Bücherstube
: Lebenszeichen in Heckelberg-Brunow

Die Bücherstube in Heckelberg-Brunow geht ins zehnte Jahr. Getragen wird die Einrichtung von Bürgern.
Von
Jörn Kerckhoff
Heckelberg
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Der andere Treffpunkt: Pauline Berger (links) freut sich darüber, dass sie die Bücher zu ihrer Lieblingsserie gefunden hat. Martina Brandenburg (Mitte) hat die Bücherstube mitinitiiert.

Jörn Kerckhoff

Es ist ganz schön was los an diesem Dienstagnachmittag in der Bücherstube in Heckelberg. Am ersten Öffnungstag im neuen Jahr nutzen viele Stammkunden die Gelegenheit, Bücher zurückzugeben, sich neuen Lesestoff zu holen oder andere Dorfbewohner zu treffen und ihnen ein gesundes neues Jahr zu wünschen. Schnell wird deutlich: Die Bücherstube ist mehr als eine Gelegenheit, sich Bücher auszuleihen, sie ist ein Ort der Begegnung und Kommunikation. Viele gibt es davon in dem kleinen Ort offenbar nicht, auch das wird im Gespräch mit den Besuchern schnell klar. Genau deswegen ist es Ortsvorsteherin Martina Brandenburg auch so wichtig, die Bücherstube, die allein vom Ehrenamt lebt, zu erhalten.

Durch Fernsehen zum Buch

Die Motive, die Bücherstube zu besuchen sind ganz unterschiedlich. Pauline Berger sieht sich zum Beispiel gerne die Serie „Outlander“ an und will nun auch die Bücher dazu lesen. „Ich habe alle acht Bände gefunden“, freut sich die junge Frau. Mit den Schmökern, die alle zwischen 750 und 1000 Seiten haben, werde sie eine Weile beschäftigt sein, erzählt sie. „Außerdem ist die Atmosphäre schön hier, man trifft immer mal jemanden und quatscht dann auch etwas“, so Pauline Berger.

„In meinem Alter kauft man keine neuen Bücher mehr“, erzählt dagegen Heide Reiners, warum sie die Bücherstube nutzt. Sie leihe sich lieber Bücher aus, die sie dann auch wieder zurückbringen kann, anstatt sie zu kaufen und nach dem Lesen daheim ins Regal zu stellen, wo sie höchstens einstauben.

Die Bücherstube wurde am 28. Dezember 2010 in zwei Räumen des Gemeindehauses eröffnet, geht also nun in ihr zehntes Jahr. Die Idee dazu hatten Martina Brandenburg und Petra Kurz. Brandenburg war als Patientin bei Kurz, die eine Praxis für Physiotherapie hatte. Bei ihren Besuchen in der Praxis seien sie immer wieder auf das Thema Bücher gekommen, erinnert sich die Ortsvorsteherin. So sei die Idee der Bücherstube entstanden. Die Gemeinde stellte die Räume im Gemeindehaus zur Verfügung, so stand der Bücherstube nichts mehr im Wege.

Neue Helfer für Bücherstube

Allerdings mussten auch noch Helfer gefunden werden, die sich für dieses Projekt begeistern konnten und bereit waren, während der Öffnungszeiten – die Bücherstube hat jeden Dienstag zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet – die Aufsicht zu übernehmen. Zehn Leute fanden sich, so dass die Anzahl der Arbeitseinsätze pro Jahr auch überschaubar bleibt. Dennoch ist Martina Brandenburg immer auf der Suche nach neuen Helfern. „Einige von uns sind inzwischen in einem Alter, in dem sie sich das nicht mehr unbedingt zumuten wollen“, erklärt Brandenburg. So freute sie sich, dass am ersten Öffnungstag des Jahres gleich zwei neue Helfer in die Bücherstube kamen.

Die eine ist Annerose Pflugradt. „Es gibt nur noch wenige Sachen im Dorf, deswegen muss man das erhalten, was es noch gibt“, erklärt sie, warum sie sich nun für die Bücherstube engagieren möchte. Manfred Teubner ist der andere Neue, er suchte einfach nach einer Aufgabe und fand diese in dem ehrenamtlichen Projekt. Und er möchte das Angebot gleich erweitern und sucht Schachpartner für die Öffnungszeiten am Dienstag.

Neben der Möglichkeit, Bücher auszuleihen, veranstaltet die Bücherstube auch jedes Jahr mehrere Lesungen. Unter anderem mit Monika Schünemann aus Hohenfinow, die aus ihren Kriminalromanen liest.