Polnische Sprache
: Siebtklässler erleben spezielle Unterrichts-Stunde

Was wissen Siebtklässler über das Nachbarland? Um diese Frage drehte sich am Montag eine besondere Unterrichtsstunde.
Von
Anett Zimmermann
Wriezen
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Sprachspiele bis zuletzt: Edyta Rogowska und Sebastian Borchers verabschiedeten sich mit Bonbons.

Anett Zimmermann

Von Wriezen bis zur Oder nach Güstebieser Loose sind es keine 20 Kilometer. Das gilt auch für den polnischen Teil, der heute Gozdowice heißt. Allerdings nur, wenn während der Saison die Fähre verkehrt. Sonst befinden sich die nächsten Brücken in Hohenwutzen und Küstrin/Kietz. Das Nachbarland Polen ist also nah und offenbar doch weit entfernt. Deshalb hatte sich eine Lehrerin der Johanniter-Schulen in Wriezen um einen Termin mit dem bundesweit tourenden PolenMobil bemüht.

„Weißt du, was Autoschlüssel auf Polnisch heißt?“, fragte ein Siebtklässler ziemlich zu Beginn der Runde mit Sebastian Borchers und Edyta Rogowska, die auf dem Boden des Klassenraums eine große Karte mit den Umrissen von Polen und Deutschland sowie einigen Erläuterungen ausgebreitet hatten. „Brechstange“, prustete der Junge die Antwort selbst heraus. „Das ist nicht witzig“, entgegnete ihm ein Mitschüler, der das Ganze mitbekommen hatte.

Doch letztlich überwog das Interesse, etwas über das Nachbarland zu erfahren, das doch erstaunliche Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten mit Deutschland hat. So gibt es hier zum Beispiel 16 Bundesländer und dort genauso viele Woiwodschaften, die im Vergleich allerdings nicht ganz so frei agieren könnten, wie Sebastian Borchers erläuterte.

Der Musikwissenschaftler spricht selbst ganz gut Polnisch, hat zwei Jahre in der Hauptstadt Warschau gearbeitet, verrät er gegenüber dieser Zeitung. Und auch, dass ihm in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen einst nicht aufgefallen sei, wie viele polnische Familien im Umfeld wohnten. Polnische Namen fielen jetzt auch den Wriezener Siebtklässlern ein, als sie nach bekannten Wörtern gefragt wurden. Ein Mädchen konnte sogar ganz gut bis zehn zählen. Ein anderes berichtete, an der Grundschule eine Polnisch-AG besucht zu haben.

Mit der Sprache mit den vielen Zischlauten tun sich natürlich viele schwer, wissen die Mitarbeiter des Deutschen Polen-Instituts mit Sitz in Darmstadt, und versuchten nun auch in Wriezen, mit spielerischen Mitteln Vokabeln zu vermitteln, die im Nachbarland durchaus Türen und Herzen öffnen können. Wie zum Beispiel „Czesc“, das auf den letzten beiden Buchstaben sogar ein Akut hat – das Sonderzeichen aus einem kurzen Strich von links unten nach rechts oben. Es könne sowohl zur Begrüßung als auch Verabschiedung genutzt werden, erläuterte Edyta Rogowska.

Ein Koffer voller Souvenirs

Ein Kurzschluss durchkreuzte allerdings das Vorhaben, Filmsequenzen über einzelne Regionen beziehungsweise Städte zu zeigen. Doch dank des mitgebrachten Souvenirkoffers konnte Sebastian Borchers unter anderem die Marienburg des Deutschen Ordens und den Warschauer Kulturpalast in Miniaturausgabe zeigen. Zwischendurch bedauerte er jedoch, nicht den Film über den Zweiten Weltkrieg zeigen zu können. Schließlich, so erinnerte er, liegt der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939 jetzt fast genau 80 Jahre zurück.

Die Siebtklässler wiederum hätten am Ende die Wortspiele gern fortgesetzt.

Anfragen für Besuche an Schulen sind über die Internetseite www.polenmobil.de möglich. Aus Lottomitteln werden zurzeit Termine in Brandenburg finanziert. Diese sind noch nicht ausgebucht.