Bilanz
: Feuerwehr Bad Freienwalde gibt es nicht zum Nulltarif

Spart nicht mit Kritik: Bad Freienwaldes Stadtbrandmeister René Erdmann.
Von
Michael Anker
Bad Freienwalde
Jetzt in der App anhören
  • Gut besucht: Die Jahreshauptversammlung der Bad Freienwalder Freiwilligen Feuerwehren.

    Gut besucht: Die Jahreshauptversammlung der Bad Freienwalder Freiwilligen Feuerwehren.

    Michael Anker
  • Ehrung: Bei der Jahreshauptversammlung der Bad Freienwalder Freiwilligen Feuerwehren wurden zahlreiche Kameraden in höhere Dienstgrade befördert und langjährige Mitglieder mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet. Mehr dazu lesen Sie in der Dienstagsausgabe des Oderland-Echos.

    Ehrung: Bei der Jahreshauptversammlung der Bad Freienwalder Freiwilligen Feuerwehren wurden zahlreiche Kameraden in höhere Dienstgrade befördert und langjährige Mitglieder mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet. Mehr dazu lesen Sie in der Dienstagsausgabe des Oderland-Echos.

    Michael Anker
1 / 2

Die offizielle Einweihung findet allerdings erst am 12. April dieses Jahres statt. So musste die Jahreshauptversammlung der Bad Freienwalder Wehren am Freitag vergangener Woche noch außerhalb, in den Schülerclub der Erna–und–Kurt–Kretschmann–Oberschule, verlegt werden. Dort bot sich ein Bild, wie man es sonst selten zu sehen bekommt: Etwa 150 Blauröcke hatten im Saal Platz genommen. Neben den Kameradinnen und Kameraden der Stadtwehr waren auch die der Ortswehren sowie einige Gäste der Einladung gefolgt.

Kritische Töne

Stadtbrandmeister René Erdmann kam in seinem Rechenschaftsbericht sogleich auf den Punkt, und bedauerte, dass der Gefahrenabwehrbedarfsplan nach mehreren Jahren der Bearbeitung noch immer nicht präsentiert werden könne. Er sollte die Arbeitsgrundlage der Feuerwehren in Bad Freienwalde sein. „Gründe hierfür sind mehr als unglückliche Umstände und eine gewisse Unprofessionalität. Die Ursachen kennen die jeweiligen Verantwortlichen sehr gut und auch ich nehme mich in dieser Angelegenheit nicht aus der Pflicht“, so der Stadtbrandmeister. Der Bedarfsplan sei nicht nur für die Träger des Brandschutzes von großer Bedeutung, auch in den Freiwilligen Feuerwehren sei er ein wichtiger Bestandteil und werde kritisch diskutiert. Die Feuerwehrleute stellten sich die Frage, ob so neue zukünftige Herausforderungen gemeistert werden können. Für das Jahr 2019 konnte René Erdmann feststellen, dass die Zuverlässigkeit der Wehren bei 134 Brandeinsätzen und 149 Hilfeleistungen unter Beweis gestellt wurde. Er dankte den Kameraden sowie ihren Ortswehrführern ausdrücklich dafür.

Der zweite kritische Punkt des Rechenschaftsberichtes betraf die Bereitschaft öffentlicher Arbeitgeber, Feuerwehrleute zum Einsatz freizustellen. „Völliges Unverständnis herrscht unter uns darüber, dass es nicht gelingt, im Einvernehmen mit öffentlichen Arbeitgebern Kameradinnen und Kameraden zu Lehrgängen oder Einsätzen freizustellen. Das gefährdet die Tageseinsatzbereitschaft der Wehren, besonders in den Ortsteilen“, musste René Erdmann konstatieren. Die Einsatzstatistik des letzten Jahres spiegele dies deutlich wider.

Eine Lösung sieht der Stadtbrandmeister in der Einführung von hauptamtlichen Kräften. In Anbetracht der immensen Kosten, die damit verbunden wären, plädiere er aber dafür, das bestehende System so zu strukturieren, dass es zukunftsfähig werde. Das müsse aber eine bessere Würdigung und Stärkung des Ehrenamtes im Brand– und Katastrophenschutz bedeuten. Die Bereitstellung von Wohnraum, eine Feuerwehrrente, der kostenlose Führerscheinerwerb oder eine Ehrenamtskarte der Stadt, mit der die Mitglieder der Wehren freien Eintritt in öffentlichen Einrichtungen hätten, könne sich René Erdmann vorstellen, um dieses besondere Ehrenamt zu stärken.

Der Stadtbrandmeister bedankte sich bei der Stadtverwaltung und den gewählten Vertretern der Kommunalpolitik für die Unterstützung und das Vertrauen in ihre Arbeit. Mahnte aber sogleich eine moderne technische Ausstattung und sichere Gerätehäuser an. Besonders schlecht seien die Zustände in Schiffmühle. Er forderte, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen sowie die finanziellen Mittel bereitzustellen. „Die Feuerwehr gab es und wird es nicht zum Nulltarif geben“, so Erdmann.

Dank an die Stadt

Ausdrücklich bedankte er sich bei der Stadt und der Stadtverordnetenversammlung, dem Planungsbüro und den Firmen für das neue, hochmoderne und funktionale Gerätehaus in Bad Freienwalde. Es wurde fristgerecht fertig und stehe nun allen Wehren der Stadt zu Verfügung. „Hier hat sich einmal mehr gezeigt was entstehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen“, lobte er.

Sowohl Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) als auch Stadtverordnetenvorsteher Jörg Grundmann (Linke) bedankten sich in ihren Grußworten bei den Feuerwehrleuten für deren Einsatzbereitschaft zu jeder Tages– oder Nachtzeit. Und sicherten zu, sich um das Problem der Freistellung von Kameraden bei öffentlichen Arbeitgebern zu kümmern.