Seit der Kommunalwahl im Mai 2019 und seit klar war, dass Horst Wilke sich nicht noch einmal bereit erklären wird, den Posten zu übernehmen, war die Stelle unbesetzt. Kerstin Herrlich, schon einige Jahre Mitglied im Gemeinderat, erklärte sich bereit, den ersten Stellvertreter zu machen. Nahm an Beratungen teil, vertrat die Gemeinde nach außen und warf einen Blick in die Gremien, wie den Amtsausschuss des Amtes Barnim-Oderbruch. Nicht nur dort wird sie nun ihre Gemeinde vertreten.
Die junge Frau aus Karlsbiese – die verheiratet ist, einen Sohn hat und im Hauptberuf in einer Apotheke tätig ist – hat es sich nicht leicht gemacht. Zu viel hängt an dem Posten der Bürgermeisterin. Noch im Januar hatte sie auf die Frage dieser Zeitung, ob sie es denn machen wird, mit "Jein" geantwortet.
Nun hat sie sich aber doch ein Herz gefasst. Einstimmig wählten sie ihre Gemeindevertreter-Kollegen aus Neulietzegöricke, Neulewin und Güstebieser Loose am Mittwoch auf der Gemeinderatssitzung im Bürgerhaus in Neulietzegöricke zu ihrer Vorsitzenden. "Danke, dass Du diese ehrenvolle Aufgabe wahrnimmst", sagte die Gastgeberin, Ortsvorsteherin Marita Dolgener. Und überreichte ihr unter dem Beifall der Anwesenden einen Blumenstrauß. Auch Wahlleiterin Sylvia Borkert, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes Barnim-Oderbruch, beglückwünschte Kerstin Herrlich auf das Herzlichste. Die wiederum bedankte sich bei den Gemeindevertretern für das entgegengebrachte Vertrauen.
Im Anschluss an ihre Wahl, stand eine weitere an: Denn auch ihr bisheriger Posten musste wieder besetzt werden. Dafür stellte sich der Neulewiner Uwe Schilling, ebenfalls langjähriges Mitglied im Gemeinderat, zur Wahl. Und wurde ebenfalls einstimmig gewählt. In der dritten Reihe ist und bleibt der frühere Bürgermeister Horst Wilke. "Das möchte er auch", wie Kerstin Herrlich nach einem Gespräch mit ihm informierte. Am Mittwochabend war er nicht zugegen.
Nach der Kommunalwahl im Mai vergangenen Jahres waren drei Posten im Gemeinderat Neulewin unbesetzt: Die beiden Ortsvorsteherinnen Marita Dolgener und Christine Reichmuth ließen sich erst in einer der nachfolgenden Sitzungen überzeugen, doch noch einmal anzutreten. Der Stuhl des Bürgermeisters jedoch blieb leer. Ein Novum. Diesen Fall, so die Wahlleiterin schon im Vorfeld der Wahlen, gab es beim Posten des Ortsvorstehers schon öfter, beim Amt des Bürgermeisters jedoch noch nie.
Umso erleichterter sind nun auch die Gemeindevertreter, die jemanden aus ihrer Mitte bestimmten, wieder alle Posten im Dorfparlament besetzt zu wissen. Denn die Gemeinde Neulewin mit ihren drei Ortsteilen, steht wie alle Gemeinden im Amt Barnim-Oderbruch, vor großen Herausforderungen.