Probebohrung: Grundwasser angezapft

Letzter Bohrversuch: Spuren der Brunnenbohrung zwischen Haselberg und Frankenfelde im September.
Steffen GöttmannDie Grundwasserbohrungen haben in der Region hohe Wellen geschlagen. Wie Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU), Referent im Büro des Präsidenten, nun auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, hat die Agraraktiengesellschaft Albrecht–Daniel–Thaer (Lindhorst–Gruppe) mit einem Schreiben vom 27. September 2017 „die wasserrechtliche Erlaubnis zur Grundwasserentnahme im Rahmen von Pumpversuchen zur Grundwassererkundung für eine geplante Beregnung“ beantragt. „Geplant ist die Bewässerung von insgesamt 3500 Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen über insgesamt 24 Brunnen im Raum Harnekop, Reichenow und Schulzendorf. Das sogenannte Abteufen der Erkundungsbohrungen und die Errichtung der Brunnen soll in Teilprojekten innerhalb eines dreijährigen Erkundungszeitraumes erfolgen“, heißt es aus Potsdam. Im Rahmen des 1. Teilprojektes wurden acht Erkundungsbohrungen zwischen Harnekop, Haselberg, Lüdersdorf und Frankenfelde für die Durchführung von Leistungspumpversuchen geplant. Fünf davon wurden errichtet und die Versuche durchgeführt, so Frey. „Die Brunnen wurden von einem Fachunternehmen gebohrt. Der Beginn der Bohrungen wurde ordnungsgemäß angezeigt. Im Dezember fand der erste Pumpversuch statt und am 16. September wurde der letzte beendet.“ Je Brunnen durften, gestaffelt über 122 bis 140 Stunden, 80, 100 beziehungsweise 120 m³ Grundwasser gefördert werden. „Insgesamt wurden zirka 63 840 m³ Grundwasser gefördert“, so Thomas Frey.
Durch das LfU wurde am 6. Februar diesen Jahres eine wasserrechtliche Erlaubnis für einen Pumpversuch zur hydrologischen Erkundung des Standortes erteilt. Daraufhin wurden acht Brunnenstandorte in Haselberg, Lüdersdorf, Frankenfelde und Harnekop genehmigt. "Fünf Brunnen mit einer Tiefe von rund 100 Meter wurden gebohrt. In der Erlaubnis wurde eine Gesamtfördermenge von maximal 76 800 m³ für einen Zeitraum von 120 bis 144 Stunden je Brunnen genehmigt“, so Frey.
Über ein Ursprungsprojekt Wasserstoff–Kraftwerk habe das Landesumweltamt keine Kenntnis, heißt es aus Potsdam weiter. „Der Pumpversuch wurde für die Erkundung tiefer liegender Grundwasserleiter für eine geplante Beregnung landwirtschaftlicher Flächen genehmigt.“ Zurzeit liege der Behörde auch kein Antrag auf dauerhafte Grundwassernutzung vor. „Wie viel Wasser künftig entnommen werden könnte, und ob dies zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führen würde, kann gegenwärtig nicht beantwortet werden. Dafür bedarf es einer Auswertung der Gutachten. Die Grundlagen dafür ergeben sich aus den Pumpversuchsergebnissen. Die Gutachten liegen noch nicht vor.“
Gemeinden außen vor
Zum Thema Bürgerbeteiligung heißt es: „Die Gemeinden und Bürger wurden in diesem Verfahren nicht einbezogen. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren sieht bei wasserrechtlichen Erlaubnissen wie Pumpversuche in einem zeitlichen und mengenmäßigen Umfang keine Beteiligung vor.“ Das bedeute im Umkehrschluss: würde eine zeitlich unbegrenzte und/oder mengenmäßig umfangreicher Grundwasserentnahme beantragt werden, würde erneut geprüft werden, inwieweit die Öffentlichkeit zu beteiligen ist.
Im September hatte sich der Abgeordnete der AfD, Lars Günther, Mitglied im Landtag, mit Fragen zum Sachverhalt an verschiedene Behörden und Ämter gewandt. Nun soll es am Freitag ein weiteres Treffen mit Bürgern und Vertretern der Lindhorst–Gruppe geben. Ort dafür ist ab 18 Uhr das Hofcafé, Hauptstr. 18, in Haselberg.