Erneuerbare Energien
: Vierlindens vergeblicher Widerstand gegen Windräder

Nach langen Debatten stimmt der Gemeinderat von Vierlinden dem Vorentwurf des Bebauungsplans für den Windpark Hufen zu.
Von
Cornelia Link-Adam
Diedersdorf
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100 Meter hohe Windradkolosse hinterm Haus: Hier in Dolgelin leben die Einwohner in der Gartenstraße mit den Windrädern im "Gepäck". Bis zu 250 Meter hohe "Mühlen" sollen nun bei Görlsdorf und Friedersdorf gebaut werden.

Matthias Lubisch

In der Einwohnerfragestunde meldeten sich erst „Auswärtige“ zu Wort. Matthias Nagler aus Dolgelin betonte, man sei durch die beiden jetzt zur Abstimmung stehende Billigung der Vorentwürfe der B–Pläne zu den Windeignunggebieten „Hufen“ (nördlich von Görlsdorf) und „Diedersdorf-­Friedersdorf“ mitbetroffen. Er bezweifelte, dass sich die Gemeindevertreter genug über die 25 Windräder informiert  hatten.

Abstandsregelungen kritisiert

Der Lindendorfer wollte lieber die Entscheidung der Landesregierung abwarten. Die schreibe im neuen Koalitionsvertrag von Abstandsregelungen von 1500 Metern für besonders schwer betroffene Gebiete. Bestätige man hier die B–Pläne, wären es nur 1000 Meter. „Ich sehe Chancen für eine Planung, die dem Bürger gerecht wird“, so Nagler. Dafür gab es Applaus. Stefan Hellert aus Carzig, Gemeindevertreter in Fichtenhöhe, wies darauf hin, dass der Bau von Windrädern die Grundstückswerte um bis zu 23 Prozent entwerte. "Daher geht es hier heute nicht nur um die Gemeinde, Investoren sondern auch um Privateigentum“. Dass die Gegend schon massiv mit Windrädern belastet sei, man genug zu Erneuerbaren Energien beigetragen habe, sagten viele Bürger. Henrik Wendorff aus Lietzen bat um einen baldigen Abschluss der Planungen. „Zehn Jahre haben wir uns mit dem Regionalplan beschäftigt, jetzt anderthalb Jahre mit dem B–Plänen. Wir haben große Flächen bei Worin, bekommen immer nur zeitbegrenzte Pachtverträge.“

Dass man jahrelang mit Gemeindevertretern, Planer und Verwaltung an den B–Plänen gearbeitet wurde, argumentierte ein Friedersdorfer, der für den Beschluss war. Matthias Wisicke aus Alt Rosenthal schimpfte, durch die Windräder würden nur Landbesitzer und Investoren, nicht die Bürger gewinnen. Gerd Koschmieder sprach im Namen des Ortsbeirates Friedersdorf dagegen, weil Einwendungen zu den bis zu 250 Meter hohen Windrädern nicht berücksichtigt worden.

Einflussnahme contra Angst

Rege debattierten anschließend auch die zehn Gemeindevertreter. Bürgermeister Constantin Schütze erinnerte daran, dass man nur mit B–Plänen noch Einfluss nehmen könne. „Und ihr in Fichtenhöhe und Lindendorf habt Windräder abgelehnt, trotzdem wurden sie gebaut“, sagte er in Richtung Zuschauerraum. Ute Boeckholt und Klaus–Dieter Felsmann waren dagegen. „Man muss sich der Angstmacherei entgegenstellen.“ Andere wie Margit Hampel und der von der Gemeinde beauftragte Stralsunder Planer Ralf Zarnack sprachen für die Beschlüsse. Es seien ja erst die Vorentwürfe der B–Pläne, die jetzt ausgelegt werden. Dazu könnten sich alle äußern — den 1000m–Mindestabstand und die 200m–Höhenbegrenzung als Regeln einreichen. Nach anderthalb Stunden bat Bürgermeister Schütze um Abstimmung: Mehrheitlich wurde „Hufen“ befürwortet und „Diedersdorf–Friedersdorf“ abgelehnt. Damit folgte der Gemeinderat dem Votum der Ortsbeiräte.