Eigentlich wollten die Werbiger ihre neue Bücherzelle bereits im Frühling einweihen. Dochmit Beginn der Corona-Pandemie geriet der Plan ins stocken. Und so vergingen von der ersten Idee bis zur offiziellen Indienststellung der Minibibliothek fast 2,5 Jahre.

Buchleihe an alter Bushaltestelle

„Aber was lange währt, das wird gut“, so Ortsvorsteherin Kerstin Zureck. Zahlreich hatte sich die Dorfgemeinschaft an der alten Bushaltestelle eingefunden, die für die Bücherzelle weichen musste und konnte, weil es längst eine neue gibt. Unter Einhaltung der aktuellen Hygieneregeln - von Mindestabstand bis Maskenpflicht - übergab Kerstin Zureck den „Haustürschlüssel“ zur Bücherzelle dann auch recht fix an Angelika Charpentier und Birgit Thieme. Beide haben die Verantwortung für die Bücherausleihe übernommen, die demnächst noch an die Straßenbeleuchtung angeschlossen wird und dann auch über Licht verfügt.

Ortsbeirat und Stadtkasse finanzierten Bücherzelle

In die Verwirklichung ihrer Vision der Bücherzelle investierte der Ort fast 2.400 Euro, die zu gleichen Teilen aus dem Budget des Ortsbeirates und der Stadtkasse finanziert wurden. Grüße von Bürgermeister Roland Leisegang, der zur Einweihung eingeladen war aber nicht kommen konnte, richtete Kerstin Zureck bei der Gelegenheit auch an die Einwohnerschaft.
„Die recht hohe Summe entstand, weil wir an der Zelle haben alles durch Firmen machen lassen“, erklärt die Ortsvorsteherin. Von der Abholung über den Einbau der Regale bis hin zur Umlackierung.

Eine Bank kommt 2021 hinzu

Im kommenden Jahr soll zur Bücherzelle eine Sitzgelegenheit kommen. Keine einfache Holzbank, sondern aus einem mit Steinen gefüllten Drahtgestell, das obenauf eine hölzerne Sitzfläche hat. „Wir haben uns für eine solche Gabionenbank entschieden, weil wir etwas pflegeleichtes und haltbares wollen“, so Kerstin Zureck weiter. Und die inliegenden Steine, so Evelyn Hahn-Just und Michaela Angermann vom Ortsbeirat, würden mit Blick auf den viel zitierten „steinreichen“ Fläming wunderbar passen.

Ideengeber sind Angelika und Ralph Charpentier

Die Idee, im Ort eine Bücherzelle zu installieren, stammt wiederum von Angelika und Ralph Charpentier. Die Eheleute erzählen, andernorts Bücherzellen gesehen zu haben und dass sie von diesen immer wieder fasziniert waren. „Für uns stand schnell fest, dass so eine Bücherzelle auch etwas für unser Dorf wäre“, so Ralph Charpentier. Im Ortsbeirat wurde die Anregung sofort für gut befunden und nach einer Möglichkeiten der Umsetzung gesucht.

Von Krimis über bis Schulbücher

Für die „Erstausstattung“ der Mini-Bibliothek haben Angelika Charpentier, Birgit Thieme wie viele andere Werbiger bereits ausgewählte Literatur beigesteuert. Krimis, Liebesromane, Tierbücher, Biografien, Kinderbücher und auch Schulbücher. Sogar Werke des Philosophen Immanuel Kant und des russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn stehen zur Ausleihe bereit.

Außenhülle wird im nächsten Jahr aufgepeppt

Bis zum kommenden Jahr, so Ortsvorsteherin Kerstin Zureck, soll dann auch noch die Außenhülle der ausgemusterten und leuchtend gelb lackierten Telefonzelle aufgepeppt werden. Und noch etwas macht das Projekt besonderes. In Werbig gab es zu keiner Zeit einen solchen öffentlichen Fernsprecher. Zum telefonieren mussten die Einwohner, bis nach der Wende Telefonanschlüsse in alle Häuser gelegt wurden, stets in die öffentliche Poststelle gehen.