Bahn in Brandenburg: Welche Chancen hat die Wriezener Bahn jetzt?

Am Wriezener Bahnhof: Dr. Johannes Theißen, team red Deutschland GmbH, Projektleiter der Machbarkeitsstudie, und Steffen Blunk, Vorsitzender Initiative Wriezener Bahn (Archivfoto)
Steffen BlunkAm Dienstag wurden in Werneuchen die Ergebnisse der vom Land Brandenburg beauftragten Machbarkeitsstudie für die mögliche Reaktivierung der Wriezener Bahn vorgestellt. Der Weg ist frei für die nächsten Schritte des Reaktivierungsverfahrens. Was bedeutet das konkret für die Strecke Werneuchen – Wriezen? Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Initiative Wriezener Bahn e. V., Steffen Blunk.
Herr Blunk, Sie waren bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie in Werneuchen. Sind Sie überrascht? Zufrieden?
Steffen Blunk: Überrascht hat mich nicht das positive Ergebnis selbst, das hatte ich im letzten Infrastrukturausschuss des Landtages ja bereits gehört. Überrascht hat mich allerdings eine der beiden Varianten, die nun weiterverfolgt werden soll. Ich möchte betonen: positiv überrascht. Ob ich zufrieden bin, hängt aber davon ab, ob weiterhin mit angezogenen Bremsen gefahren wird, oder ob sich der Prozess jetzt beschleunigt.
Bevor wir darauf eingehen – vielleicht können Sie kurz darstellen, welche Varianten untersucht wurden und was daran überraschend ist?
Steffen Blunk: Die erste Variante entspricht im Wesentlichen der von uns untersuchten Möglichkeit, die Strecke auf 80 Kilometer pro Stunde auszubauen. Die zweite sieht einen Streckenausbau auf 140 km/h vor. So mutig waren wir in unserer Studie nicht. Das bedeutet höhere Planungsleistungen und andere technische und bauliche Voraussetzungen. Dass diese Variante offensichtlich als die vielversprechendere Möglichkeit angesehen wird, ist spannend und positiv überraschend.
Die Logik dahinter ist aber nachvollziehbar: Bei der höheren Geschwindigkeit würde kein Kreuzungspunkt zwischen Werneuchen und Wriezen benötigt werden, bei der langsameren Variante jedoch schon. Deshalb wären die Gesamtinvestitionskosten bei der schnelleren Variante geringer. Hinzukommt, dass dann nicht mehr Wriezen der Endhaltepunkt wäre, sondern Eberswalde. Das hätte den enormen Vorteil, dass auch von Bad Freienwalde eine Direktverbindung nach Berlin bestehen würde. Und schließlich würde die Fahrtzeit zwischen Wriezen und Werneuchen nur 26 Minuten betragen, statt 33 Minuten wie in der langsameren Variante – damit steigt die Attraktivität der Strecke noch einmal deutlich.
Zufrieden sind Sie nur bedingt, sagten Sie eingangs …
Steffen Blunk: Seit ich mich mit der Strecke beschäftige, sind die Baukosten explodiert. Waren wir nach dem Preisstand von 2016 noch von rund 40 Millionen Investitionskosten ausgegangen, haben wir 2022 selbst schon mit 90 Millionen gerechnet. Hätte das Land nicht jahrelang auf die Bremse getreten, wären wir mit wesentlich weniger Geld schon wesentlich weiter. Beruhigend ist, dass die Machbarkeitsstudie trotz der steigenden Investitionskosten zu einem positiven Ergebnis kommt. Aber spätestens jetzt ist der Punkt erreicht, an dem auch das Land dringend Tempo machen müsste.
Es wird Zeit, dass die Regierung den Menschen in unserer Region zeigt: Wir nehmen Euch wahr, wir nehmen Euch und Eure Wünsche ernst und wir sorgen dafür, dass Ihr Anschluss an die Bundeshauptstadt bekommt, statt Euch weiter abzuhängen. Laut Aussagen in dem Termin am Dienstag soll die Kosten-Nutzen-Analyse 2026 fertig werden, das ist ein brauchbarer Zeithorizont.
Blunk kritisiert zu starken Fokus auf Straßenbau
An der Kosten-Nutzen-Analyse könnte die Strecke aber scheitern.
Steffen Blunk: Absolut. Zumal die Bundesregierung gerade zeigt, dass ihr Straßen wichtiger sind als Bahnverkehr, ein Verharren in der Bonner Verkehrspolitik der 80er Jahre. Aber ein negatives Ergebnis ist immer noch besser als gar kein Ergebnis. Dann könnte man abschließen. Im Übrigen bin ich aber optimistisch. Die Machbarkeitsstudie bestätigt die Arbeit unseres Vereins in vielen Punkten und es wird durchaus auch positiv wahrgenommen, wie geschlossen wir in der Region hinter der Bahn stehen. Zum anderen lassen viele Details der Machbarkeitsstudie vermuten, dass das Verhältnis der Kosten und des Nutzens im laufenden Betrieb deutlich positiv ausfallen werden – letztendlich muss ja dieser laufende Betrieb dauerhaft finanzierbar sein, das erscheint momentan gut möglich.
Kann man die Machbarkeitsstudie einsehen?
Steffen Blunk: Sie steht auf der Website des Infrastrukturministeriums öffentlich zum Download bereit und wir werden auf unserer Website initiative-wriezener-bahn.de auch einen Link dorthin setzen.


