„Nur weil wir außerhalb der Restriktionszone liegen, können wir überhaupt eine Gesellschaftsjagd durchführen“, sagt Christoph Naß. Der 41-jährige Leiter des Forst-, Baum- und Kommunalservice der Stadt Bad Freienwalde hat viel Zeit und noch mehr Papier investiert, damit die Drückjagd im Stadtforst an diesem Wochenende (21./22. November) stattfinden kann. Hat ein Hygienekonzept erarbeitet, Datenerhebungen vorverlegt und digital abgearbeitet, die Jagdscheine bereits im Vorfeld kontrolliert.

Jagd dient auch der Tierseuchenbekämpfung

„Aber wir brauchen die Drückjagden, um die Bestände zu reduzieren“, sagt der Stadtförster der Kurstadt. Die Jagd gehört – neben dem Waldumbau und der Baumpflege im gesamten Stadtgebiet – mit in sein umfangreiches Aufgabengebiet. Seine erste Jagd hat Christoph Naß vor genau einem Jahr organisiert. Mit Jägern aus ganz Deutschland, aber auch Dänemark und 25 Treibern. Daran ist in diesem Jahr nicht zu denken. Die Zahl der Jäger ist begrenzt, auch Treiber wird es wesentlich weniger geben. Dafür sind mehr Hunde mit dabei, sagt Naß. Innerhalb der Hegegemeinschaft sollen im Jagdjahr, das vom 1. April bis zum 31. März geht, 700 Wildschweine fallen. Rund 600 waren es im vergangenen Jahr. „Der Schwerpunkt liegt auf dem Schwarzwild“, sagt Naß. Aber auch Reh-, Rot- und Damwild sind „frei“. Im Landkreis gibt es für dieses Jahr noch keine belastbaren Zahlen, heißt es aus Seelow. Die Schwarzwildstrecke für das Jagdjahr 2019/20 betrug 7.118 Stücken. Im Vorjahr (2018/19) wurden 5.376 Stücken Schwarzwild gestreckt.

Corona-Maßnahmen erschweren Jagd

Das aktuelle Jahr ist kein einfaches: Nicht nur, dass die Corona-Maßnahmen die Jagd erschweren und die Afrikanische Schweinpest (ASP) Jäger und Behörden in Atem hält. „Bei der Jagd in Haselberg wurde nur ein Schwein geschossen. Denn dort haben drei Wölfe mitgejagt“, berichtet Christoph Naß.

14000 Hektar werden insgesamt bejagt

An diesem Wochenende werden nicht nur im Stadtforst zwischen Brunnental und Ranfter Feld Jäger auf den Hochständen sitzen, sondern auch in Sonnenburg wird beim Landesforst und durch private Jagdpächter gejagt. Bis 12 Uhr erfolgt am Sonnabend der Ansitz auf den insgesamt rund 1400 Hektar Fläche, dann wird im Laufe des Nachmittags die Strecke in der Köhlerei gelegt. Allerdings ohne Publikum. Auch die MOZ ist aus Infektionsschutzgründen in diesem Jahr nicht dabei. Christoph Naß muss sicherstellen, dass auch unter freiem Himmel alle Mindestabstände eingehalten werden, der Mund-Nasen-Schutz getragen wird und die Jäger mit dem eigenen Auto unterwegs sind.

Wildpreise sind im Keller

Und was passiert mit dem geschossenen Wild? Rainer Schinkel, 1. Beigeordneter des Landkreises macht deutlich, dass auch außerhalb der Restriktionszonen jedes Stück Schwarzwild auf ASP beprobt werden muss. Und die Preise für Wildfleisch? „Die waren bereits vorher niedrig“, so Schinkel. Das bestätigt auch Christoph Naß. „Die Preise sind unterirdisch.“ Dabei brauche niemand Angst zu haben, denn die ASP sei für den Menschen nicht gefährlich. Er hofft, dass genug von der Strecke durch die Jäger erworben wird. Der Rest geht in den Handel.
Mehr zur Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg und Polen finden Sie auf unserer Themenseite. https://www.moz.de/thema/afrikanische-schweinepest