Mühlenfließaue
: Zwei parallele Projekte in Bad Freienwalde geplant

Der Moorerlebnisgarten und die Initiative Bad Freienwalde summt enstehen auf der Grünfläche nebeneinander.
Von
Jörn Kerckhoff
Bad Freienwalde
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Helfende Hände: Auch der Stadtverordnete Marco Büchel (Die Linke) und seine zwei Söhne Lorenz (links) und Tobias impften die Mühlenfließaue mit Wildblumensamen im Rahmen der Initiative "Bad Freienwalde summt".

Jörn Kerckhoff

Zwei Projekte im Einklang

In der vergangenen Woche trafen sich Tourismuschefin Ilka Krüger, Bad–Freienwalde–summt–Initiatorin Evelyn Faust sowie verschiedene Stadtverordnete und weitere Personen auf dem Gelände, um dieses an verschiedenen Stellen zu „impfen“, wie Evelyn Faust es nennt. Gemeint ist, dass Samen von Wildblumen auf die Grünflächen ausgebracht werden, um eine größere Vielfalt an Pflanzen und als Folge davon auch eine größere Artenvielfalt an Insekten insbesondere Bienen zu schaffen. „Es wird vermutlich Jahre dauern, bis sich dies so entwickelt hat, wie gewünscht“, macht Evelyn Faust deutlich, dass das Projekt Zeit braucht.

Diese Flächen — neben der Mühlenfließaue auch noch bei der Tongrube, den Garagen in der Wasserstraße, beim Vorplatz der Freilichtbühne und beim Eichentor an der Eberswalder Straße — wurden von der Stadt für die Initiative zur Verfügung gestellt. Das intensive Mähen der Flächen soll entfallen, lediglich die Ränder sollen auf einem Meter Breite weiterhin regelmäßig gemäht werden, der Rest der Flächen soll wild wuchern dürfen, um die angestrebte Artenvielfalt zu erreichen.

Der Moorerlebnisgarten soll vor allem Familien die Gelegenheit bieten, Moor als wichtigen Rohstoff für die Kurstadt zu erleben, erklärt Ilka Krüger. Ein Kneipptretbecken ist am Entstehen, ein Barfußpfad soll folgen. Dazu auch noch Trampoline, die in den Boden eingelassen werden, Klettermöglichkeiten und ein Brunnen mit Wasserpumpe auf dem Gelände der Mühlenfließaue soll eventuell reaktiviert werden, erläutert die Tourismuschefin.

Aber funktioniert das denn überhaupt, einerseits einen Erlebnisgarten schaffen, andererseits dem Wildwuchs Raum geben? „Wenn man davon redet, dass man zurück zur Natur will, bedeutet das ja nicht, dass die Menschen im Wald leben sollen. Es soll ein Miteinander von Mensch und Natur sein und genau das wollen wir hier auf diesem Gelände schaffen — ein Gleichgewicht von Mensch und Natur“, erläutert Krüger. Und natürlich könne man beides auch nebeneinander gestalten. Die Mühlenfließaue solle nicht komplett verwildern, die Wege sollen auch künftig für Spaziergänger freigehalten und zusätzlich auch Raum für die Freizeitgestaltung geschaffen werden.

Ilka Krüger und Evelyn Faust sind überzeugt davon, dass beides hervorragend nebeneinander funktionieren kann und sogar muss. Gerade für Kinder sei es wichtig, sie die Nähe der Natur spüren zu lassen, um sie für Themen wie Artenschutz zu sensibilisieren. „Die beiden Projekte schließen sich auf keinen Fall gegenseitig aus, sie ergänzen sich sogar“, so Ilka Krüger. „ Und die Blühwiesen dienen ja auch nicht nur der Artenvielfalt, sondern haben auch einen ästhetischen Wert“, fügt Evelyn Faust hinzu.

Bevölkerung mit einbeziehen

Um den beiden Projekten, die jetzt in der Mühlenfließaue Gestalt annehmen, ein längeres Leben zu ermöglichen, als es jenen in der Vergangenheit beschert war, sei es wichtig, die Bevölkerung davon zu überzeugen und im Idealfall mit einzubinden, sind sich Krüger und Faust einig. Kindergärten und Schulen könnten Naturprojekte auf dem Gelände veranstalten, Besucher der Mühlenfließaue sollen auf Informationstafeln Auskunft darüber erhalten, welchen Sinn die Schaffung von Blühwiesen macht. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung aus Eberswalde soll möglichst auch in das Projekt einbezogen werden.