Krankenhäuser in Not
: Kliniken Strausberg, Seelow und Wriezen beteiligen sich an Aktionstag

Die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft ruft zu einem bundesweiten Aktionstag „Krankenhäuser in Not“ auf. Was in Strausberg, Wriezen und Seelow geplant ist.
Von
Nadja Voigt
Seelow/Wriezen
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Seelow ist einer von drei Standorten der Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH, die anderen befinden sich in Wriezen und Strausberg. Beschäftigt sind dort über 1000 Fachleute, die sich um das Wohl der Patientinnen und Patienten kümmern.

Ulf Grieger

„Inflationsausgleich für die Krankenhäuser – jetzt sofort“: das fordert die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft. „Wir sind für Sie da. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Aber Inflation und allgemeine Kostensteigerung treiben die Kliniken in ein Defizit von 10 Milliarden Euro bis Ende 2023.“ Um weiterhin rund um die Uhr für die Patientinnen und Patienten da sein zu können, brauche es eine nachhaltige Krankenhausfinanzierung. Dafür wollen die Kliniken kämpfen.

Mit dem bundesweiten Aktionstag am 20. Juni unter dem Titel „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“ machen die Kliniken in Deutschland auf ihre verheerende wirtschaftliche Situation aufmerksam.

Krankenhaus MOL beteiligt sich mit Standorten in Strausberg und Wriezen

Auch die Krankenhausstandorte im Landkreis Märkisch-Oderland in Strausberg, Wriezen und Seelow sind durch immense inflationsbedingte Kostensteigerungen und fehlende Refinanzierung betroffen, teilt die Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH mit.

In der Zeit von 11 bis 13 Uhr beteiligen sich die Krankenhäuser des Krankenhausverbundes MOL am kommenden Dienstag am bundesweiten Aktionstag. „Zwei Mitarbeitende werden an dem Protesttag am Berliner Washingtonplatz teilnehmen, stellvertretend für über 1.000 Kolleginnen und Kollegen, die sich der Sorge um die Patientinnen und Patienten in der Region widmen“, heißt es.

Aktion auf dem Marktplatz in Seelow geplant

„Die Geschäftsführung und Angestellte des Krankenhauses Seelow unterstützen diese Aktion begleitend auf dem Marktplatz in der Innenstadt von Seelow. Interessierte Einwohner können mit der Klinikleitung und Mitarbeitenden aus den Klinik- und Fachbereichen aktiv ins Gespräch kommen und für den Erhalt des Krankenhauses der Kreisstadt durch eine Unterschrift ihre Unterstützung bekunden. An den Abenden des 19. und 20. Juni 2023 werden das Krankenhaus in Strausberg und das Krankenhaus in Seelow rot angeleuchtet, um noch einmal auf die Tragweite der angespannten Situation hinzuweisen.“

Krankenhausstandorte befürchten Insolvenz

Schon im Herbst 2022 hatten die Kliniken darauf aufmerksam gemacht, dass die Krankenhäuser extremer Insolvenzgefahr ausgesetzt sind.

„Auch unabhängige Untersuchungen, wie der Krankenhausrating-Report, spiegeln wider, dass fast jedes zweite Krankenhaus von Insolvenz bedroht ist und fast keine Klinik mehr eine schwarze Null schreibt. Die Bundesregierung hat auf die Energiekostensteigerungen reagiert und sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Diese fließen aber nur teilweise wirklich in die Kliniken.“ Immerhin habe sich die Politik nun aber kurzfristig entschlossen, dass vier dieser sechs Milliarden als direkte pauschale Hilfen ausgezahlt werden.

Kliniken brauchen verlässliche Finanzierung, so die Forderung

„Wir schließen uns dem Protest und dem Aktionstag an, weil wir endlich wieder Verlässlichkeit bei der Finanzierung der Kliniken benötigen. Es gab nach dem ersten Protest politische Hilfe, aber zum einen nicht genug und vor allen Dingen nicht nachhaltig. Wenn politisch nicht gehandelt wird, erleben wir einen eiskalten Strukturwandel mit Insolvenzen, Schließungen und verheerenden Auswirkungen für die Versorgungssicherheit“, so Geschäftsführerin Katja Thielemann.

Durch die inflationsbedingten Kostensteigerungen werden die Krankenhäuser in Deutschland bis Ende des Jahres 2023 ein Defizit von rund zehn Milliarden Euro angehäuft haben, so die düstere Prognose. Die Kliniken fordern deshalb am bundesweiten Aktionstag die Politik auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass sie wieder in wirtschaftlicher Sicherheit verlässlich ihre Arbeit planen können. „Bis die große Krankenhausreform wirklich greift, müssen Insolvenzen in den Krankenhäusern vermieden werden, damit die Versorgungssicherheit überall im Land gesichert ist.“

Wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser ist dramatisch

„Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser ist dramatisch“, konstatiert die Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft. „Die Finanzierungssysteme sind nicht für Extremsituationen gemacht. Die üblichen Anpassungsmechanismen funktionieren nur in normalen Zeiten. Doch die Nachwirkung der Pandemie, die kriegsbedingten Kostensteigerungen, die Inflation und auch die notwendigen und richtigen hohen Tarifsteigerungen führen zu Sondereffekten, die durch die üblichen Instrumente nicht aufgefangen werden können. Deswegen brauchen Krankenhäuser in dieser Notsituation schnell andere, verlässliche und nachhaltige Finanzierungsinstrumente. Die geplanten Reformen zur Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen benötigen bis zur Umsetzung viele Jahre und entsprechende Investitionsmittel und kommen daher in ihrer Wirkung viel zu spät.“