Gedenken
: 1000 Unterschriften in 48 Stunden

Die ehemaligen schreibenden Schüler ehrten ihren Mentor. Sie lasen aus Werken von Siegfried Schumacher (1926-2018).
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
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Erinnert an ihrem Mentor: Marianne Beise, zeitweise Vorsitzende des Zirkels schreibender Schüler, las in der Konzerthalle aus Werken von Siegfried Schumacher.

Steffen Göttmann

Mit einer Lesung aus seinen Werken haben ehemalige schreibende Schüler ihren Mentor Siegfried Schumacher gewürdigt. Der Schriftsteller war vergangenen Juni im Alter von 91 Jahren verstorben. Das Gedenken schloss seine Frau Hildegard (1925–2003) ein, mit der er die meisten Bücher gemeinsam verfasst hatte.

Marianne Beise, Ralph Biesdorf, Ada Sasse, und Martin Dexheimer lasen am Sonnabend in der Konzerthalle Passagen aus Büchern wie „Der Junge mit dem schwarzen Hund“, „Der Brillenindianer“ und „Großmutters Rock“ vor. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von dem Songpoeten Torsten Riemann, der fünf Jahre lang ein Zimmer in Schumachers Haus bewohnte. Während der Lesung wurden Bilder aus dem Leben der Schumachers auf eine Leinwand projiziert, die eine heitere und fröhliche Familie zeigten. Schumachers Bücher hatten auch etwas mit dem realen Leben zu tun. Fotos zeigten ihn zum Beispiel mit einem großen schwarzen Hund, der häufig auf seinen Knien saß. Ulrich Frischmuth (77) aus Altreetz berichtete über die langjährige Freundschaft, die ihn mit Siegfried Schumacher verband.

Ingrid Linke, Leiterin der Konzerthalle, erinnerte daran, wie leidenschaftlich Schumacher für das Haus gekämpft hat. Als Vorsitzender des Oberbarnimer Kulturvereins und danach. Als die Stadt den Dauerbetrieb einstellen wollte, habe er innerhalb von 48 Stunden 1000 Unterschriften gesammelt. Berührt waren die Zuhörer von den Originalaufnahmen, wobei Schumacher aus seinem letzten Buch „Davongekommen“, einem autobiografischen Werk las.

Siegfried Schumacher wurde am 9. August 1926 in Oderberg geboren. 1937 zogen seine Eltern nach Bad Freienwalde, wo er das Gymnasium mit dem Notabitur abschloss. Nach Krieg und Gefangenschaft wurde er Neulehrer. Schumacher und seine Frau, die 1947 heirateten, studierten am Institut für Literatur in Leipzig und lebten seit 1962 als freischaffende Künstler in Bad Freienwalde. Sie gründeten 1964 den Zirkel schreibender Schüler. Über diesen Kontakt erfuhren die Schumachers, was Kinder und Jugendliche damals bewegte. Ihnen war es wichtig, dass sich Heranwachsende mit dem Erlebten schreibend auseinandersetzen. Die Geschichten des Ehepaars spielen im Kleinstadtmilieu.