Haus der Naturpflege: Bad Freienwalde feiert 70 Jahre Naturschutzeule

Hat Bad Freienwalde erkundet: Carolin Hlawatsch (r.) am Haus der Naturpflege im Dr.-Max-Kienitz-Weg. Sybille Knospe hat ihr viel über Kurt und Erna Kretschmann erzählen können.
Anett ZimmermannDass die von Kurt Kretschmann geschaffene Naturschutzeule demnächst 70 Jahre alt wird, ist im Haus der Naturpflege natürlich bekannt. Schließlich dreht sich dort alles um das Leben und Wirken des Naturschutznestors der DDR und seiner Frau Erna, die beide auch Ehrenbürger der Stadt Bad Freienwalde sind. Sie gründeten das Haus der Naturpflege vor fast 60 Jahren, erinnert Sybille Knospe und nennt damit das zweite Jubiläum, das am 5. September 2020 in größerem Rahmen gefeiert werden soll.
Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des 1993 gegründeten Fördervereins Haus der Naturpflege, der sich den Erhalt der Einrichtung zur Aufgabe gemacht hat und das Werk von Erna und Kurt Kretschmann fortsetzen will. Hinzu kommen Umweltbildung und Heimatpflege sowie die Förderung des ökologischen Gartenbaus. Weniger bekannt sei, dass der Verein auch an der Gründung der Stiftung Schorfheide–Chorin beteiligt gewesen ist, berichtet Sybille Knospe und verweist auf das Unternehmerehepaar Elisabeth und Hugo Fiege als damals treibende Kraft. „Die Stiftung kann 2020 auf ihr 20–jähriges Bestehen zurückblicken“, sagt sie und somit wird klar: Das ist das dritte Jubiläum.
Umweltminister angeschrieben
Sybille Knospe beschäftigt zurzeit vor allem die Naturschutzeule. „Zum 65. Jubiläum hatte ich die Geschichte zusammengetragen und die Umweltminister angeschrieben.“ Hintergrund war auch, dass die 1971 per Gesetz offiziell zum Naturschutzsymbol in der DDR erklärte Kretschmann–Eule ein westdeutsches Pendant hatte und zum großen Teil noch hat — einen stilisierten Seeadler. Dabei habe Kurt Kretschmann einst leidenschaftlich für ein gemeinsames — also gesamtdeutsches — Naturschutzsymbol geworben, erzählt Sybille Knospe und wünscht sich schon länger eine Entscheidung zugunsten der Eule.
Zumal es Beschlüsse der Umweltministerkonferenz aus den 1990er–Jahren gibt, wonach das Eulensymbol in den neuen Ländern weiterverwendet werden soll und damals angeregt worden ist, es bundesweit einzuführen. Berlin, Niedersachsen, Bremen und Schleswig–Holstein folgten dem Gedanken. Doch die Gestaltung blieb Ländersache und so gibt es nun verschiedene Eulen.
Mit Blick auf das gerade erst gefeierte Mauerfalljubiläum und die 2020 ebenfalls anstehenden 30 Jahre Deutsche Einheit kann es aus Sicht von Sybille Knospe keinen passenderen Zeitpunkt geben, über das Thema Vereinheitlichung neu nachzudenken. Das Kostenargument lässt sie dabei nicht gelten: „Die Schilder müssten doch nicht alle sofort getauscht werden. Man könnte sich darauf verständigen, dass die Eule zum Zuge kommt, wenn Schilder ersetzt werden müssen. Das wäre doch ein gutes Beispiel für die deutsch–deutsche Geschichte.“
85 verschiedene Schilder
Einen hartnäckigen Unterstützer dieser Idee weiß sie inzwischen an ihrer Seite. Friedhelm Scheel, ein Naturschützer aus Westerkappeln (Nordrhein–Westfalen), sei bei seinen Recherchen auf Kretschmann und dessen Eule gestoßen, freut sich Sybille Knospe. Scheel sammle seit Jahren gängige Naturschutzsymbole und habe bereits 85 verschiedene Schilder zusammengetragen. „Er wird mit ihnen im September ebenfalls nach Bad Freienwalde kommen“, kündigt sie an und weiß, dass sich Scheel unter anderem an den einstigen Bundesumweltminister Klaus Töpfer gewandt hat.
Vom Gedanken der Vereinheitlichung zeigt sich übrigens auch Carolin Hlawatsch begeistert. Die freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Tiere, Natur und Reise und in diesem Falle für die Neue Osnabrücker Zeitung unterwegs, hat sich auf Drängen von Friedhelm Scheel mit dem Thema befasst und sich zu Wochenbeginn in Bad Freienwalde umgesehen. „Ich habe das erste Mal von Kurt Kretschmann gehört und finde die Geschichte auch um die Eule unheimlich spannend.“