Ein kleiner Junge sucht Heimat. Dabei hat er Eltern und ein Zuhause. Doch ist es das, was zählt? Wer ist er wirklich? Warum fühlt er sich falsch?
Emotional berührend, fantasievoll und dennoch überraschend unsentimental erzählt Maike Suter-Wegener von der inneren Zerrissenheit eines Kindes zwischen Trennungseltern, von seinen Selbstzweifeln, der Verunsicherung, Erlärungsversuchen, weil er von anderen Kindern gemobbt wird, weil er klein, schmächtig, nachdenklich ist, ein Außenseiter. Ein Außerirdischer? Wo ist sein Heimatplanet?

60 Einsendungen zum Ehm Welk-Literaturpreis 2022

Mit ihrer Geschichte „Jakob und sein Heimatplanet“ hat die Autorin aus Bernau den Ehm Welk-Literaturpreis 2022 gewonnen, ein Preis der mit 2.000 Euro verbunden und damit der höchstdotierte und zugleich begehrteste Literaturpreis in Berlin-Brandenburg ist. Unter insgesamt 60 Einsendungen aus Prosa und Lyrik und mehreren preisverdächtigen Arbeiten hatte die Jury der Uckermärkischen Literaturgesellschaft dennoch sehr eindeutig die diesjährige Siegerin gekürt. In einer sehr bewegenden Feierstunde wurde am 24. September 2022 der Preis in Angermünde verliehen, in dem Haus, das dem Namensträger des Literaturpreises Ehm Welk in besonderer Weise verbunden ist.

Vermächtnis von Ehm Welk lebendig halten

Das Haus Uckermark ist der neue Sitz des Angermünder Museums, das Heimatgeschichte und Literatur miteinander verwebt und dem in Biesenbrow bei Angermünde geborenen Schriftsteller und Humanisten Ehm Welk („Die Heiden von Kummerow“) nicht nur mit der sehenswerten Skulptur vor dem Haus ein Denkmal setzt. Sein Werk, seine Botschaft, durchzieht die Ausstellung im Museum wie ein roter Faden.
Auch der Literaturpreis, der seit 1992 alle zwei Jahre vom Landrat der Uckermark ausgelobt wird, will das literarische Vermächtnis von Ehm Welk, seine Heimat- und Menschenverbundenheit würdigen und lebendig halten.

Förderung von Kultur und Literatur in Brandenburg

Mit dem Preis sollen Kultur, Literatur und Autoren der Region gefördert werden. „Die Auseinandersetzung mit dem literarischen Erbe Ehm Welks und dem Thema Heimat ist heute aktueller denn je. Angesichts von Flucht und Abwanderung und der großen Probleme in der Welt bekommt der Begriff Heimat eine neue Bedeutung“, sagte die Uckermark-Landrätin Karina Dörk auf der Festveranstaltung im Museum Angermünde.

Angermünde

Literatur und Kunst vermögen den Blick auf die Welt, auf die Region zu schärfen und zugleich zu weiten und sie richten ihn auch auf etwas Angenehmes, Freudiges, Schönes, was in dieser Zeit umso wichtiger ist“, betonte die Landrätin.

Berührende Geschichte aus der Perspektive eines Kindes

Die Preisträgerin Maike Suter-Wegener tauche auf sehr eindringliche Weise in kindliche Sichtweisen ein und hinterfragt, was es ausmacht, wenn Geborgenheit und Sicherheit fehlt, etwas, das Heimat ausmacht, ohne an einen bestimmten Ort gebunden sein zu müssen, begründete auch die Laudatorin und frühere Ehm Welk-Literaturpreisträgerin Kena Hüsers das Besondere der Geschichte. Maike Suter-Wegener ist eigentlich Musikerin und in der Uckermark gar nicht so unbekannt.

Corona-Stille brachte Musikerin zum Schreiben

Als Solo-Oboeistin musiziert sie auch im Preußischen Kammerorchester. Die gezwungene Stille in der Corona-Pandemie führte sie wieder zum Schreiben, das sie schon als Kind und Jugendliche sehr gern tat und damals eigentlich schon Schriftstellerin werden wollte. Aus Schleswig-Holstein stammend lebte sie nach verschiedenen Lebensstationen in ganz Deutschland heute in Brandenburg, in Bernau.

Angermünde

Eine Frau, die so viel Heimat im Herzen trägt, und sie dort findet, wo sie Geborgenheit und Liebe findet, beschäftigt sich mit diesem Thema aus Kinderperspektive und öffnet Erwachsenen die Augen, würdigte Kena Hüsers die Autorin.

Bewegende Preisverleihung in Angermünde

Die möchte der Schreiberei, der Literatur, neben der Musik künftig wieder mehr Aufmerksamkeit widmen. Auch der Preis motiviere dazu.
Schriftsteller aus der Uckermark Literatur aus Angermünde gewinnt in Potsdam

Angermünde

Die Festveranstaltung in Angermünde, zu der auch der Vorsitzende des Kreistages Uckermark Wolfgang Banditt, die ehemalige, langjährige Vorsitzende der Uckermärkischen Literaturgesellschaft, Iris Riesebeck, Mitglieder der Gesellschaft sowie ehemalige Preisträger und Teilnehmer des Wettbewerbs 2022 anwesend waren, bot Gelegenheit, die Schönheit und Bedeutung von Literatur zu erleben und das Anliegen des Preises zu würdigen.

Literaturgesellschaft plant weitere Lesungen

Musikalisch kunstvoll umrahmt wurde die Preisverleihung vom Pianisten Jakub Dobrzycki aus Stettin, der wie auch die Preisträgererzählung für Gänsehaut beim Publikum sorgte. Die besten Autoren des Wettbewerbes 2022 werden nun demnächst auch zu Lesungen der Uckermärkischen Literaturgesellschaft eingeladen. Die nächste Ausschreibung erfolgt 2024.

Die Preisträger seit 1992

2022 Maike Suter-Wegener für ihre Erzählung „Jakob und sein Heimatplanet“;2020 Munir Alubaidi für die Satire „Die Kuh, die das Bild des Präsidenten fraß“ und Sandra Gugic für ihren Beitrag „Wachen“;
2018 Kena Hüsers für die Kurzgeschichte „Die Christanje“;
2016 Roland Schulz für die Erzählung „Der gebrochene Deich“;
2014 Roberto Fiedler für die Erzählung „Septemberschnee“;
2012 Ralf-Günther Schein für die Gedichtsammlung „Jahresringe“ und Yvonne Zitzmann für die Erzählung „Endmoränen“;
2010 Rochus Stordeur für die Erzählung „Verlassenes Haus“;
2008 Marion Boginski für einen Manuskriptauszug aus dem Roman „Krieger zu Fuß“;
2006 Rene Schmidt für den Gedichtzyklus „Ahornsommer“ und Stefan Eikermann für die Erzählung „Märkischer Sand“;;
2004 Horst Wolf für die autobiografische Erzählung „Die Okarina“;
2002 Jenny Reinhardt für die Erzählung „Krokodilmann“;
2000 Hans-Joachim Nauschütz für die Geschichte „Fortgehen“, sowie Sonderpreis für Dr. Horst Pohl für die niederdeutsche Erzählung„ Kinnerfest“;
1998 Maria Seidemann „Hütte und Stern“;
1996 Henry-Martin Klemt für die Geschichte „ Brille ab zum Gebet“;
1994 Matthias Körner für die Skizzen „Landleben“;
1992 Ingrid Protze für Gedichte und Walter Flegel für die Erzählung „Das Schafmädchen“.