Buchkunst: Nordische Märchen regen Kat Menschiks Fantasie an

"Die Puppe im Grase": Illustration von Kat Menschik aus dem gleichnamigen Buch mit norwegischen Märchen. Galiani-Verlag Berlin, 80 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-86971-195-9.
Kat MenschikNorwegen ist das Gastland der nun beginnenden Buchmesse in Frankfurt am Main. Dem Thema gewidmet hat sich auch Illustratorin Kat Menschik, die in Berlin und bei Wriezen lebt. Mit Nadja Voigt sprach sie über ihr aktuelles und neuestes Projekt.
Frau Menschik, mit „Die Puppe im Grase“ ist nun das Buch der beiden passionierten Märchensammler Peter Christen Asbørnsen und Jørgen Moe erschienen. Die Illustratio–nen dazu stammen von Ihnen. Wie sehr haben die Märchen Sie inspiriert?
Seit ich ein Kind war, habe ich immer wieder alle Märchen gelesen, die ich in die Finger bekam. Von allen waren mir die skandinavischen Märchen die liebsten. Das liegt vielleicht daran, dass sie noch wilder und rauer sind als die Grimmschen Märchen, dabei aber oft unseren Hausmärchen gar nicht unähnlich. Deshalb fühlte ich mich in den norwegischen Märchen wahrscheinlich auch irgendwie heimisch. Hinzu kommen aber auch Beschreibungen der nordischen Natur — weil die Natur in Märchen ja immer eine große Rolle spielt –, die mich so berührt hat und die die Fantasie enorm anregt.
Ihre ausdrucksstarken Zeichnungen stehen für sich und sind im Wesentlichen in drei Farben gehalten. Was wollen Sie beim Leser/Betrachter erreichen?
Für jedes Buch, das ich illustriere, überlege ich mir ein Konzept, suche ich nach einer ganz speziellen Idee, die das Buch einzigartig macht. Für das Märchenbuch habe ich mir Norwegen vorgestellt: Fjorde, Berge, Wasser, Wälder, Himmel, Schnee. Die verschiedenen Blautöne assoziieren weite Landschaften und die Kühle des Nordens. Dazu ein knalliges Rot, das ich als Kontrast und sehr sparsam als Akzent eingesetzt habe. Ich hoffe natürlich, dass ich den Leser mit meinen Bildern noch tiefer hineinziehe in die Geschichten und ihn damit erfreue.
Zu sehen sind neben wilden Tieren auch Pflanzen und Figuren der Mythologie. Wen erwecken Sie mit Ihren Zeichnungen am liebsten zum Leben?
Das kann ich gar nicht richtig beantworten. Anfangs dachte ich, am schönsten wird es sein, mir alle möglichen Trolle auszudenken. Damit habe ich mich dann aber sehr zurückgehalten, um nicht anderen ein Bild zu machen, was sie vielleicht gar nicht haben beziehungsweise haben wollen. Landschaftsszenen, Grasstücken, Nahaufnahmen, Gesten, Blicke — das zeichne ich gern.
Welche Rolle spielen die Natur und das Leben auf dem Lande in ihrem Leben?
Eine immer größere. Wir leben immer ausgiebiger auf dem Land. Ich kann in Berlin und auf dem Land arbeiten — ich brauche ja nur Feder und Tusche und ein Din–A4–Blatt. Die Natur im Wechsel der Jahreszeiten buchstäblich hautnah zu erleben, ist wunderbar, spendet Energie und macht einfach glücklich. Allerdings fand ich die letzten Sommer auch besorgniserregend. Im Grunde waren wir zum größten Teil mit Gießen beschäftigt, die Dürre hat allen zu schaffen gemacht.
Das Buch erschien in Ihrer Reihe „Lieblingsbücher“ im Galiani–Verlag. Sieben sind es bisher. Gibt es schon neue Favoriten?
Ja, Alexander Puschkins Pique Dame ist schon in der Druckerei.
Zuletzt wurden Edgar Allan Poes „Unheimliche Geschichten“ aus Ihrer Reihe von der Stiftung Buchkunst als eines der 25 schönsten deutschen Bücher des Jahres ausgezeichnet. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Ich freue mich natürlich riesig über die Auszeichnung. Was ich sagen kann, ist, dass ich wirklich sehr viel arbeite und mir bei allem, was ich mache, große Mühe gebe. Ich versuche, mich nicht zu wiederholen, mir und anderen eine Freude mit den Büchern zu machen und die Leser zu überraschen. Und manchmal bin ich eben selbst überrascht, dass es auch mal klappt mit einem Preis.