Funklöcher: Uckermärker lehnen riesige Funkmasten ab

Gigantische Türme: Die Stahl- oder Betonriesen ragen weit hinauf. Das macht sie ungeliebt. Betreiber haben dadurch gerade auf dem Lande, wie in der Uckermark, echte Schwierigkeiten beim Ausbau ihrer Netze.
Stefan CséviDoch die großen Anbieter sind wider Erwarten häufig gar nicht schuld an dem Dilemma. Zwar hat es lange gedauert, bis sich endlich ein flächendeckendes Netz auch auf dem Lande etabliert hat. Aber es fehlt weiterhin an Standorten für die hohen Türme. Die nämlich sind offenbar sehr unbeliebt. „Alle wollen eine gute Versorgung, aber keiner will einen Masten sehen“, so André Reichow, Mobilfunkbeauftragter im Landkreis Uckermark. „Natürlich ist es Sache der Firmen, für den Ausbau zu sorgen, jedoch stehen sie dabei vor massiven Problemen. Ein Spannungsfeld, das uns auch weiterhin begleiten wird.“
Anwohner haben Angst
Seit Jahren schon suchen Betreiber nach geeigneten Flächen in der Uckermark. Ist ein Standort gefunden, hagelt es Kritik. Anwohner haben Angst, „verstrahlt“ zu werden. Dabei hängt das eher von der Sendeleistung der Mobilgeräte ab. Ortsvorsteher fürchten um ihr Dorfbild. Der Naturschutz wettert gegen die rund 40 Meter hohen Türme. Während in größeren Städten Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen oder Getreidesilos kaum ins Auge fallen, findet sich in den naturbelassenen Weiten des Kreises kein solch hohes Gebäude. Auch der Denkmalschutz will die Masten im Umfeld historischer Ensemble nicht sehen. Am Ende gibt es aus den verschiedensten Gründen keine Baugenehmigung, dafür aber einen Wust an Vorschriften.
Zwischen 18 und 24 Monaten dauert es in der Regel, bis ein Standort ans Netz gehen kann. Da haben sich schon ganze Generationen von Handys verändert. „Es gibt eben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine flächendeckende Versorgung“, erklärt André Reichow. „Und der Kreis kann nur moderierend wirken.“
Prenzlau hat bisher die beste Versorgung bei 5G-Standard, gefolgt von Schwedt. Dann kommen die anderen Städte, die Autobahn und Eisenbahnlinien. Eine zentrale und übers Internet abrufbare Funklochmessung weist ansonsten überall weiße Teppiche aus. Im Wald ist ganz Ebbe. Auch unter den drei großen Anbietern in der Uckermark (Telekom, Telefonica und Vodafone) gibt es drastische Unterschiede in der Netzversorgung. Sie stehen mit dem Kreis in Verbindung. „Vieles wird gerade aufgerüstet“, so Reichow. Allerdings meist in den Ortschaften. Außerhalb bleibt es dünn. Auch der Bund unterstütze mit einem Förderprogramm 5000 neue Masten.
Informationen zur mastgenauen Versorgung unter www.breitbandmessung.de im Internet; Funkloch-App.
Ausbau von 5G
Die Telekom hat gerade ihre 5G-Initiative in Deutschland gestartet. Darüber informiert das Unternehmen. Der Landkreis Uckermark ist mit dabei. In Angermünde, Lychen, Prenzlau, Schwedt und Templin wurden Mobilfunkstandorte mit dem neuesten Mobilfunk-standard ausgestattet.
Aber das ist nicht alles: Auch die Nutzer eines modernen LTE-Smartphones profitieren, denn die Mobilfunkstation erkennt ab sofort, ob sich ein LTE- oder 5G-Handy in ihrer Funkzelle aufhält und versorgt das Handy je nach Bedarf. Auch ältere Standards wie GSM und UMTS werden weiterhin bedient. Das 5G-Netz steht mit seinem Leistungsvermögen noch am Anfang.⇥red