Stattdessen hat sich der 16-jährige Frankenfelder schon wieder etwas Neues vorgenommen. "Das ist das Innenleben einer weiteren Oma", erläutert er und zeigt in der Werkstatt auf Teile eines kleineren Treckers. Ein baugleiches Stück hatte er für den Fototermin gerade draußen mit anderen Fahrzeugen in Szene gesetzt. "Oma" ist natürlich nur der Spitzname, den bei Gerchows jedes Fahrzeug erhält, wie der Junior zu der schon von Vater Jörg eingeführten Tradition berichtet. In der amtlichen Bezeichnung handelt es sich dabei um den RS-0-4/30. Weil das schon damals zu DDR-Zeiten irgendwie zu trocken klang, haben andere das Gefährt beispielsweise auch Wackelmann getauft. "30 PS hat der", kann Jonas Gerchow die wichtigsten technischen Details aus dem Kopf abrufen. "Der hier draußen war ein Fahrschultrecker, hat deshalb die verbreiterte Sitzbank."
Mit Baujahr 1956 verfügt er zudem auch schon über Heckhydraulik. Damit konnte die vier Jahre ältere "Oma" aus der Werkstatt seinerzeit noch nicht aufwarten. Ganz präsent ist dem jungen Frankenfelder, wie sein Vater und er das dunkelgrüne, schon wieder aufbereitete Exemplar dereinst an einem 31. Oktober abgeholt hatten. Nur beim Jahr muss er genauer überlegen. 2013 war es, weiß er dann anhand einer Karte mit Fotos wieder, denn prägnant ist auch ein anderes Datum: "An meinem Geburtstag im Folgejahr, also am 1. Juni, sind wir damit erstmals vom Hof gerollt." Sieben Monate dauerte es, bis das betagte Stück auf Vordermann gebracht wurde.
Damals hat er seinem Vater nur assistiert, inzwischen setzt der Zehntklässler längst seine ganz eigenen Projekte um. Basteln und Schrauben ist seine große Leidenschaft. Hat er sich erst einmal etwas vorgenommen, kommt er so schnell nicht davon los. "Dann sitze ich auch den ganzen Tag daran, braucht mich keiner anzuquatschen, unterbreche ich nur mal fürs Mittagessen", erzählt er.
Gleichwohl schraubt er nicht jeden Tag: "Es gab jetzt auch mal eine Phase, wo ich drei Wochen nichts gemacht habe." Wie alle anderen Schüler durch Corona in eine Art vorfristige Zwangsferien geschickt mit um vier Wochen verschobenen Abschlussprüfungen, bleibt aber mehr Freizeit als üblich, sodass er sich jetzt wieder prägnante Etappen am Aufbauwerk vornehmen kann. An der noch etwas älteren "Oma", von einem Bekannten aus dem Dorf für 300 Euro erworben, wollte er über das zurückliegende Wochenende zunächst das Getriebe demontieren. "Vielleicht ist ja gar nicht so viel kaputt, wie es scheint", meint er vorab. Zumindest der Motor sei noch in einem Top-Zustand.
Lobende Worte findet Jonas Gerchow aktuell auch für Theo. Das ist der Bagger, offizieller Name T-174-1, der gerade ebenfalls draußen in der Fahrzeugparade steht. "Der ist Baujahr 1975, kommt aus dem Landmaschinen-Kombinat Weimar, hat 30 PS Leistung und einen Famulus-Motor drin." Mit dem war er am Wochenende zuvor bei Veit Templin etliche Stunden beim Baggern im Einsatz, was Theo prima durchgehalten habe. Denn in einem ist sich der Junior ebenfalls ganz mit seinem Vater einig: Die betagten Fahrzeuge  müssen nicht blitzblank rumstehen, sondern sollen auch rollen. Nur Frühjahrsputz und ein zweites Mal im Herbst sollten schon sein. In der Woche davor hatte Jonas Gerchow bei Theo noch die Vorderachse gemacht: "Beim Stabilisator waren die Lager durch, und die Allradwellen mussten gewechselt werden", erklärt er den Eingriff.
Der imposante ZT-303D, der draußen steht, heißt wiederum Paul. Ein jüngeres Modell Baujahr 1985, mit einem stolzen 100-PS-Motor statt des sonst nur 90 PS starken unter der Haube, ein echtes Kraftpaket in Sinagrün, wie dieser spezielle Farbton heißt. Auch zu den Traktoren der ZT303-Serie mit den Nachfolgern wie 305 (ein DDR-"Bergtraktor" mit gebremster Vorderachse und Zwillingsreifen) oder dann 323 kann er aus dem Effeff allerlei spannende Einzelheiten erzählen.
Fehlt aus dem Quartett jenseits des Hoftores also nur noch Peter. Das ist der dunkelgrüne Multicar M22, einst in Waltershausen gebaut und zu DDR-Zeiten vielfältig im Einsatz: In diesem Fall ein Dreiseitenkipper, "den gibt es aber auch als Pritschenwagen oder mit einer Leiter für den Einsatz bei der Feuerwehr", kann der junge Fachmann aufzählen. Nach der Wende seien viele allerdings verschrottet worden. Auch das Exemplar Baujahr 1971, das sein Vater einst gerettet hat, war beim Erwerb noch in einem bejammernswerten Zustand: "Ja, Peter sah damals richtig hässlich aus", berichtet Jonas.
Talentiert auch bei Holzarbeiten
Der ist übrigens nicht nur Oldtimer-Nachwuchsexperte und talentierter Schrauber, sondern auch durchaus versiert im Umgang mit Holz. Gerade hat er für eine befreundete Hundesalon-Inhaberin in Rehfelde zwei hölzerne Werbetafeln gestaltet. In Gerchow junior schlummern also Talente – wie passend, dass er im Spätsommer eine Lehre als Tischler beginnen wird. Bei Klaus Büttner in Ortwig, der nebenher ebenfalls begeisterter Oldtimer-Fan mit ansehnlicher Fahrzeugsammlung ist. Eine gute Basis.