Stadtwald
: Förster: „Die Situation ist halbwegs okay“

Die Herbstfärbung des Laubs überdeckt, worüber sich Anrufer bei Christoph Naß in Freienwalde besorgt äußern: tote Bäume.
Von
Anett Zimmermann
Bad Freienwalde
Jetzt in der App anhören

Punktuelle Schäden: Christoph Naß, Leiter Forst-, Baum- und Kommunaldienst der Stadtverwaltung in Bad Freienwalde, auf einer Fläche des insgesamt 1240 Hektar großen Stadtwaldes, auf der vor Kurzem Fichten entnommen werden mussten.

Anett Zimmermann

Sie werde häufig von einem wärmeliebenden Pilz befallen. So sterben einzelne Bäume ab. Recht aktiv sei zudem der Kiefernprachtkäfer. „Die Bäume brauchen Wasser, Wasser, Wasser“, sagt Naß. Nur so könnten sich Fichte und Kiefer wehren. „Ohne Wasser produzieren sie kein Harz.“

Baumartenvielfalt als Vorteil

Die Niederschläge der vergangenen Tage hätten zwar die Herzen der Pilzsammler höher schlagen lassen, aber ab einem halben Meter Tiefe sei der Boden trocken. Und Nachfragen zur aktuellen Situation des Stadtwaldes habe es zuletzt häufiger gegeben. Bürger seien angesichts toter Bäume besorgt, andere meinen wiederum, der Bestand sehe doch top aus. „Die Situation ist nicht dramatisch, sondern halbwegs okay“, sagt Christoph Naß.

„Wir haben mit den Folgen der trockenen Sommer in den beiden Vorjahren zu kämpfen, allerdings eher kleinteilig.“ Das wiederum liege an den stark strukturierten Beständen mit großer Baumartenvielt, erläutert der Forstassessor und spricht von etwa 20 bis 30 Festmeter Schadholz je Hektar. Je nach Dimension seien dies 30 bis 50 Bäume.

Vom Buchdrucker befallene Fichten müssten schnell entnommen und das Brutmaterial beseitigt werden. „Wenn möglich“, schiebt Naß hinterher. Auch die Holzabfuhr müsse schnell erfolgen. Allerdings werde es zunehmend schwieriger, Käufer zu finden. „Der Holzmarkt ist übersättigt.“ Das werde sich auch im Haushaltsergebnis bemerkbar machen. „Beim Nadelholz gibt es zum Teil nur noch ein Viertel des Preises, der vor zwei, drei Jahren erzielt werden konnte.“ Fichtenholz aus dem Stadtwald sei zuletzt sogar nach China gegangen.

Christoph Naß erinnert mit Blick auf den Klimawandel auch daran, dass durch die Ernte und den Verbau des Holzes Kohlendioxid gespeichert bleibt. Mehr Totholz würde Naturschützer sicher freuen, bei der Zersetzung werde jedoch Kohlendioxid freigesetzt. Die Waldverjüngung sei angesichts der Trockenheit eine besonders große Herausforderung. So seien mitunter auch kaum noch Pflanzen zu bekommen. Bei der Fichte — sie macht etwa 4,5 Prozent des Bestands im Stadtwald aus — favorisiert Naß die Selbstverjüngung. Diese könnte zu Beginn durch intensiviere Jagd geschützt werden. „Die Zusammenarbeit mit unseren Begehungsschein–Inhabern funktioniert gut.“ Offen zeigt er sich zudem für neue Baumarten und will die Esskastanie ausprobieren.