A-cappella-Konzert
: Gregorian Voices begeistern Bad Freienwalde

Mit großem Applaus hat das Publikum in Bad Freienwalde am Sonntag die Sänger der „Gregorian Voices“ verabschiedet.
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
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Die Mönchskutten sind nur Kostüm: The Gregorian Voices mit Vladimir Manolov, Yuri Nikolov, Nayden Kamarashev, Ivaylo Donkov, Velislav Ninov, Ivaylo Gerassimov, Nikolay Bikov und Dirigent Anton Petrov (von links) in der Konzerthalle in St. Georg in Bad Freienwalde. Sie begeisterten das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Kulturtempel.

Wolfgang Rakitin

Der junge Mann mit der Bariton-Stimme ist mit den Gregorian Voices am Sonntag erstmals in Bad Freienwalde zu Gast gewesen. „Wir fühlen uns sehr willkommen“, fügte Velislav Ninov, die zweite Bariton-Stimme, hinzu.  Die Akustik in der Konzerthalle sei sehr gut – wie in einer Kirche.

In Mönchskutten mit Kapuze stiegen die acht Sänger auf die Bühne der Konzerthalle, ein ungewohnter Anblick in der von evangelischen Christen geprägten Region. Es sind allerdings nur Kostüme. „The  Gregorian Voices“ haben eine seltene Ausnahmegenehmigung. Sie dürfen in den braunen Gewändern der Benediktinermönche auftreten, weil sie deren gregorianische Choräle präsentieren, berichtet ihre deutsche Sprecherin.

Mit Gregorianik und lateinischen Texten  beginnt das aktuelle Programm des bulgarischen Vokaloktetts, das ausschließlich A cappella singt, also ohne instrumentale Begleitung. Nur Tageslicht fällt durch zwei kleine  Fenster der Bad Freienwalder Konzerthalle auf die Bühne. Die Beleuchtung ist sparsam gehalten, wie in einer Klosterkirche. Mit ihren Stimmen schaffen die Sänger zusätzlich mystische Atmosphäre. Gespannt lauschten die Zuhörer der musikalischen Darbietung, die von der frühmittelalterlichen Gregorianik bis zu Popsongs der Gegenwart reichte.

Fließende Übergänge

Bis zur Pause erlebte das Publikum eine Mischung aus gregorianischen und orthodoxen Liedern aus der Heimat der Sänger. „Sie sind zwar keine Mönche, aber alle orthodox gläubig“, führte ihre Sprecherin weiter aus. Nahezu fließend im Programm ist der Übergang zur Musik der Gegenwart, weil sie gregorial interpretiert wird.  So ist „Pie Jesu“ von Andrew Lloyd Webber nicht sofort als modernes Lied zu erkennen. Aber mit Ameno-Era folgt ein Song, den man im Radio schon gehört hat.

Nach der Pause erklingen Evergreens wie Hallelujah von Leonard Cohen, The Sound of Silence von Simon & Garfunkel, Massachusetts von den Bee Gees und Imagine von John Lennon. Tenor Nayden Kamarashev ist in der Regel der Vorsänger bei der Gegenwartsmusik. Als Anton Petrov, Dirigent und Bassstimme,. mit viel Schmelz den Klassiker  „Love me tender"  von Elvis Presley anstimmte, dürfte dem letzten klar geworden sein, dass die Sänger keine Klosterbrüder sind. Die Musik kam so gut an, dass es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen hielt, nachdem das letzte Lied verklungen war. Amazing Grace war eine der Zugaben, mit denen sich das  Vokaloktett von den Zuschauern verabschiedete.

„Ich bin absolut begeistert“, sagte Christine Reichmuth aus Neulewin, sichtlich gerührt, nach dem Konzert. "Sehr gut“, lautete das Urteil von Elenora und Reinhard Fiedler aus Bad Freienwalde. „Das Konzert erfüllt unsere Erwartungen“, fügten sie hinzu. Für sie waren "The Grgorian Voices“ am Sonntag keine Premiere. Sie haben die Gruppe bereits in Neuküstrinchen, im Dom des Oderbruchs erlebt, in dem die sakrale Atmosphäre noch besser rüber kam.

Die Gregorian Voices touren seit 2011 in wechselnder Besetzung jeweils zwei Monate lang durch Europa. „Wir haben heute das 36. von 50 Konzerten absolviert“, sagte Ivaylo Gerassimov gegenüber der MOZ. Ihre Tour begann in der Schweiz. Von Zürich ging es direkt nach Sachsen. Nach Auftritten in Altlandsberg und Bad Freienwalde fahren sie weiter nach Norden. Die Gruppe reist in einem Kleinbus von Kulturstätte zu Kulturstätte. Die Nacht zum Montag verbrachten sie in einem Hotel in Bad Freienwalde, nur wenige Schritte von der Konzerthalle entfernt. Ein seltener Vorteil, den sie sehr genossen haben.  Der A-cappella-Gesang stelle eine große Herausforderung dar, weil er von der Sängern höchste Genauigkeit verlangt. Die Töne müssen stimmen. „Aber wir sind das ja gewohnt“, so Gerassimov.