nation können um Medaillen kämpfen.
  • Trainer Stefan Wiedmann kritisiert erschwerte Chancen für deutsche Athleten und erhöhten Druck.
  • IOC will kleinere Nationen fördern, Kritik wegen möglicher Kostenersparnis bleibt bestehen.
  • Wiedmann warnt: Streichung der Kombination wäre für Wintersportnationen verheerend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Das verringert die Chancen auf eine Medaille schon stark“, so Stefan Wiedmann. Er ist seit einem guten Jahrzehnt Landestrainer beim Wintersportverein (WSV 1923) in Bad Freienwalde. Und das mit Begeisterung. Über Jahre hinweg trainiert er Kinder und Jugendliche, die nicht nur zum Zeitvertreib zum Verein kommen, sondern die auch über sich hinauswachsen wollen. Für einige ist der Traum von einer Medaille bei Olympia ein Ansporn – ganz oben ankommen.

Dass das IOC (Internationales Olympisches Komitee) den ursprünglichen Teamwettbewerb im Skispringen abgeschafft hat, stößt daher nicht bei allen auf Begeisterung. „Dafür gibt es jetzt einen anderen Teamwettkampf – das sogenannte Super Team, bei dem nur noch zwei Athleten an den Start gehen. Ich hätte den ursprünglichen Wettkampf lieber beibehalten. Das sehe nicht nur ich so“, sagt der 33-Jährige. Deutschland sei im Skispringen und in der Kombination eine starke Nation. Bisher hatten vier Sportlerinnen und Sportler die Chance auf eine Medaille. Mit der Umstellung auf das Super Team sind es nur noch zwei.

Die Sportler aus Bad Freienwalde haben mehr Druck, um zu Olympia zu kommen

Der Landestrainer fährt fort: „Bedrückt sind die Kinder deswegen nicht unbedingt, aber sie haben schon daran zu knabbern. Für unsere Sportler, die seit Jahren dabei sind, wie Moritz Terei im C-Kader, für die ist das frustrierend. Die Einzelmedaille ist viel schwieriger als eine Teammedaille. Schon allein in das Zweierteam jetzt zu kommen, ist eine noch größere Herausforderung geworden.“ Der Trainer berichtet, wie er Kinder trainiert, die mit fünf bis sieben Jahren anfangen und bis zum 16. Lebensjahr hart für den Leistungssport arbeiten. Die wenigen, die es schaffen, wechseln dann zu einem Stützpunkt. Beispielsweise in Obersdorf (Allgäu/Bayern) oder Oberwiesenthal (Erzgebirge/Sachsen).

Das polnische Skisprungteam hatte die Entscheidung des IOC bereits offen gegenüber den Medien kritisiert. Die Frankfurter Rundschau berichtete. Es fielen Vorwürfe wie Geld- und Kostenersparnis als Motiv. Trainer Wiedmann teilt diese Meinung nur bedingt.

„Ich habe eher den Eindruck, dass es eine Frage der Teilnahme kleinerer Nationen ist, dass es einfach mehr Konkurrenzkampf gibt. Von den Kosten her bleibt es ja fast gleich. Den Teamwettkampf gibt es ja immer noch – nur in einem anderen Format“, erklärt Wiedmann ruhig. Für ihn macht es Sinn, dass das Komitee versucht, auch kleineren Nationen die Chance zu geben, konkurrenzfähig zu sein. Er gibt zu bedenken, dass es für manche Mannschaften einfacher wäre, nur zwei gute Athletinnen und Athleten zu finden – statt vier. Der Landestrainer kann sich vorstellen, dass das IOC so hofft, dass mehr Nationen um die Medaillen kämpfen.

IOC könnte noch mehr beim Skispringen streichen

Viel schlimmer fände es Stefan Wiedmann, wenn die Kombination als Disziplin gestrichen würde. Das wäre sowohl für ihn als auch für den Verband schmerzhaft. Kombination ist Skisprung und Langlauf in einem. „Das wurde auch schon diskutiert im letzten Jahr. Da es mitunter eine der wenigen Sportarten ist, die es nur für die Herren gibt. Es gibt jetzt seit zwei, drei Jahren jedoch einen Weltcup mit Damen-Kombination. Aber da war das IOC der Meinung, dass noch nicht genug Sportlerinnen daran teilnehmen„, so Wiedmann. Vorerst ist die Diskussion auf Eis gelegt, aber Wiedmann befürchtet, dass, wenn die Entwicklung dem IOC nicht schnell genug voranschreitet, auch dieser Wettkampf gestrichen werden könnte.

„Das wäre für den Deutschen Skiverband, aber auch für Österreich und alle großen Wintersportnationen eine Katastrophe.“