Oldtimer bei Wriezen: Trabant und Wartburg vor dem Schloss ‒ und ein besonderer Rennwagen

Großes Oldtimertreffen vor Schloss Reichenow: Ein Highlight war im Vordergrund der Melkus R1000, ein in Auflage von 101 Stück gebauter DDR-Sportwagen
Thomas Berger„Das ist für mich ein bisschen wie deutsches Kulturgut“, sagt André Renné, der aufgrund des Tipps von einem Strausberger Arbeitskollegen extra aus Berlin-Lichtenberg bis ins beschauliche Reichenow gekommen ist. Dort kommen nicht nur er, sondern noch unzählige andere Oldtimerfreunde von nah und fern voll auf ihre Kosten. Besonders fasziniert steht der Berliner gerade vor dem FRAMO V500 Baujahr 1938, eines der ältesten Stücke in der Runde.
Aus dem sächsischen Hainichen stammt das gute Stück, das wiederum als Vorlage für spätere Modelle diente. Beigesteuert haben sie Ralf Wegner und sein Kumpel Herbert Hoffmann. „38 Fahrzeuge, Zwei- und Vierräder“, erklärt Wegner, der vor einem leuchtend grünen IFA F9 steht – welcher damals durchaus noch gewisse Ähnlichkeiten zum westdeutschen Käfer von VW aufwies. In einer Reichenower Scheune wurden die Autos bisher eher nur im Freundeskreis mal gezeigt. In dieser Saison aber war das Team auch schon bei Oldtimertreffen in Finow und Bernau dabei.
Zudem ist Wegner gut mit Frank Trepke bekannt, dem Organisator des Events vor dem Schloss. „Ich bin hier teilweise aufgewachsen, meine Großeltern wohnten im Dorf“, erzählt Trepke. Und als er 2023 mit Schlosshotel-Betreiber Jan Eilers ins Gespräch kam, sei dieser von der Idee des Oldtimertreffens vor dieser besonderen Kulisse gleich angetan gewesen. Sogar aus Nürnberg ist der mit der weitesten Anreise gekommen, auch Trabis und Wartburgs aus Dresden, Thüringen und von der Küste reihen sich ein. Manche sind original, „viele aber auch in einem sehr individuellen und umgebauten Zustand“, wie Trepke anmerkt. Schön findet er auch den generationsverbindenden Charakter: „Hier sind mit ihrem Moped 16-Jährige, die gerade ihren Führerschein haben, und Leute Ü70.“

Oldtimertreffen in Reichenow: André Renné am FRAMO V500 Modell Chemnitz, gebaut 1938 im sächsischen Werk Hainichen und Vorbild für spätere DDR-Fahrzeuge
Thomas BergerMelkus - eine ostdeutsche Sportwagen-Legende
Dazu gehört der 76-jährige Berliner Reinhard Paulick, der mit seinem Melkus R1000 gekommen ist – zweifellos ein besonderes Highlight in der Runde. Bis vor ein, zwei Jahren ist er selbst noch Rennen gefahren. Der Melkus wurde von seinem Erfinder, dem Konstrukteur Heinz Melkus (1928-2005), in Stückzahl von 101 als ostdeutscher Sportwagen erbaut.
Dieg Basis sei der Wartburg 353, so Paulick, doch die Scharniere stammen vom Skoda, die Scheibenbremsen von Fiat, die Fensterscheiben sind von einem Traktor ZT300 zugeschnitten. Dazu kommen der Vergaser vom MZ-Motorrad, und auch die Rückleuchten waren normalerweise beim Queck-Mopedanhänger oder beim Mährdrescher im Einsatz. Stolz verweist Paulick außerdem auf die Felgen: „Das sind sündhaft teure Magnesiumfelgen, die stammen noch vom ersten Wartburg!“z
