Sprachförderung
: Wriezener Therapeutin empfiehlt Ruhe und Spaß

Ohne Test keine Einschulung: Derzeit laufen die Sprachstandsermittlungen
Von
Nadja Voigt
Wriezen
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Vermittelt Freude an Sprache: Birgit Grünspeck, Sprachförderin in der Wriezener Kita "Marie Juchacz"

Nadja Voigt

Schüchtern nimmt die Fünfjährige im Arbeitszimmer von Birgit Grünspeck Platz. Herzlich versucht die Sprachförder–Pädagogin dem Mädchen die Scheu zu nehmen. Sie ist zur Sprachstandfeststellung das erste Mal in die Kita "Marie Juchacz“ gekommen, denn die kleine Wriezenerin wurde nicht in der Kita, sondern zu Hause betreut. Sie freut sich auf die Schule. Doch sich in neuen und ungewohnten Situationen zu öffnen, fällt ihr sichtlich schwer. Behutsam geht Birgit Grünspeck von Testfrage zu Testfrage und ermuntert das Mädchen. Erst nach einigen Fragen taut sie langsam auf und erzählt zum Beispiel, welches Spielzeug sie kennt.

Nach der Sprachstandsfeststellung ist klar, dass sich die Frühpädagogin und das Mädchen wiedersehen werden. Gemeinsam mit fünf anderen Kindern wird sie zwischen Januar und März in einer Gruppe täglich Förderung bekommen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Doreen Bach wird Birgit Grünspeck vier solcher Gruppen betreuen. „Ohne Druck werden wir die Sprachentwicklung bei den Kindern fördern“, blickt die 50–Jährige voraus. Auch sollen die Kinder die Angst vor größeren Gruppen verlieren. Selbstbewusstsein entwickeln. Denn manche Kinder trauen sich einfach nicht, sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung zu äußern. Ohne Mama und Papa an ihrer Seite.

„Es macht mich sehr stolz, wenn ich es schaffe, das schüchterne Kinder auftauen“, sagt die gelernte Erzieherin. Seit einem Jahr arbeitet sie auch als Sprachförderin in der Wriezener Kita. In enger Zusammenarbeit mit dem Team. Dabei geben die „Meilensteine“ Auskunft über die Fähigkeiten der Kinder. Neben der fachlichen Betreuung durch die Erzieherinnen in Kitas und Tagespflegeeinrichtungen können jedoch auch Eltern eine ganze Menge tun. Auch ohne Druck auszuüben, wie Birgit Grünspeck betont. Zu aller erst sei es wichtig, sich mit seinen Kindern zu beschäftigen. Dazu gehöre, die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen. „Wie war Dein Tag heute?“, sei ein guter Einstieg für ein gemeinsames Abendessen. Und dann kann jeder berichten. Auch die Kleinsten. Und wenn einmal ein Satz nicht ganz richtig sei, empfiehlt die Fachfrau, die Kinder nicht zu verbessern. Sondern den Satz einfach noch mal richtig zu wiederholen. Hinzu kommt das Vorlesen. Oder sich auch mal eine Geschichte erzählen zu lassen.

Sensibel sein

„Eltern müssen sensibler werden für die Dinge, die ihre Kinder gut können“, rät Birgit Grünspeck. „Sonst machen sie zu.“ Denn wer will schon immer nur hören, was er alles nicht kann? „Wenn wir offener sind für die Besonderheiten der Kinder, dann verschwindet auch der Druck. Auf die Eltern und die Kinder.“ Auch wenn die Tests, die Kinder bei Ärzten, in Kitas und Schulen durchlaufen genormt sind — die Kinder sind es nicht. „Es gibt keine Standards“, weiß die erfahrene Pädagogin. Das gelte auch für Kinder aus anderen Herkunftsländern, für die es ab Januar eine eigene Gruppe geben wird. „Die müssen zunächst ihre eigene Muttersprache richtig können, bevor sie eine zweite erlernen“, sagt Birgit Grünspeck. Deshalb liege der Fokus bei diesen kleinen Menschen darauf, Vokabeln zu lernen. „Der Rest kommt dann in der Schule.“