Aktionstag: AWO Kita in Wriezen will „Kinder stark machen“
„Wir werden heute keine Wettkämpfe machen. Das ist einfach ein Spaß- und Bewegungstag, an dem sie auch mal andere Sachen erleben dürfen, als im normalen Kita-Alltag oder Zuhause, ohne Geld dafür zusätzlich zu bezahlen“, erklärt Peter Küster. Der 49-jährige Leiter der Awo-Kita hat mit seinen Mitarbeitern einen Aktionstag unter dem Motto „Kinder stark machen“ organisiert. Dahinter verbirgt sich eine bundesweite Mitmach-Initiative der Bundesagentur für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Mittelpunkt steht eine frühe Suchtvorbeugung.
Gefährliche Zuckersucht
Prävention soll frühzeitig beginnen, bevor junge Menschen mit potenziellen Suchtmitteln in Berührung kommen. In erster Linie Nikotin, Alkohol und Drogen – aber auch die Sucht nach Medienkonsum und bestimmten Inhaltsstoffen spielt eine immer größere Rolle in der Präventionsarbeit. Im Mittelpunkt bei den Kleinkindern: Süßigkeiten. In Wriezen agiert man in dem Bereich schon. „Marie Juchacz“ ist zuckerfrei. Vormittags gäbe es nur Wasser und ungesüßte Tees. „Wenn ein Kind Geburtstag hat und Kuchen mitbringt, ist das natürlich schon mal okay“, sagt Küsters und schmunzelt.
Für die Krippenkinder gibt es deswegen an diesem Aktionstag aber auch ein Obst- und Gemüsebuffet. Im Mittelpunkt steht aber Bewegung. Küster erklärt: „Wir wollen die Kinder vor allem beim Teamgeist stärken.“ Zeigen, dass es andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Mittags werden die Kindergartenkinder in die Halle kommen und am Nachmittag die Hortkinder, die diese Woche ihr Winterferienprogramm haben. Kino, Oderbruchfahrt mit Picknick, Kegeln. Nachmittags geht es für sie dann in die Halle.
Die Initiative „Kinder stark machen“ soll das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen stärken, auch ihre Konflikt- und Kommunikatiosfähigkeiten fördern. Alles in der Vorbereitung, um in Gruppendruck-Situationen besser „Nein“ sagen zu können. Gerade in den Teenager-Jahren wählen junge Leute Suchtmittel wie Nikotin, Alkohol oder Cannabis um sich aus Situationen der Überforderung zu flüchten. Die BZgA-Initiative bietet deswegen Pakete mit Infomaterialien und Vorschlägen, wie ein Aktionstag in Schulen, Betreuungseinrichtungen oder Sportvereinen gestaltet werden kann. Die Wriezener Kita hätte vor allem die Tipps zu den Gruppenspielen übernommen. Materialien mussten sie aber schon hinzukaufen. „Zwei Springseile reichen nicht für die 100 Kinder, die wir diese Woche hier haben“, erklärt Küster.
Der Aktionstag sei eine Probe. „Wir wollten das immer schon mal machen“, erklärt der Kita-Leiter. Wenn es gut laufe, wolle das Team diese Aktionen öfter anbieten. Auch abends, sodass Eltern aktiv in die Suchtprävention eingebunden werden könnten. Denn dies alles solle ja dem Kindeswohl zugute kommen. Für Küster ist es unwahrscheinlich, dass ein Aktionstag Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung aufgrund von Sucht herausfiltere. „Natürlich kriegen wir das im Alltag viel eher mit, als wenn wir so einen Aktionstag machen.“ Allgemein gilt: „Bei jedem Verdachtsfall wird erst mal sofort mit der Familie gesprochen.“ Der letzte Schritt sei dann das Benachrichtigen des Jugendamtes.


