Ruine
: Dem Verfall des Gutshofs Wölsickendorf Einhalt gebieten

Mit dem Kauf von Teilen des Gutshofs Wölsickendorf sorgen Azahara Montero und Daniel Wehry für Begeisterung im Dorf.
Von
Jörn Kerckhoff
Wölsickendorf
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  • Dornröschenschlaf: Seit Jahrzehnten wartet der Gutshof Wölsickendorf darauf, dass sich jemand seiner annimmt. Zumindest ein paar Gebäude werden nun saniert, worüber sich offenbar die ganze Gemeinde freut.

    Dornröschenschlaf: Seit Jahrzehnten wartet der Gutshof Wölsickendorf darauf, dass sich jemand seiner annimmt. Zumindest ein paar Gebäude werden nun saniert, worüber sich offenbar die ganze Gemeinde freut.

    Jörn Kerckhoff
  • Wegerecht: Mit ihrem Entscheid zum Wegerecht machten die Gemeindevertreter am Mittwoch den Weg frei.

    Wegerecht: Mit ihrem Entscheid zum Wegerecht machten die Gemeindevertreter am Mittwoch den Weg frei.

    Jörn Kerckhoff
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Ruinen statt Einfamilienhaus

„Eine reine Vernunftentscheidung war das sicher nicht“, gibt Wehry zu. Dann hätten sie sich ein modernes Einfamilienhaus gesucht. Aber genau dies wollten sie nicht. Für das Paar, das aus Berlin in die brandenburgische Provinz ziehen möchte, machten die Ruinen der alten Gebäude und die Aufgabe, sie wieder einer Nutzung zuzuführen genau den Reiz aus, den sie gesucht haben. „Wir wollen uns mit Mut darauf einlassen“, so Wehry. Auf eines legen die künftigen Wölsickendorfer bei aller Romantik aber Wert: „Wir sind keine Luftschlossbauer. Wir wissen, was Baustelle ist.“

Das müssen sie auch, denn die Gebäude wurden etwa Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, sind völlig baufällig und stehen unter Denkmalschutz. Besonders der alte Schafstall sei „stärkstens einsturzgefährdet“, beschreibt Wehry den Zustand. „Wir haben aber schon in den vergangenen zwölf Jahren immer mal wieder Gebäude mit aufgebaut und dabei Erfahrung gesammelt.

Dass der Denkmalschutz bei der Sanierung solcher Gebäude auch immer Auflagen macht, sieht der Bauherr nicht als Problem. „Zum einen hatten wir die Unterlagen dazu schon von einer Gruppe Leute, die sich mal für den Kauf des Gutshofes interessiert hat und wussten in etwa, womit wir rechnen müssen. Außerdem bringt der Denkmalschutz in diesem Fall auch den Vorteil mit sich, dass die Weitläufigkeit der gesamten Anlage erhalten wird. Das war uns bei unserer Entscheidung wichtig.“ Außerdem habe man bei allen Besprechungen mit der Denkmalbehörde nie den Eindruck gehabt, dass diese der Familie Steine in den Weg legen wollte. „Es war immer ein konstruktives Miteinander“, beschreibt Wehry die Gespräche.

Und auch aus dem Dorf hätten seine Frau und er große Unterstützung erfahren. „Wir treffen hier ständig auf Menschen, die weiterdenken, das ist eine besondere Art von Menschen in der Region“, schwärmt Wehry. Seine Frau und er arbeiten in der Erwachsenenbildung in Berlin. Mit ihrer Arbeit, den drei kleinen Kindern und dem Sanierungsprojekt haben sie sich einiges aufgehalst, gehen die kommenden Jahre aber mit viel Optimismus an. „In zwei Jahren wollen wir in unser Haus ziehen, in drei bis fünf Jahren, soll die Sanierung des Schafstalls abgeschlossen sein“, so der Plan.

Kultur und Seminare im Gutshof

Daniel Wehry arbeitete auch einige Jahre im Bereich Kultur und organisierte Veranstaltungen. „Da werden immer große Räume gesucht und genau so einen Raum für Kultur und Seminare wollen wir in diesem Gebäude schaffen“, erzählt er.

Für die Sanierung solcher Gebäude braucht es Handwerker, die sich darauf spezialisiert haben, das ist den beiden klar. „Wir haben schon Kontakte geknüpft und sind auch da auf viel Begeisterung für unser Vorhaben gestoßen. Da braucht es schon Handwerker, die mit Herzblut dabei und auch ein bisschen freaky sind“, so Daniel Wehry. „Wir sind uns auch bewusst, dass wir mit dem Kauf und der Sanierung eine Verpflichtung gegenüber dem Dorf eingehen. Dass der Gutshof unter Denkmalschutz steht, macht ja schon deutlich, dass es sich um ein Kulturgut handelt und damit auch der Öffentlichkeit gehört.

Aussagen, die auch Karsten Eschner, Bürgermeister von Höhenland gerne hört. In nichtöffentlicher Sitzung beschlossen die Gemeindevertreter am Mittwoch, der Familie das Wege– und Leitungsrecht auf dem Weg einzuräumen, der auf ihr Grundstück führt und in Gemeindebesitz ist.