Airbrush-Malerei
: Sonnenuhr ziert Hausfassade

Individualität kontra Einheitsbrei: Waltraud und Klaus Schöntaube ließen auf ihr Haus eine Sonnenuhr malen.
Von
Steffen Göttmann
Wölsickendorf-Wollenberg
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Sonnenuhr als gemaltes Bild: Waltraud und Klaus Schöntaube aus Wollenberg mit Airbrush-Künstler Steffen Siebensohn aus Wandlitz.

Steffen Göttmann

Eine Sonnenuhr ist eine alte Tradition, die ich an meinem Haus wieder aufleben lassen möchte“, sagt Klaus Schöntaube.

Der Wollenberger schilderte dem Wandlitzer Airbrush-Künstler Steffen Siebensohn seinen Wunsch. „Der kann so etwas machen, weil er in Bildern denkt“, ergänzt der Wollenberger. Und der Künstler hat zur Freude Schöntaubes seinen Wunsch umgesetzt und eine fast einen Quadratmeter große Sonnenuhr an sein Haus gesprayt. „Mit einem Pinsel geht so etwas nicht“, erläutert Steffen Siebensohn. Die Fassade sei dafür zu stark strukturiert.

Der Spruch „In Deiner Hand sind meine Zeiten“ steht über der Sonnenuhr, die mit römischen Ziffern versehen ist. „Den Spruch sollte man von der Straße aus lesen können“, lautete der Wunsch des Auftraggebers, den Steffen Siebensohn gerne umsetzte. Die Sonnenuhr funktioniert jedoch nicht, sie ist lediglich eine Fassadenmalerei. „Der Arbeitsaufwand betrug etwa zehn Stunden“, sagt der Künstler.

Airbrush-Design studiert

Steffen Siebensohn malt seit fast 30 Jahren mit dem Airbrush, mit einer Farbpistole, die mit Druckluft funktioniert. Es gibt sie in verschiedenen Maßen mit größerem und kleinerem Durchmesser. Siebensohn, Jahrgang 1962, kommt aus Berlin und hat fünf Jahre in Bochum Airbrush-Design gelernt. Die Größe der Objektes sei für ihn eine große Herausforderung gewesen, sagte Steffen Siebensohn, der eine Werbeagentur in Wandlitz betreibt und Autos, Motorräder und andere Objekte bemalt. Er habe schon mal die Fassade einer Heizungs- und Sanitärfirma gestaltet, dennoch seien so große Projekte eher seltener.

Beim Übertragen auf die Fassade markierte Steffen Siebensohn mithilfe eines Zollstocks Referenzpunkte, die den Grundriss skizzierten. Den Untergrund legte er mit weiß vor und schichtete anschließend Farbe um Farbe darüber, bis ein fertiges Bild entstand. Linien zieht er mit freier Hand.

Seit Siebensohn den Germanischen Bärenhund „Ben“ der Schöntaubes auf die Motorhaube ihres Familienautos gezaubert hat, bekommt er immer wieder Aufträge. Er bemalte bereits drei Seiten des Hauses mit japanischen Motiven. Auf einer Seite prangt Japans höchster Berg, der Fujiyama, auf der anderen Seite Zweige japanischer Kirschblüten sowie eine Pagode. In Japan waren die Wollenberger noch nie. „Wir sind nach der Wende viel gereist, waren in Indonesien und Sri Lanka“, berichtet Klaus Schontaube. Dort hat sich das Ehepaar inspirieren lassen und sich einen japanischen Garten anlegen lassen.

Die Sonnenuhr ist zwar kein japanisches Motiv, ist aber trotzdem farblich darauf abgestimmt worden. Mit kritischen Äußerungen von Passanten kann Schöntaube leben. Denn das Leben wäre seiner Auffassung nach langweilig, wenn alle den gleichen Geschmack hätten. „Ich bin in der glücklichen Lage, meine Ideen zu verwirklichen“, ergänzt Schöntaube. Steffen Siebensohn sieht er dabei als Unterstützer.

Sonnenuhr liegt im Schatten

Dass die Sonnenuhr nur eine Malerei ist, ficht die Schöntaubes nicht an. Die Hauseingangstür befindet sich nicht an der Sonnenseite des Einfamilienhauses, das die Schöntaubes vor einigen Jahren gekauft haben. „Hier funktioniert sie nicht, aber hier finden wir sie schöner“, unterstreicht Klaus Schöntaube. Auf der steinernen Bank unter der Sonnenuhr ist es schattig, dort lassen sich er und seine Frau Waltraud gerne nieder.