Seit vier Jahren arbeitet Lutz Naujoks in seinem Geschäft in Alttornow allein. "Ich habe mich noch nie so gut gefühlt wie jetzt", sagt der 58-Jährige und fügt hinzu, dass er die letzten fünf Jahre seines Berufsleben ruhiger angehen will. Schon jetzt schließe er die Ladentür am frühen Nachmittag, um Zeit für die Familie, vor allem die Enkelkinder, zu haben. Und so ist er auch an diesem Tag bereits zum Kaffeetrinken verabredet.
"Du brauchst etwas, um dich abzusetzen", erklärt er und verweist darauf, dass bei ihm Wild und Wildprodukte etwa 50 Prozent des Umsatzes ausmachen. Das Wild stamme zum größten Teil aus dem Stadtforst und Jägern aus der Umgebung. "Natürlich haben die Supermärkte auch bei mir zu Einbußen geführt, aber Wild ist dort selbst als Tiefkühlware relativ teuer."
Stammklientel als Basis
Heimische Produkte würden aber gut angenommen. "Wurst, Schinken, die gängigen Sachen, und auch das Glassortiment." Grütze, gern auch "Tote Oma" genannt, sei zum Beispiel ein Muss. "Dafür machen hier auch viele Polenfahrer halt." Trotz der Straßenbaustellen, die sich natürlich bemerkbar machen. "Aber ich habe mein Stammklientel."
Außerdem würden zwei Baufirmen mittags zum Teil vorbestellen. 20 Portionen bereite er täglich frisch vor. Was auf den Tisch kommt, entscheide er meist kurzfristig. "Wichtig ist vor allem die Abwechslung." Imbiss und Partyservice runden sein Angebot ab. Deshalb mache er sich auch rar, wenn er Urlaub hat. "Zuletzt waren wir auf Gran Canaria. Wenn ich zu Hause bleiben würde, wäre an Erholung nicht zu denken. Sobald man in der Stadt oder im Garten entdeckt wird, ist es mit der Ruhe vorbei", erzählt der gebürtige Bad Freienwalder, dessen Eltern eine HO-Gaststätte führten.
Deshalb habe er ursprünglich Kellner oder Gaststättenfacharbeiter werden wollen und sich bei der Handelsorganisation beworben. Dort habe es jedoch geheißen, dass die Jungen in die Produktion müssen. "Um halbwegs im Fach zu bleiben, habe ich dann an Bäcker oder Fleischer gedacht", erzählt Lutz Naujoks. Doch Süßes habe er als 14-Jähriger nach zwei Tagen bei einem Ferienjob beim Bäcker nicht mehr sehen können. Mit 17 habe er seine Lehre als Fleischer im Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde begonnen und diese dann schon nach anderthalb Jahren mit Auszeichnung abgeschlossen. Nach der obligatorischen NVA-Zeit war er als Lehrausbilder tätig. Die Erfahrungen hätten ihm auch bei der Meisterausbildung geholfen.
Die Selbstständigkeit sei immer sein Ziel gewesen. "Zu den Arbeiterfestspielen 1988 in Bad Freienwalde wollte ich das Gärtnerhaus als Gaststätte übernehmen, aber kurz darauf wurde mir mitgeteilt, es gebe keine gesellschaftliche Notwendigkeit." Nur wenige Monate später hieß es, dass Bergemann in Sietzing aufhöre.
Mit 28 Start in Sietzing
Mit der Bürgermeisterin sei er im Juli 1989 nach Seelow zum Rat des Kreises gefahren, Handwerkskammer und Sparkasse hätten mit am Tisch gesessen. "Binnen zwei Stunden war alles klar, inklusive Kredit über 130 000 Mark." Selbst zum offiziellen Start am 1. September – da war er 28 Jahre alt – sei noch nicht damit zu rechnen gewesen, dass im November die Mauer fällt und im Jahr darauf die deutsche Einheit folgt. Im Februar 1992 habe er sich schließlich den Wunsch eines eigenen Geschäfts in Bad Freienwalde erfüllt, hatte später auch Filialen in Falkenberg und Eberswalde. Letztlich hätten dort die hohen Mieten dazu geführt, sich zurückziehen.