Krisenmanagement: Wirtschaft will in Bad Freienwalde Kaufkraft binden

Die Zukunft im Visier: Robert Witzke arbeitet an den Plänen, die er im August den Mitgliedern der Wirtschaftsgemeinschaft Bad Freienwalde vorstellen will. Bindung von Kaufkraft ist das Ziel, das dabei über allem steht
Jörn KerckhoffKaufkraft binden
Ziel Nummer eins ist die Einführung des sogenannten City-Gutscheins. Dieser soll möglichst noch vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts ins Leben gerufen werden, erklärt Robert Witzke. Sinn dahinter sei, dass dieser Gutschein, der in der Tourist-Information zu bekommen sein soll, dann in 15 Geschäften der Kurstadt eingelöst werden kann.. Neben den Apotheken von Robert Witzke seien dies unter anderem ein Optiker, ein Schmuckgeschäft, eine Buchhandlung, ein Café und Blumengeschäfte. Der Beschenkte solle so eine breitere Auswahl beim Einlösen des Gutscheins haben, als wenn er einen Gutschein eines bestimmten Einzelhändlers geschenkt bekommt, erläutert der WG-Vorsitzende was er sich von dem Plan verspricht.
Damit wolle der Einzelhandel gestärkt auftreten. „Es gibt in der Stadt auch Geschäfte, in denen man die Gutscheine eines großen Internethandels kaufen kann. Die werden zwar in der Stadt gekauft, beim Einlösen fließt die Kaufkraft aber ab“, so Witzke. Durch das breitere Angebot, das durch den City-Gutschein geschaffen werde, wolle man der mächtigen Konkurrenz ein wenig entgegentreten.
Mehr Service für Kunden
Ziel Nummer zwei ist die Schaffung eines Lieferdienstes des Bad Freienwalder Einzelhandels. Einige Geschäfte haben in der Zeit der Geschäftsschließungen schon so einen Lieferdienst für sich eingerichtet. Da die Kunden nicht zu ihnen konnten, fuhren die Händler mit den bestellten Waren eben zu den Kunden. Genau dieser Service soll nun ausgebaut werden. „Ich habe vier Fahrer beschäftigt, die mit drei Autos den ganzen Tag unterwegs sind, um Medikamente ins Umland auszuliefern“, erzählt Witzke. Auf ihren Touren könnten sie aber auch noch Waren anderer Händler mitnehmen. Auch damit könnten Kunden gewonnen und gebunden werden, die den Weg nach Bad Freienwalde nicht auf sich nehmen wollen oder nicht dazu in der Lage sind. Mehrere Geschäfte hätten bereits Interesse an diesem Service gezeigt, erzählt Witzke.
Projekt Nummer drei ist die Digitalisierung. „Wer die Bedeutung dafür bislang nicht erkannt hat, der hat es jetzt durch die Corona-Krise erkannt“, ist Witzke überzeugt. Er habe in den vergangenen Wochen auch mehr Bereitschaft festgestellt, dieses Thema anzugehen. Selbst Händler, die der Digitalisierung bislang zurückhaltend gegenüberstanden, seien durch die Folgen der Corona-Krise nun offener dafür.
So solle etwa das digitale Branchenbuch der Kurstadt ausgebaut werden. Das gebe es zwar schon, aber längst nicht in dem Umfang, in dem es wünschenswert und möglich wäre. Außerdem kann sich Robert Witzke einen Workshop vorstellen, um die Einzelhändler an das Thema Digitalisierung und Internetauftritt heranzuführen.