Jubiläum: Neulewiner Narren feiern 40 Jahre Karneval
Von ihrer Arbeit als Hoffotografin des Narrenstaates zeugen nicht weniger als 17 prallgefüllte Alben. Darin: Fotos in schwarz–weiß, später in Farbe. Aber auch Zeitungsartikel, Programmabläufe, Hinweise auf die Zusammensetzung des Elferrates. Und die sind fast historisch zu nennen, denn es gibt tatsächlich ein paar Narren in Neulewin, die von Anfang an dabei waren. So wie Ulli Lüneberg als Minister für „Ordnung, Sicherheit, Liederlichkeit und Durcheinander“, Norbert Fuchs und Heidemarie Otto zum Beispiel.
Von „Narren“ regiert
Und auch aktuell könnte man meinen, das Dorf und die Gemeinde Neulewin werden von „Narren“ regiert: Elferratsmitglied Kerstin Herrlich ist die gerade frisch gewählte Bürgermeisterin, Uwe Schilling, zunächst Zeremonienmeister, ist stellvertretender Bürgermeister. Und Christine „Tina“ Reichmuth ist erneut Ortsvorsteherin. Das Dorf ist und bleibt also fest in Narrenhand. Denn aus dem Ort kamen auch die ersten Mitglieder. Ideengeberin für den Verein zu sein, nimmt „Tina“ für sich in Anspruch. Der von ihr 1974 gegründete Dorfclub organisierte bis zu 30 Veranstaltungen im Jahr. Auch Rosenmontagsveranstaltungen, auf denen Christine Reichmuth Büttenreden hielt. Dabei sei sie auf die Idee gekommen, selbst einen Karnevalsverein zu gründen. Und wurde für verrückt gehalten, erzählt sie. „Ausjelacht ham se Tina´n“, erzählt sie über sich selbst. Und dann wurde er doch gegründet. Und das ist nun schon 40 Jahre her.
Wie viel Freud und Leid die Narren in diesen Jahren miteinander geteilt haben, weiß niemand besser als Margot Heinrich. Denn auch ihr Mann Jürgen war Mitglied. Als Stimmungssänger „Jimmy“ heizte er dem Publikum ein. Bis er im vergangenen Jahr im Mai nach kurzer schwerer Krankheit verstarb. Seither war seine Frau bei keiner Veranstaltung mehr. Nun will sie aber eine Ausnahme machen. Zum Jubiläum. „Er hätte das sicher gewollt“, sagt seine Frau, die über 50 Jahre mit ihm verheiratet war. Jürgen Heinrich ist eine ganze Seite in der aktuellen Chronik gewidmet. Genau wie zuvor dem langjährigen Präsidenten des NKC, Gerd Lämmer. „Der Zusammenhalt ist sehr groß, wir sind wie eine Familie“, sagt die Chronistin und blättert durch die Alben, die sie in unzähligen Stunden Arbeit gestaltet hat. Mit Fotos aber auch Aufklebern dekoriert und um handschriftliche Vermerke ergänzt.
Mit Kleber und Schere
Und auch sie selbst ist auf manchen Bildern zu entdecken: Mit Kleber und Schere in der Hand, aber auch als Mitglied der „Bienchen“ oder bei der Schlüsselübergabe am Fundus. Nach der Schließung der Schule zog der Fundus des Vereins in die Räumlichkeiten. Und Margot Heinrich wurde Herrin über die Kostüme. Die wurden ausgebessert, sortiert, gewaschen und archiviert. Bis 2003 war Margot Heinrich die Verwalterin.
Bis zur Wende arbeitete sie in der Konsum–Gaststätte des Dorfes und war immer nah dran am Geschehen beim NKC. Zunächst mit einem alten Fotoapparat, der nicht einmal einen Blitz besaß. „Für den bin ich bis nach Berlin gefahren“, erinnert sich Margot Heinrich. Später verbesserte sich die Technik und damit auch die Fotos. Und dennoch: Auch den ersten schwarz–weiß Bildern ist die Freude anzusehen, mit denen die Mitglieder agieren. Und wenngleich es keine Kostüme zu kaufen gab wie heute, strotzen die karnevalistischen Kleidungsstücke vor Kreativität und sind äußerst originell.
Freud und Leid
Vor allem aber berichten die 17 Alben des Neulewiner Karnevalclubs chronologisch von den schönen Zeiten, selbst wenn sich im Dorf so viel verändert hat. Manches davon zum positiven: Aus den ursprünglich rund 30 Mitgliedern des Vereins sind inzwischen über 100 geworden. Regiert werden sie seit 2002 von Michael Rubin. Auch von seinem 60. Geburtstag berichtet die Chronik. Oder vom gemeinsamen Ausflug des Elferrats mit dem Fahrrad. Oder dem festlich geschmückten Wagen zum 1. Oderbruchtag im vergangenen Jahr in Neutrebbin. Oder dem 70. Geburtstag der Ortsvorsteherin.
Ein Bild übrigens ist über die zurückliegenden 40 Jahre gleich geblieben — das Motto der Neulewiner Narren. „Wir sitzen alle in einem Boot“.



