In seiner Rede in der Trauerhalle erinnerte Schmook an das Leben und das Werk des japanischen Arztes, der posthum und in Würdigung seiner Tätigkeit auf der Wriezener Seuchenstation, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. "Als ich vor 40 Jahren nach Wriezen kam, konnten sich nur die Älteren noch an Nobutsugu Koyenuma erinnern." Erst 1989 sei es gelungen, die Familie des gebürtigen Japaners ausfindig zu machen. "Seither kennen wir erst die ganze Geschichte", so Reinhard Schmook. Nach seinem Studium in Tokio zog es den 1909 geboren Nobutsugu Koyenuma, der der Forschung zugeneigt war, als Stipendiat nach Berlin. "Weit weg von seiner angestammten Heimat. Wie ihm das vorgekommen sein muss, wissen wir nicht." Wohl aber, dass er sehr angesehen war, wie Reinhard Schmook unterstrich. Nach dem sich Nobutsugu Koyenuma nicht eingefunden hatte, um evakuiert zu werden, strandete er zunächst in Eberswalde, bevor er seine Arbeit auf der Seuchenstation in Wriezen aufnahm. Gegen sein Ansinnen, eine eigene Praxis zu eröffnen, opponierten seine Kollegen.
Nur für sechs Monate arbeitete er auf der Typhusstation. "Er hat sich nicht geschont", blickte Reinhard Schmook zurück in die bewegte Geschichte. Auch im Oderbruch machte er bei Kranken Hausbesuche. Und steckte sich schließlich selbst mit der tödlichen Krankheit an. Um nur wenige Tage darauf an Typhus zu sterben. "Es gab eine stille Beerdigung", so Reinhard Schmook weiter. Erst Jahre später ließ die Stadt Wriezen einen Grabstein aufstellen. Allerdings einen besonders schönen aus skandinavischem Granit, der künstlerisch wertvoll gestaltet wurde. Er ist inzwischen um eine Stele erweitert, auch um den vielen Besuchern aus Japan, die jährlich Wriezen besuchen, den Weg zu weisen.
Allein drei Delegationen waren es in diesem Jahr, wie Bürgermeister Karsten Ilm berichtete. Er unterstrich die tiefe Verbundenheit zwischen Wriezen und Hachioji, der Heimatstadt Nobutsugu Koyenumas. "Es ist unsere Aufgabe, dies weiter zu vertiefen", so Ilm. Deshalb werde es auch beim nächsten Deichtag eine musikalische Darbietung von einem japanischen Künstler geben. Der Geist Dr. Koyenumas wirke bis heute fort. "Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um das Leid der Menschen zu lindern und vielen das Leben zu retten."
Grabstein mit Wasser benetzt
Nach dem Niederlegen der Kränze an der Grabstelle führte Uwe Siebert eine neue Zeremonie ein, die so auch in Japan zelebriert wird: Dabei wird der Grabstein mit Wasser übergossen. "Eine Geste des sich Kümmerns", wie Siebert erklärte. Die vollzog auch Keisuke Morimoto der gegenüber dieser Zeitung unterstrich, wie wichtig der Botschaft die Ehrung und Erinnerung in Wriezen sei. Auch das bürgerschaftliche Engagement, das sich in der Städtepartnerschaft äußere, werde sehr begrüßt. "Wir freuen uns darüber sehr. Das ist, über die sehr guten politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan hinaus, sehr wichtig", so Keisuke Morimoto.