Naturschutz
: Einziger Artenschutzturm Brandenburgs in privatem Garten in Steinbeck

Mauersegler, Mehlschwalben und Fledermäuse finden im Steinbecker Artenschutzturm ein Zuhause.
Von
Steffen Göttmann
Steinbeck
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  • Erste Vorbereitung: Pascal Hischke (34) aus Steinbeck vor der Grube, in die das  Fundament für den acht Meter hohen Artenschutzturm eingelassen wird.

    Erste Vorbereitung: Pascal Hischke (34) aus Steinbeck vor der Grube, in die das  Fundament für den acht Meter hohen Artenschutzturm eingelassen wird.

    Steffen Göttmann
  • Nisthilfe: Diese Lehmpfütze hat Pascal Hischke angelegt, damit Schwalben sich Nester bauen können.

    Nisthilfe: Diese Lehmpfütze hat Pascal Hischke angelegt, damit Schwalben sich Nester bauen können.

    Pascal Hischke (privat)
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Aufgewachsen auf Bauernhof

Der 34–Jährige ist auf dem Bauernhof seiner Großeltern in Berlin mit Tieren aufgewachsen. Er zog mit seiner Einschulung ein und mit 25 Jahren aus. „Ich musste mit ansehen, wie sie nach und nach die Tiere abgeschafft haben, das hat mich sehr traurig gemacht“, sagt der Steinbecker. Auf dem eigenen Grundstück tummeln sich daher Hühner, weiße Brieftauben, Hunde und Kamerunschafe. Die scheuen, kleinen Tiere ersetzen den Rasenmäher.

Auf die Idee, einen solchen Turm sein Eigen zu nennen, kam Pascal Hischke bereits in Berlin. Als er eine Zweizimmerwohnung in Berlin–Wartenberg bewohnte, beobachtete er, wie bei der Sanierung der Fassade eines Plattenbaus alle Schwalbennester entfernt wurden. Zum Ausgleich habe die Wohnungsgesellschaft einen Schwalbenturm errichten lassen. Fünf Jahre lang wohnte er dort. Als er „die Liebe seines Lebens“ kennenlernte, beschlossen beide aufs Land zu ziehen. Nach intensiver Suche wurden sie vor zwei Jahren in Steinbeck fündig. Sie kauften Haus und Garten und übernahmen gleich noch das unbebaute Nachbargrundstück, so dass sie sich um ihr Haus auf einem halben Hektar Land  ein grünes Paradies schaffen konnten.

Um den Artenschutzturm bauen zu können, kontaktierte Pascal Hischke alle Behörden vom Bauordnungsamt bis Unteren Naturschutzbehörde. Die stellte Auflagen wie den freien Flug der Vögel auf den Turm, was aber durch den Standort gesichert ist.

Der Bauherr erkundigte sich auch nach Fördermitteln und fragte bei Naturschutzverbänden an. Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg in Potsdam überzeugte das Projekt so sehr, dass sie gleich die Gesamtkosten für den Turm in Höhe von 11 600 Euro übernahm. Sie schickte ein Expertenteam nach Steinbeck, die sich über das Projekt informierten. Pascal Hischke ist dankbar für den Betrag, mit dem er so nicht gerechnet hat.

36 Naturschutzmaßnahmen

Für den Naturschutz im Land habe die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg im vergangenen Jahr mehr als 2,7 Millionen Euro bereitgestellt. Damit hat sie insgesamt 36 Naturschutzmaßnahmen Dritter gefördert. Im Landkreis Märkisch–Oderland habe die Stiftung aktuell außer in Steinbeck noch in Neuenhagen bei Berlin einen Schwalbenturm finanziert, teilte Pressesprecher Marc Thiele auf Anfrage mit. Weitere solcher Türme seien in Potsdam–Mittelmark und Richtung Lausitz gebaut worden. Die Stiftung finanziert sich aus Ausgleichszahlungen für Eingriffe in die Natur, zum Beispiel für den Bau von Windrädern

Der Artenschutzturm in Steinbeck sei der einzige in einem Privatgarten in Brandenburg, hat Pascal Hischke recherchiert. Für ihn seien die Tiere und der Garten der Ausgleich zu seiner schweren Arbeit. Er ist Altenpfleger im Demenzbereich für Hocherkrankte mit Weglauf–Tendenz im Bischof–Kettler–Haus in Berlin–Weißensee. Von Steinbeck aus fährt er eine Stunde zur Arbeit, bereut hat er den Umzug aufs Land trotzdem nie.