DDR-Mopeds in Bad Freienwalde
: Simson-Freunde feiern Jubiläum mit großer Ausfahrt

Die „German East Driver“ laden zur zehnten Jubiläumsfahrt ein, die in Bad Freienwalde startet. Das wird geboten.
Von
Udo Plate
Bad Freienwalde
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Heißen die Simson-Fans willkommen: Jenny Kunze, Ronny Kunze, Michael Geyer mit seinem ausrangierten Feuerwehr-Barkas namens Giesela, Marvin Buhe und Jo Müller (v.l.)  im Namen der German East Driver auf dem Hohensaatener Sportplatz

Heißen die Simson-Fans willkommen: Jenny Kunze, Ronny Kunze, Michael Geyer mit seinem ausrangierten Feuerwehr-Barkas namens Giesela, Marvin Buhe und Jo Müller (v.l.) im Namen der German East Driver auf dem Hohensaatener Sportplatz

Udo Plate
  • Die German East Driver feiern am 29. Mai 2025 ihre zehnte Jubiläumsfahrt in Bad Freienwalde.
  • Die Ausfahrt startet um 10 Uhr am Aldi-Parkplatz und führt nach Hohensaaten.
  • 700 Simson-Zweiräder werden erwartet; der Sportplatz in Hohensaaten ist das Ziel.
  • Die Veranstaltung umfasst auch eine Fahrzeugausstellung und ein Unterhaltungsprogramm.
  • Simson-Mopeds, einst DDR-Kult, sind heute auch im Westen beliebt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Welche Simson ist die Schnellste, die Individuellste, die Farbenfroheste, und, und, und kurz: Welches der Mopeds aus Suhl heimst die meiste Aufmerksamkeit ein? Diese Frage stellten sich vor exakt zehn Jahren Marvin Buhe und Jo Müller, damals beide noch Schüler der Bad Freienwalder Oberschule.

Entstanden ist aus dieser Frage ein Event, das in Märkisch-Oderland und darüber hinaus so noch nicht gegeben hat: Nämlich ein Treffen von Simson-Liebhaber gepaart mit einer Ausfahrt durchs heimische Oderbruch. Zudem war es die Geburtsstunde der German East Driver. Zunächst eine Interessengemeinschaft, die seit nunmehr zehn Jahren stets zum Herrentag eine Ausfahrt für Simson Zweiräder und weitere Ostfahrzeuge organisiert.

German East Driver seit Januar 2025 eingetragener Verein

Welches Zweirad 2015 die meiste Beachtung ergatterte, darauf gibt die Vereinschronik der German East Driver keinen Aufschluss mehr. Im Gedächtnis geblieben ist aber den Beteiligten, wie gut die erste Ausfahrt damals angekommen war und wie viele Menschen interessiert dem Oldtimer-Spektakel folgten. Was aus den damaligen Anfängen entstanden ist, das schreibt Geschichte: Heute sind die German East Driver ein eingetragener Verein, exakt seit dem 21. Januar 2025. Mit ihren historischen Fahrzeugen aus Suhl sind die Enthusiasten aus dem Leben in Hohenwutzen, Hohensaaten, Bralitz, Bad Freienwalde, Wriezen und darüber hinaus nicht mehr wegzudenken. Stolz präsentieren ihre eigenhändig restaurierten und aufpolierten Simson, Star, Schwalbe, Sperber und Co, die teilweise noch aus den 1950ern Jahren stammen. Damit treffen sie Menschen, die sich den dem Mopedfahren verbunden fühlen und Oldie-Fans gleichermaßen direkt ins Herz.

700 Zweiräder der Marke Simson sollen es bei der Jubiläumsausfahrt am 29. Mai 2025 (Herrentag) werden. Treffpunkt ist der Aldi-Parkplatz in Bad Freienwalde um 10 Uhr. Von dort geht es dann auf die etwa 60 Kilometer lange Strecke. Ziel ist erstmals der Sportplatz in Hohensaaten bei Bad Freienwalde, ein Gelände, das im April mit einem dreitägigen Arbeitseinsatz aus seinem seit 1984 andauernden Dornröschenschlaf erweckt wurde.

Unterwegs: Die German East Driver bei einer gemeinsamen Ausfahrt, wie sie auch am Herrentag (29. Mai 2025) geplant ist. Start ist am Aldi-Parkplatz Bad Freienwalde.

Unterwegs: Die German East Driver bei einer gemeinsamen Ausfahrt, wie sie auch am Herrentag (29. Mai 2025) geplant ist. Start ist auf dem Aldi-Parkplatz in Bad Freienwalde um 10 Uhr.

Udo Plate

„Wir mussten für unsere Veranstaltung einen neuen Austragungsort suchen, da uns der Dorfplatz in Altglietzen nicht mehr zur Verfügung stand. Hohensaatens rühriger Ortsvorsteher André Scheller hat uns kontaktiert und seine Unterstützung angeboten. Da haben wir nicht zweimal überlegt und sein Angebot nur zu gern angenommen“, erzählt Marvin Buhe, der aktuelle 1. Vorsitzende des Vereins German East Driver. „Ganz Hohensaaten hat uns eine unglaubliche positive Willkommenskultur vermittelt, hat uns so die Entscheidung wahrlich leicht gemacht.“

Geburtstagsausfahrt mit DDR-Mopeds endet in Hohensaaten

Ihre Leidenschaft wollen die German East Driver an ihrer Geburtstagsausfahrt mit anderen Simson-Fans ausleben. Aber auch für alle, die sich mit Hohenwutzen verbunden fühlen, hat der Herrentag auf dem Hohensaatener Sportplatz während der sogenannten After-Show einiges zu bieten. Angekündigt sind beispielsweise Kinder-Attraktionen und ein Familien- und Unterhaltungsprogramm, bei dem auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Ebenfalls soll eine Fahrzeugausstellung integriert werden, für die eigens ein Areal eingerichtet wird.

„Wer nicht an der Ausfahrt teilnehmen kann und dennoch sein Vehikel vorstellen möchte, der ist bei uns herzlich willkommen. Das gilt für alle Oldtimer – egal ob Moped, Motorrad, Auto oder LKW. Denn, was alle Oldtimer-Fans eint, ist die Liebe zur Einfachheit der damaligen Technik“, erläutert Jenny Kunze, eine der beiden weiblichen Mitglieder der German East Driver. Die 21-Jährige wird zudem das Anführfahrzeug, einen Feuerwehr Barkas B 1000 namens „Giesela“ am Herrentag steuern. Das betagte Fahrzeug gehört Michael Geyer, der das im August 1974 zugelassene Fahrzeug seit 2012 sein Eigen und mit reichlich Leidenschaft und Hingabe am Leben erhält. Auch um Übernachtungsmöglichkeiten müssen sich die Teilnehmer keinerlei Gedanken machen. Das Gelände bietet ausreichend Platz, verfügt über sanitäre Anlagen, sodass dort gezeltet oder im Wohnmobil und -wagen übernachtet werden kann.

Simson – größter Zweirad-Hersteller der DDR

Mit knapp sechs Millionen gebauten Krafträdern war Simson der größte Zweirad-Hersteller in der DDR. 2003 kam das Aus für das Unternehmen. Heute haben die Mopeds auch im Westen Kultstatus: Die „Schwalbe“ ist das meistgefahrene Retro-Moped. Seit 1962 baut Simson in Suhl ausschließlich Mopeds, Mokicks und Roller. Und das mit Erfolg: Im September 1962 verlässt das millionste Kleinkraftrad die Montagehalle. 1964 entsteht mit dem Bau der „Schwalbe KR 51“ eines der bekanntesten Kleinkrafträder der DDR. Das Nachfolgemodell der Simson „KR 50“, auch „Nonnenhocker“ genannt, ist das erste Modell der neuen Vogel-Serie.

Neben der „Schwalbe“ präsentiert Simson auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1964 noch zwei weitere Neuschöpfungen aus der Vogel-Reihe: „Spatz“ und „Star“. Alle zwei Minuten rollt eine der schmucken „Schwalben“ in Suhl vom Band, auf der zwei Personen Platz finden und die eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erreicht. Die „Vespa der DDR“ erlangt schnell Kultstatus und schafft es bis ins Fernsehen: Der „Sandmann“ tuckert auf einer „Schwalbe“ durchs abendliche Kinderprogramm. Die Erwachsenen erfreuen sich ihrerseits an einer motorisierten Filmheldin: „Schwester Agnes“ rollt im gleichnamigen DEFA-Film aus dem Jahr 1975  in Tracht auf ihrer weißen „Schwalbe“ übers Dorf zu ihren Patienten. Ein anderes bekanntes Kult-Modell von Simson ist das Mokick „S 50“.

Mit Tempo 60 auf der Simson durch die DDR

Der Kickstarter mit Fußschaltung geht 1975 in den Bau und ist wegen seiner sportlichen Anmutung vor allem bei Jugendlichen beliebt. Der Nachfolger der Vogel-Serien „Star“ und „Habicht“ zeichnet sich durch ein gutes Fahrwerk und eine elektronische Zündanlage aus. Die „S 50“ röhrt mit Tempo 60 durch die DDR, sie ist steuerfrei und darf ohne Kennzeichen benutzt werden. Pro Jahr ist lediglich ein Haftpflicht-Beitrag von etwa 8,50 DDR-Mark fällig. Mitte der 70er-Jahre besitzt jeder Achte in der DDR ein Kleinkraftrad. Heute ist Simson das Synonym für Retro-Mopeds. Viele Modelle haben Kultstatus - nicht nur in den neuen Bundesländern, längst auch im Westen. Davon zeugen die unzähligen Mopedbanden und -clubs, die sich regelmäßig zum Fahren, Schrauben und Fachsimpeln treffen.