Immer wieder beschäftigen Erbrechtsfälle die Gerichte. So wie jüngst am Amtsgericht Bad Freienwalde. Dabei hatte eine alte Dame einer sie pflegenden Person Haus und Hof überschrieben. Der Sohn blieb im wahrsten Sinne des Wortes außen vor. Über das Thema erben und vererben, das früher oder später alle betrifft, sprachmit dem Fachanwalt für Erbrecht, Lars Lehmann, von der Kanzlei Hempp und Partner Bad Freienwalde.
Herr Lehmann, in dem aktuellen Fall ging es um Haus und Hof, die an Dritte überschrieben wurden. Die nun die gutgläubige Besitzerin und vor allem ihren Sohn vor vollendete Tatsachen stellten. Wie hätte man dem vorbeugen können?
Wenn man zu Lebzeiten schon Haus und Hof überträgt, sollte man sich dies gut überlegen. Denn man kann nie wissen, wie sich Beziehungen und Menschen entwickeln. Ist man sich nicht sicher, dann gibt es Rücktrittsmöglichkeiten, die in dem Notarvertrag aufgenommen werden können. Im vorliegenden Fall ist die lebzeitige Übertragung auf die Dritte komplett schief gegangen und wahrscheinlich nicht mehr rückgängig zu machen.
Wie lassen sich Erbstreitigkeiten vorbeugen?
Mit einem Testament. Dafür bestehen zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der letzte Wille handschriftlich – und nur handschriftlich – dokumentiert werden. Auch muss eigenhändig unterschrieben werden. Ort und Datum sollen, müssen aber nicht vermerkt werden. Allerdings macht es Sinn, beides hinzuzufügen, falls es später einmal geändert werden sollte. Gültig ist dann nur die jeweils aktuelle Version. Zum anderen kann der letzte Wille notariell beurkundet werden. Der Notar hinterlegt das Testament dann beim zuständigen Amtsgericht.
Wie lassen sich Erbschaftsstreitigkeiten auf ein Minimum begrenzen? Welche Möglichkeiten gibt es, seinen Nachlass – egal wie groß oder klein – zu regeln?
Dazu kommt es leider immer wieder. Auch wenn jemand zum Beispiel keine Kinder hat, ist es wichtig, sein Testament zu machen. Oft kommt es jedoch dabei zu Schwankungen, wer bedacht werden soll. Vererben kann man, an wen man will. Entweder an natürliche Personen oder an juristische Personen wie Stiftungen, Organisationen oder Vereine. Bei dem Testament handelt es sich um eine einseitige nichtempfangsbedürftige Willenserklärung, die auch widerrufen werden kann.
Wann sollte man diese Angelegenheiten regeln? Erst im Alter oder auch schon in jungen Jahren?
Da man nie weiß, wann man stirbt, lohnt es sich, auch in jungen Jahren schon seinen letzten Willen zu formulieren. Denn: Er kann jederzeit geändert werden.
Rund um das Thema Testament gibt es viele Missverständnisse. Wann ist es gültig?
Nur, wenn es notariell beurkundet oder handschriftlich verfasst ist. Der Gesetzgeber lässt es zum Beispiel nicht zu, dass nahestehende Verwandte auf dem Computer ein Testament fertigen, dass dann unterschrieben wird. Auch darf demjenigen, der es aufsetzt, nicht die Hand geführt werden. Wichtig ist, dass sich Familien im Vorhinein über ein Testament verständigen. Dann fällt auch niemand aus den Wolken und fühlt sich zurückgesetzt, wenn zum Beispiel der in der Nähe lebende Sohn, der die Eltern pflegt, Haus und Hof erbt. Während der, der aus beruflichen Gründen im Westen Deutschlands lebt, "leer" ausgeht. Hier wäre es sinnvoll, vorher eine Vereinbarung zu treffen. Zum Beispiel könnte man in diesem Fall einen Pflichtteilsverzichtsvertrag notariell beurkunden lassen. Wichtig ist auf jeden Fall die Kommunikation im Vorfeld.
Wann greift die gesetzliche Erbfolge und was regelt sie?
Sie greift, wenn kein Testament vorliegt. Wenn nicht explizit geregelt ist, wer was erben soll. Dann greift die gesetzliche Erbfolge. Stirbt zum Beispiel ein Ehepartner einer vierköpfigen Familie, erbt der verbleibende Ehepartner die Hälfte des Vermögens, je ein Viertel bekommen die beiden Kinder.
Vermögen vererbt zu bekommen bedeutet entweder, ein Guthaben zu bekommen – oder auch Verbindlichkeiten.
Das begegnet mir im Arbeitsalltag häufig. Fast jeder dritte Fall ist so geartet. Lediglich sechs Wochen haben die Erben übrigens Zeit, um das Erbe auszuschlagen. Mit allen Konsequenzen: Denn dann darf aus dem Nachlass auch wirklich keine Tasse und kein Teller als Andenken behalten werden. Wird das Erbe wegen hoher Schulden des Verstorbenen ausgeschlagen, hat das also weitreichende Konsequenzen.