50.000 verkaufte Exemplare
: Bestsellerautor stellt Buch in Bad Freienwalde vor

Der Historiker und Publizist Leonhard Horowski las in Bad Freienwalde aus seinem Buch „Das Europa der Könige“.
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
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Großes Interesse: Der Autor Leonhard Horowski (r.) signiert nach der Lesung seine Bücher für die Gäste, darunter auch Henning Höhne (l.) aus Schiffmühle.

Steffen Göttmann

Anstelle des angekündigten Moderators Samuel Wittwer von der stiftung peußische Schlösser und Gärten führte Prof. Dr. Marcus Köhler aus Dresden durch die Veranstaltung. Köhler ist Inhaber der Professur für Geschichte der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege an der TU Dresden. Mit diesem Hintergrund interessierte er sich natürlich auch für den Park von Schloss Freienwalde, der aus seiner Sicht bedauerlicherweise mit Hinweisen auf „Lebensgefahr“ derzeit für Besucher gesperrt ist.

Marcus Köhler stellte den umtriebigen Historiker Leonhard Horowski vor, der dann kurzweilige eineinhalb Stunden die Zuhörer in die Welt der Macht und Spiele an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts eintauchen ließ. „Ich erzähle Episoden neben der Geschichte, für die in wissenschaftlichen Texten kein Platz ist“, sagte Horowski

Liebesdramen und Champagner

Es ging um politische und menschliche Intrigen, Liebesdramen, Champagner und Saufgelage sowie um die Psyche von Herrschern und Beherrschten. Wichtig ist Horowski dabei, dass er immer bei den überlieferten Tatsachen bleibt, also keine Geschichten erfindet, aber dennoch die Geschichte so überliefert, dass sie spannend und mitreißend für die Leser ist. Das ist ihm nur zu gut gelungen, denn von seinem Buch „Das Europa der Könige“ hat er schon über 50 000 Exemplare verkauft und den Sprung in die Beststeller–Listen des Spiegel geschafft. Dafür hat der Historiker mehrere Jahre in Archiven gestöbert und vor allem persönliche Briefe seiner Protagonisten ausgewertet.

„Dabei ist mit die Digitalisierung vieler Dokumente zugutegekommen, denn ich konnte sie am Bildschirm auswerten“, berichtete er.  Sonst hätte er oft weit entfernten Bibliotheken und Archiven reisen müssen. Dort herrscht häufig Foto– und Kopierverbot, so dass er sich hätte vor Ort Notizen machen müssen. So habe er viele Quellen direkt im Internet einsehen können, so dass ein sehr stattliches Werk von imposanten 1047 Seiten entstanden ist, aus dem er Auszüge vortrug.

Besonders spannend für die an Bad Freienwalde Interessierten waren die Ausführungen zu Königin Friederike Luise, Gemahlin Friedrich Wilhelms II., die Schloss Freienwalde  als Sommersitz bauen ließ. Freienwalde war dabei wohl nicht die Liebe auf den ersten Blick, denn Horowski zitiert aus Briefen Friederikes eher abfallende Worte über den Kurort. Dennoch stieg die Sympathie deutlich, so dass sie dann auch den Park gestaltete und das Teehäuschen erbauen ließ. Sie sei eben auch „exzentrisch“ gewesen, so Horowski — was für ein Glück für Freienwalde.

Im Anschluss an die Lesung folgte noch eine kurze Diskussion, in der vor allem die Modalitäten der so genannten „Trauung zur linken Hand“ hinterfragt wurden. Dabei heirateten  Herrscher ihre Mätressen, obwohl sie mit der offiziellen Ehefrau verheiratet waren. Friederikes Ehemann Friedrich Wilhelm II  war Meister dieses Fachs.

Ehe zur linken Hand

Bei der auch „morganatisch“ bezeichneten Eheschließung darf ein Partner — meist die Frau — einen niederen gesellschaftlichen Rang haben — keine Selbstverständlichkeit zur „Zeit der Könige“.  Beim Ausklang mit gehörigem Abstand wurden sämtliche mitgebrachten Exemplare des Bestsellers verkauft. So waren Veranstalter und Gäste zufrieden mit der Veranstaltung — selbst im Schloss seien derzeit steigende Besucherzahlen zu verzeichnen, so eine Mitarbeiterin der Walther–Rathenau Gedekstätte, die die Ausstellung in der zweiten Etage des Schlosses betreut und gerne weitere Gäste empfängt. Leonhard Horowski arbeitet nun an seiner Habilitationsschrift, die er an der Berliner Humboldt–Universität einreichen wird.