Landwirtschaft
: Spargelanstich im Oderland noch ungewiss

Ob im Oder- oder Barnimer Land – die Spargelbauern haben diesen Tagen viele Fragen. Nicht auf alles gibt es eine Antwort.
Von
Andrea Linne
Bad Freienwalde
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  • Ungewisse Zukunft: Die Mitarbeiter von Axel Schenk, Chef der Agro Pflanzenproduktion Neuenhagen/Bralitz GmbH, bereiten gerade sechs Hektar Fläche für den Spargel vor. Noch ist unklar, wie es in diesem Jahr weitergeht.

    Ungewisse Zukunft: Die Mitarbeiter von Axel Schenk, Chef der Agro Pflanzenproduktion Neuenhagen/Bralitz GmbH, bereiten gerade sechs Hektar Fläche für den Spargel vor. Noch ist unklar, wie es in diesem Jahr weitergeht.

    Andrea Linne
  • Sattelt um: Der Spargelhof von Jürgen Giese, ein Familienbetrieb, setzt auf andere Produkte.

    Sattelt um: Der Spargelhof von Jürgen Giese, ein Familienbetrieb, setzt auf andere Produkte.

    Andrea Linne
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Die kleinen Höfe haben es schwer. In diesem Jahr dürften ganz neue Probleme dazukommen. Zwar stehen bei Schenk und Giese die Telefone nicht still. Kurzarbeiter, Agentur für Arbeit, private Personaldienstleister rufen an. Alle wollen sie Arbeit. Doch Schenk hat seine eigenen Erfahrungen mit unerfahrenem Personal gemacht.

Unerfahrene schaffen das nicht

Im Vorjahr, berichtet der 63-Jährige, der in Templin eine zweite Beratungsfirma für Landwirtschaftsbetriebe betreibt, habe ihm das Bad Freienwalder Jobcenter 28 Langzeitarbeitslose vermittelt. Nicht einer habe davon durchgehalten. Die Arbeit ist schwer, die Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien knüppeln, um Geld zu verdienen. Doch in diesem Jahr bleiben sie weg. „Deshalb habe ich von unseren 15 Hektar Fläche erst sechs vorbereitet“, konstatiert der gebürtige Warener, der seit 17 Jahren mit seinen fünf Angestellten gut 400 Hektar Land bewirtschaftet. Spargel ist eine Nische. Hauptsächlich Sommergetreide, Sonnenblumen, aber auch Winterroggen und -weizen wachsen auf seinen Feldern.

In der Spargelsaison sind 30 Leute nötig, allein sechs an der Sortierung, an der die weißen Stangen gewaschen, geschnitten und heruntergekühlt werden. Dort ist aufgrund von Corona zu überlegen, wie die doch recht eng beieinander stehenden Arbeiterinnen dann agieren können.

Es sei viel zu bedenken, sagt auch der Tempelfelder Jürgen Giese, der noch sieben Hektar Fläche für den Spargel bewirtschaftet. Der reine Familienbetrieb, in dem Ehefrau Tanja und die Kinder Louis und Vanessa mitwirken, sorgt sich weniger um Arbeitskräfte. Wenn allerdings weniger gestochen werde, dazu noch langsamer, steige auch der Kilopreis. Schon jetzt würden Kunden oftmals die Standverkäuferinnen belagern und preiswerten Spargel aus Polen oder von großen Höfen hämisch vorzeigen. „Es macht oft keinen Spaß mehr“, sagt der 54-jährige gebürtige Emsländer. Dazu gibt der Hoflieferant von Fernsehköchin Sarah Wiener zu bedenken, dass die Restaurants als Hauptabnehmer geschlossen haben. Auf den Wochenmärkten in Eberswalde und Bernau würde die Familie stehen – aber mit Spargel eher nicht vor dem 20. April. „Die ersten Kunden rufen im Januar an“, sagt Giese und schüttelt den Kopf. Sein Betrieb sattelt auf Wildfleisch und Eier um. Mehr als 1500 Hühner liefern die Produkte aus den mobilen und Freilauf-Ställen. Auf 500 Hektar baut er Weizen, Mais, Gerste und Sonnenblumen an.

Kreisläufe sichern

Wie schwierig es heute ist, davon kann auch Schenk ein Lied singen. Die Großspargelbauern von Kremmen bis Beelitz, die außerdem mit den Doppelfolien zur Wachstumsbeschleunigung nicht umweltfreundlich produzierten, würden im Umland alles kaputt machen. Dabei setzt er selbst auf geschlossene Kreisläufe. Der Dung für die Felder kommt aus Liepe von der Weidewirtschaft GmbH, erzählt der Landwirt. Dafür liefere er dorthin Heu und verpachte Grünland. So stelle er sich regionale Produktion vor, sagt Axel Schenk. „Vernünftige Feldwirtschaft mit natürlichem Dünger, darin sehe ich die Zukunft“, so der Bauer, der die verfehlte Agrarpolitik des Staates kritisiert. „Wir sind die letzten in der Kette“, sagt er. Viele andere würden an den Bauern verdienen.