Die geplante Einweihungsfeier musste aufgrund der Coronavirus-Pandemie jedoch abgesagt werden. Ist sie überstanden, soll die Zeremonie nachgeholt werden. Damit die Zeit bis dahin nicht lang wird, kann gelesen werden. An Lesestoff herrscht im schmucken Groß Briesener Bücherschrank jedenfalls kein Mangel. Ob Kinderbuch, Abenteuerroman oder Krimi - wer lesen will, wird fündig.
Bei der Erfüllung des Wunsches der Groß Briesener nach einem Bücherschrank unterstützte der Kreislandfrauenverband Potsdam-Mittelmark. Landfrau Kornelia Hurttig sagt: "Bücherschränke gibt es mittlerweile deutschlandweit. Auch in Dörfern des Landkreises. Wir Landfrauen betreuen bereits drei und sorgen so für Lesespaß vieler Kinder und Erwachsener."
Der dritte - in Groß Briesen - gleicht den beiden anderen. Dem Bücherschrank in Nahmitz und dem in Reckahn. Alle drei strahlen in den Farben grün, rot und blau - den Farben der Landfrauen. "Das Design ist immer gleich, nur die Beschriftung unterscheidet sich", so Kornelia Hurttig und bittet Christiane Herm, Roswitha Kabelitz und Marianne Vogel zu sich. Die drei Damen aus Groß Briesen sind Landfrauen wie sie und in der Ortsgruppe Golzow engagiert. Das Trio hatte die Werbetrommel für die Bücherschrankidee gerührt, Helfer und Unterstützer gesucht und war maßgeblich daran beteiligt, dass das anfangs unmöglich erscheinende Projekt am Ende Wirklichkeit wurde.
"Wenn ich daran denke, wie das Areal hier vor einem Jahr noch ausgesehen hat. Das es so schön wird, hätte ich mir nicht träumen lassen", lobt Ortsvorsteher Rainer Spiesecke, der Stolz auf seine Dorfgemeinschaft und auf die engagierten Landfrauen ist.
Schließlich hat das 183 Seelendorf mit dem schmucken Bücherschrank nicht nur eine Tauschbibliothek erhalten, sondern die kleine Freifläche in der Ortsmitte erfuhr auch eine große Aufwertung. Ehemals war sie mit einem Haus bestanden, das im Verlauf eines Jahrhunderts als Gasthof, Konsum und Wohnhaus genutzt wurde. Nunmehr können die Groß Briesener dort verweilen und sich im Bücherschrank mit Lesestoff versorgen.
"Jeder kann Bücher einstellen, entnehmen, tauschen, leihen, zurückbringen oder behalten. Die Bücherschränke bieten allen einen kostenlosen Zugang zur Literatur. Sie sind für alle Bürger zugänglich, um Bücher kostenlos zu tauschen oder mitzunehmen", erklärt Kornelia Hurrtig das Konzept und ergänzt: "Besonders in kleineren Dörfern, wo die Infrastruktur schwach ist, sind solche Möglichkeiten wichtig und werden sehr gern von allen Altersgruppen angenommen."
Finanziert wurde das Projekt über das Förderprogramm für nachhaltiges Miteinander im Land Brandenburg. Über die erhaltene 80-prozentige Unterstützung, die die Einwohner aus dem Dorf mittels 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit, privaten Spenden und Unterstützung von ortsansässigen Unternehmen aufstockten, konnte letztendlich nicht nur der Bücherschrank angeschafft, sondern auch das Areal im Kreuzungsbereich gestaltet werden.
Vor einem Jahr, der Gehwegausbau im Dorf war noch im vollen Gang, hatte man sich in der Gemeinde Gedanken über einen möglichen Standort des Bücherschranks gemacht. Bad Belzigs früherer Bauamtsleiter Christoph Grund schlug damals die Freifläche in der Ortsmitte vor, wenig später stellte die Stadt das Areal auch schon zur Verfügung. Nach Erhalt der Förderung wurde das Projekt innerhalb kurzer Zeit verwirklicht.