Angriff in Bad Freienwalde
: Bunte Demo – Vermummte greifen Teilnehmer an

UPDATE 16.6.: Ein buntes Familienfest der Initiative „Bad Freienwalde ist bunt“ ist von einer Gruppe vermummter Männer angegriffen worden. Die Kripo ermittelt.
Von
Ulf Grieger,
Felix Krone,
dpa
Bad Freienwalde
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Großes Polizeiaufgebot: Nach einem Angriff durch einen Gruppe Vermummter am Sonntag (15. Juni) auf ein Fest hat die Polizei auf dem Bad Freienwalder Markt 20 Einsatzkräfte zusammengezogen.

Großes Polizeiaufgebot: Nach einem Angriff durch einen Gruppe Vermummter auf ein Fest hat die Polizei auf dem Bad Freienwalder Markt 20 Einsatzkräfte zusammengezogen.

Ulf Grieger
  • Angriff auf Familienfest "Bad Freienwalde ist bunt" durch vermummte Männer.
  • Polizei rückte mit 20 Einsatzkräften an, zwei Verletzte gemeldet.
  • Angreifer verschwanden Richtung Parkplatz und Kanalstraße.
  • Innenminister René Wilke kündigte Besuch an, Ermittlungen laufen.
  • Extreme rechte Vorkommnisse in Bad Freienwalde, Bürgermeisterwahl am 28. September.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sollte ein buntes Familienfest auf dem Bad Freienwalder Markt werden. Doch kurz vor Beginn der Kundgebung unter dem Motto „Für ein buntes Bad Freienwalde“ gab es einen Angriff durch eine Gruppe vermummter Männer, die mit Schlagstöcken und Quarzhandschuhen bewaffnet waren, so Zeugen.

Mindestens zwei Personen erlitten leichte Verletzungen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz soll die Ermittlungen übernehmen. Auf Bildern des rbb-Fernsehens ist zu sehen, wie ein maskierter Mann einem Besucher mit der Faust ins Gesicht schlug. Am Sonntagabend waren die Täter - rund zehn bis 15 Angreifer - noch nicht gefasst.

Innenminister kommt nach Angriff nach Bad Freienwalde

Gegen 15:20 Uhr trifft Innenminister René Wilke auf der Kundgebung ein. Auf der Bühne möchte er ausdrücklich nicht sprechen, stattdessen sucht er den Austausch mit Betroffenen und Augenzeugen

Sein Besuch sei nicht geplant gewesen, er sei spontan angereist, als er von dem Überfall erfahren habe, so Wilke. Da habe er „entschieden, dass es angemessen ist, herzukommen“, erklärt er auf Anfrage dieses Medienhauses. Betroffene hätten ihm vor Ort von dem Überfall berichtet.

Innenminister René Wilke am Sonntag (15.Juni) in Bad Freienwalde:

Innenminister René Wilke am Sonntag (15.Juni) in Bad Freienwalde: Gegen 15:20 Uhr trifft Innenminister Rene Wilke auf der Kundgebung ein.

Felix Krone

Dass eine politische Versammlung angegriffen wurde, sei „alles andere als trivial“, erklärt der Innenminister, und ein Angriff auf das Versammlungsrecht. Das sei „nicht hinnehmbar, da es den Grundkonsens unserer Gesellschaft berührt und der ist nun mal, dass Menschen sich versammeln und ihre Meinung ausdrücken“ - ungeachtet der politischen Ausrichtung, wie Wilke betont. Dieser Konsens dürfe nicht verletzt werden.

Gefährdungsrisiko zunächst als gering einschätzt

Die bereits zum 5. Mal ausgetragene Veranstaltung „Bad Freienwalde ist bunt“ der gleichnamigen Initiative verschiedener politischer Kräfte der Kurstadt war bislang immer friedlich verlaufen. Daher hatte die Polizei das Risiko einer Gefährdung auch als gering eingeschätzt, informierte Jens Ortmann, Erster Polizeihauptkommissar und an dem Tag Dienstgruppenleiter der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland. Man habe deshalb zunächst zwei Streifen zur Sicherung der angemeldeten Veranstaltung am Sonntag auf dem Markt eingesetzt. Außerdem war noch die Streife der Wasserschutzpolizei in der Nähe.

Doch der Angriff der Gruppe von zwölf vermummten Männern kam vor Veranstaltungsbeginn gegen 12 Uhr blitzschnell, wie Zeugen berichten. Sie kamen aus Richtung Kirche/Amtsstraße und versuchten laut Zeugenaussagen, mittels Teleskopschlagstöcken und Quarzhandschuhen die Stände am oberen Markt zu stürmen. Dann rannten sie laut rufend über den übrigen Markt und verschwanden Richtung Parkplatz und Kanalstraße.

Jens Ortmann kann noch nicht bestätigen, dass die Angreifer tatsächlich Schlagstöcke hatten. „Das werden die Ermittlungen der Kripo ergeben. Wir sind zunächst erst mal vor Ort, um den Verlauf der angemeldeten Veranstaltungen zu schützen“, erklärte er auf Nachfrage. Dafür wurden nun 20 Einsatzkräfte zusammengezogen.

Angriff in Bad Freienwalde – Veranstalter und Gäste geschockt

Auch wenn die Veranstaltung dann ihren geplanten Verlauf nehmen konnte, war der Angriff Vermummter dann doch das Gesprächsthema Nummer ein. In Bad Freienwalde, wo die als rechtsextrem eingestufte AfD zur Bundestagswahl mehr als 40 Prozent bekommen hatte, und wo am 28. September die Bürgermeisterwahl ansteht, seien alltags immer wieder rechtsextreme Vorkommnisse zu erleben, wie Judith von Initiatoren berichtet. An manchen Tagen entfernen sie und ihre Freunde bis zu 180 Sticker aus dem öffentlichen Raum, die rechtsextreme Inhalte haben.

Geschockt zeigte sich auch der regionale Grünen-Vorsitzende Hendrik Martens. „Von unserem Stand wurde die Fahne gestohlen und wie eine Trophäe geschwungen“, erzählt er. Zwei Verletzte soll es beim Überfall gegeben haben. Wobei Heino von der Initiative „Wir packen's an“ berichtete, dass er mit einem der Angreifer zusammengeprallt sei; geschlagen wurde er nicht.

Musikalische einstimung: Die trommelschule bvo steffi Kiel stratet anche dem angriff durc ie gfrupe vremumter da bphneprogramm auf dme marktplatzin bad freienwsle

Musikalische Einstimmung: Die Trommelschule von Steffi Keil startete nach dem Angriff durch die Gruppe Vermummter das Bühnenprogramm auf dem Marktplatz in Bad Freienwalde.

Ulf Grieger

Dieter Schäfer, langjähriger Kreissportbundvorsitzender und Linker aus Strausberg, war fassungslos. „Die wollten die Stände stürmen“, fasst er seine Bobachtung zusammen. Was sie gebrüllt haben, habe er nicht verstehen können, Barbara Habig von „Omas gegen Rechts“ aus Berlin ist froh, dass sonst nicht viel passiert ist. Ihre Initiative finde immer mehr Mitstreiterinnen, freut sie sich. Nun gibt es diese aktiven Politomas auch schon in Seelow, Strausberg, Hoppegarten und Eberswalde.

Die Polizei hat Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet und bittet Zeugen, die das Geschehen beobachtet haben und insbesondere Aussagen zu den unbekannten Tätern und möglicherweise von ihnen genutzten Fahrzeugen machen können, sich unter der Telefonnummer 03341-3300 an die örtlich zuständige Polizeiinspektion Märkisch-Oderland zu wenden oder relevante Informationen über die Internetwache der Brandenburger Polizei via polbb.eu/hinweis mitzuteilen.