Defa-Filmklassiker: Politisch und persönlich
Die Geschichte wiederholt sich“, sagt Eberhard Görner. „Sie hat nur andere Kostüme.“ Von Donnerstag bis Sonntag lud der Drehbuchautor und Filmemacher zum Festival des Defa-Films ins Hoftheater ein. Unter dem Motto „Von Hollywood nach Bad Freienwalde“ wurden jeden Abend Filmklassiker aus 50 Jahren Deutscher Film-AG gezeigt. Den Anfang machte „Mephisto“ – in Erinnerung des großen Rolf Hoppe –, gefolgt von „Die Zeit der Einsamkeit“, „Jakob der Lügner“ und „Der kleine Herr Friedemann“.
Wie zeitlos die Filme sind, zeigte das Fluchtdrama „Die Zeit der Einsamkeit“, den Eberhard Görner Anfang der 1980er Jahre mit Jutta Hoffmann, Uwe Kockisch und Christian Grashof drehte. Der einstige Hauptdarsteller war sogar eigens in die Kurstadt gekommen, um gemeinsam mit dem Publikum noch einmal die Zeitreise anzutreten.
Dabei nahm nicht nur das Publikum die bedrückende Stimmung der Verfilmung auf, der die beklemmende Erfahrung des Fremdseins einfängt und das Schicksal von Rudolf (Christian Grashof) und Magda Neubert (Jutta Hoffmann) als deutsche Flüchtlinge in Frankreich erzählt, sondern auch beim Hauptdarsteller wurden Erinnerungen wach. An die Dreharbeiten in Rumänien, die Stimmung am Set und unter den Schauspielern, wie er dieser Zeitung im Interview berichtete.
Die Frage, wie man mit Menschen, mit Flüchtlingen, umgeht, stelle sich damals wie heute, sind Görner und Grashof einer Meinung. Zwar würden weder Film noch Theater die Welt ändern, aber sie geben Denkanstöße, wie man es besser machen kann, so Grashof. Derzeit ist der Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin in gleich drei Stücken zu sehen: „Warten auf Godot“, „Onkel Wanja“ und „Die Möwe“. „Im Januar wird es etwas Neues geben“, blickte der 76-Jährige voraus. Genaueres wollte er jedoch noch nicht verraten. Das Theater ist ihm nach wie vor näher als der Film, so Grashof. „Zu DDR-Zeiten stand ich dem Film sehr kritisch gegenüber. Ich war sehr wählerisch.“
Umso glücklicher schätzte sich Drehbuchautor Eberhard Görner, dass er Grashof für die Rolle gewinnen konnte. „Das war ein wahrer Glücksfall für den Film“, ist er überzeugt. Den Stoff verdankt er der Vorlage von Stephan Hermlin. „Ein spannender Dichter und Denker“, so Görner. Gedreht wurde jedoch nicht in Frankreich, sondern in Rumänien.
Mit dem Defa-Filmfestival will Eberhard Görner an eine großartige künstlerische Phase und ihre Künstler erinnern und nicht nur politische, sondern auch persönliche Geschichten wachhalten.

