Geschichte
: Als die Seelower Höhen in Flammen standen

Der Film „Warum ich?“ beleuchtet die Kriegserlebnisse von Wolf-Dietrich Kroll, der als einziger seiner Einheit überlebt.
Von
Jörn Kerckhoff
Sternebeck
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  • Nicht so einfach, wie es aussieht: Mit gleichbleibender Geschwindigkeit mussten die beiden Züge parallel unterwegs sein, damit die Szene so eingefangen wird, wie das Filmteam es geplant hatte.

    Nicht so einfach, wie es aussieht: Mit gleichbleibender Geschwindigkeit mussten die beiden Züge parallel unterwegs sein, damit die Szene so eingefangen wird, wie das Filmteam es geplant hatte.

    Jörn Kerckhoff
  • Szene eins, die Erste: Regisseur Mario Nieswandt brauchte die richtige Zugmaschine, damit die Aufnahme nicht verwackelte.

    Szene eins, die Erste: Regisseur Mario Nieswandt brauchte die richtige Zugmaschine, damit die Aufnahme nicht verwackelte.

    Jörn Kerckhoff
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Dies ist eine Szene, die in dem Dokumentarfilm „Warum ich? Wolf D. Kroll“ des Zeitreisevereins Seelower Höhen gezeigt werden soll und die am Sonntag beim alten Bahnhof in Sternebeck gedreht wurde.

Tobias Voigt, Vorsitzender des Zeitreisevereins, Regisseur Mario Nieswandt und das ganze Team wollen in dem Film die Kriegserfahrungen von Wolf-Dietrich Kroll darstellen. Der heute 93-Jährige lebt noch in Berlin, das lange Interview des Filmteams mit Kroll dient als Grundlage für den Film, in den kurze Spielfilmsequenzen eingebaut werden. Kroll war der einzige Überlebende seiner Einheit und genau so erklärt sich auch der Filmtitel. „Warum ich?“ sei die Frage, die Kroll seit damals umtreibe, erzählt Tobias Voigt. „Warum habe ich überlebt, während alle anderen sterben mussten?“ Das Interview und auch der Film seien nach all den Jahren auch ein Versuch mit dem Erlebten abzuschließen.

Viel Vorbereitung nötig gewesen

Die Szene, die am Sonntag gedreht wurde, sieht erst einmal ganz simpel aus. Im Film wird man nur den jungen Wolf-Dietrich Kroll sehen – gespielt wird er von Heiko Rath – der in der offenen Tür des Wagons sitzt und in die Ferne schaut. Tatsächlich steckt dahinter aber eine enorme Vorbereitung und auch der Dreh selbst ist längst nicht so einfach, wie es im Film erscheinen wird.

Der Güterwagon, mit dem die Szene gedreht wird, ist ein Original, das zwischen 1910 und 1920 gebaut wurde. Das erzählen die Mitglieder des Museumseisenbahnvereins Sternebeck. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte Lokomotiven und Wagons aufzukaufen und zu restaurieren. „Wir haben einige unserer Wagen anderen Vereinen abgekauft, der Transport erfolgt teilweise über Schienen, teilweise brauchen wir aber auch Kräne zum Verladen und Tieflader für den Transport“, erzählt Heiko Reyer vom Museumseisenbahnverein. Das koste dann schon mal ein paar tausend Euro, die größtenteils von den 15 Vereinsmitgliedern und Gönnern aufgebracht werden.

Der Wagon, der in dem Film zu sehen sein wird, gehört Daniel Fettig. „Der war ganz schön ramponiert, als wir ihn gekauft haben“, erzählt der Fan alter Eisenbahnen. Der Aufbau wurde komplett neu gemacht, um den Wagon wieder in den Originalzustand zu versetzen. Wie viele Stunden Arbeit darin stecken, lässt sich kaum sagen. Neben weiteren Wagons sind auch noch Rangierloks und Baustreckenfahrzeuge im Besitz des Vereins. Einigen sieht man ihr Alter an, die Restauration soll aber folgen.

So einen Wagon zu finden, ist aber alles andere als einfach. „Ich habe Freunde, die bei der Bahn arbeiten, gefragt, die konnten mir aber nicht helfen. So habe ich lange im Internet recherchiert, bis ich dann auf den Verein in Sternebeck gestoßen bin. Und das war ein richtiges Glück, weil wir schon so viel wie möglich im Landkreis Märkisch-Oderland drehen wollen, schließlich hat sich vieles davon ja auch in dieser Region zugetragen“, erzählt Tobias Voigt. Und außerdem habe Landrat Gernot Schmidt auch die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.

Vibrationen stören Aufnahme

Das Bahnhofsgelände in Sternebeck wurde am Sonntag also zum Drehort. Während eine Rangierlok den Wagon zog, in dem Wolf-Dieter Kroll alias Heiko Rath saß, fuhr auf dem Gleis daneben eine Lok, auf der die Filmkamera stand und die Szene aufnahm. Doch auch das war nicht so einfach, wie es für den Laien klingt. Auf der ersten Lok, die für die Kamera verwendet wurde, stellte Regisseur Mario Nieswandt nämlich fest, dass sich die Vibrationen der Lok so sehr auf die Kamera übertrugen, dass kein scharfes Bild zu bekommen war. So musste die Zugmaschine gegen eine andere ausgetauscht werden – Fahrzeuge hat der Verein zum Glück einige im Bestand.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, die beiden Züge tatsächlich zu synchronisieren, dass sie parallel fahren und der eine nicht mal schneller und mal langsamer fährt als der andere. „Natürlich hätte man eine solche Szene auch digital produzieren können“, erklärt Nieswandt dazu. Aber das Team will mit dem Film einen tatsächlichen Eindruck der Geschehnisse von damals vermitteln.