Kultur in Frankfurt (Oder): Wie das Theater des Lachens Gegenstände zum Leben erweckt

Das Theater des Lachens in Frankfurt (Oder) hat viele verrückte Marionetten und spannende Stücke mit Live-Musik im Repertoire.
Lothar TanzynaVerträumt, poetisch, bildstark und fantastisch soll die neue Saison am Theater des Lachens wieder werden. Dafür hat das Puppentheater aus Frankfurt (Oder) alle Tricks und Kniffe aus der Puppenkiste geholt. Ob riesige Marionetten, die nur von drei Puppenspielern gleichzeitig gespielt werden können, oder unwahrscheinliche Schattenspiele mit Malerei live auf der Bühne: Verzauberte Eindrücke wie aus einer anderen Welt verspricht die neue Spielzeit. Dafür sorgen auch namhafte Musikanten und vergessene Stücke. Eines stammt vom „Kafka Polens“.
Die neue Spielzeit am Theater des Lachens startet mit einer Premiere. Viele kennen die beiden Hauptfiguren schon aus dem Fernsehen. Im „Sandmännchen“ stellen zwei Schweine große philosophische Fragen an kleine Leute. Der Dialog zwischen den Schweinen klingt dabei am Anfang immer gleich, in etwa so: „Frederick, was ist Freundschaft?“, fragt Piggeldy. „Nichts leichter als das“, antwortet Frederick, „komm mit.“
Wer da mitkommen will, kann das zwischen dem 22. und 24. September in der Ziegelstraße 31 in Frankfurt, der Spielstätte des Theaters. Das Stück richtet sich an Kinder ab drei Jahren.
Puppentheater ein Ausflugsziel für Kinder in Frankfurt (Oder)
Weiter geht es eine Woche später mit der „Königin der Farben“. Eine Inszenierung mit Malerei, Schattenspiel und Livemusik. „Ein absolut heißer Tipp“, meint Torsten Gesser, Leiter des Theater des Lachens. Auch weil es eines der letzten Gastspiele der Theatergruppe Les Voisins sei, also vielleicht zum letzten Mal in Frankfurt (Oder) zu sehen ist.
Die Königin der Farben, eine Schattenfigur, will mehr Farbe in ihrem Leben. Erst streicht sie alles blau, dann alles rot, dann gelb. Nach kurzer Zeit wird ihr aber immer langweilig. „Nachher merkt sie, der Sinn des Lebens liegt nicht in dieser Einseitigkeit“, fasst Torsten Gesser, Leiter des Theater des Lachens, das Stück zusammen, das mit faszinierenden Techniken der Schattenspielkunst Kindern ab vier Jahren begeistern soll.
Das Theater des Lachens spielt aber auch in dieser Saison nicht nur Stücke für Kinder. An Erwachsene richtet sich ein ganzes Festival in Frankfurt (Oder), in dem die Theaterform, die Gegenstände zum Leben erwecken kann, in ihren verträumtesten Stücken ihre Wirkung beweist. „Das sind mit unsere stärksten Inszenierungen“, so Thorsten Gesser über die drei Stücke, die das Puppentheater beim „Kleinen Festival der großen Poesie“ (10. bis 12. Oktober) spielt.
Festival in Frankfurt (Oder) für erwachsene Theaterbesucher
Los geht es mit dem legendären spanischen Ritter „Don Quijote“, der gegen Windmühlen kämpft. Ein Streichquartett aus dem Brandenburgischen Staatsorchester spielt live die Musik. Das Besondere: Der Don Quijote ist eine Riesenpuppe.
„Drei Leute verlebendigen die Puppe“, erklärt Torsten Gesser, „und das muss im Einklang sein, sodass organische Bewegungen rüberkommen“. Faszinierend sei es, dass man irgendwann die drei Personen vergesse, die die Puppe animieren, sondern nur noch die Puppe als ein eigenes Individuum wahrnehme.

Wenn erträumte Hirngespinste zu zuverlässigen Realität werden: Der Don Quijote - ein Traumspiel nach Telemann verzaubert mit Live-Musik vom Streichquartett Con Mo(t)to.
Lothar TanzynaAuch das zweite Stück aus dem Festival für Erwachsene besticht mit bildhafter und poetischer Inszenierung. „Republik der Träume“ ist eine Adaption von Bruno Schulz' „Die Zimtläden“. „Was Kafka für uns und Tschechien ist, ist Bruno Schulz für Polen“, so Torsten Gesser.
Eine Geschichte, ins Traumhafte und Unfassbare gesteigert: Ein Vater, der sich in einen Vogel und in andere Gegenstände verwandelt, schrumpft und verschwindet. „Eine Metamorphose, die nur mit Puppentheater gelingt“, so der Leiter des Theater des Lachens. Zuletzt war die Inszenierung vom Theater des Lachens bei einem Festival für jüdisches Theater in Polen zu sehen.
Stück des Frankfurters Kleist über Marionetten im Puppentheater
Das Festival schließt mit dem Meisterstück für jedes Puppentheater. Mit „Über das Marionettentheater“, dem berühmten Text von Heinrich von Kleist, blickt das Theater des Lachens sowohl nach Frankfurt (Oder) als auch in das eigene Selbstverständnis. Zum Stück: Ein junger Mann sieht sich im Spiegel und ist wie verliebt in den eigenen Gestus. Er wiederholt die Bewegung. Doch je bewusster er versucht, die einst spontane Bewegung zu wiederholen, umso mehr verliert sie ihre Grazie und Anmut. Der junge Mann, der sich selbst beobachtet, wird zur Marionette seiner selbst.
Alle genannten Stücke, sowohl die für Kinder als die für Erwachsene, konnten schon viele Haupt- und Nebenpreise auf Theaterwettbewerben gewinnen. Der Eintritt für die Kinderstücke kostet 5 bis 8 Euro. Für die Abendveranstaltungen hingegen 18 Euro zum Vollpreis. Wer alle drei Stücke beim Theaterfestival schauen will, spart mit dem angebotenen Festivalpass.


