Testfahrt: Entdeckungstour ins Oderbruch
Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen: „Der Akku der Lautsprecheranlage ist leer“, sagt Christian Schmidt, Regisseur am Theater am Rand in Zollbrücke, zu Beginn der zweiten Probefahrt des Oderbusses. „Ich werde deshalb die ganze Fahrt über schreien müssen.“
Eine gute Nachricht hat der Künstler für alle Mitfahrer dann aber auch noch parat: „Der Bus fährt gleich los. Ich begrüße Sie auf der Butterfahrt durchs Oderbruch.“ Nach dem launigen Einstieg sorgt Schmidt gemeinsam mit Tobias Morgenstern, dem Intendanten des Theaters, während der Fahrt für gute Unterhaltung, gibt Einblicke in die Geschichte der angefahrenen Orte und spart auch nicht mit Sightseeing–Tipps für die Umgebung. Morgenstern untermalt das Ganze musikalisch am Akkordeon.
„Wir wollen das Oderbruch erlebbar machen“, stellt Schmidt auf dem Weg vom Startpunkt in Bad Freienwalde zum ersten Halt in Schiffmühle noch einmal die Vorzüge des Projekts in den Vordergrund. „Ohne das Auto oder das Fahrrad war es bislang nicht möglich, wichtige touristische Ziele in der Region am Wochenende zu erreichen. Hier herrscht tote Hose.“ Das werde sich nun ändern. Die Gelegenheit, sich davon vor offiziellem Start des Oderbusses zu Ostern zu überzeugen, nutzten am Mittwochnachmittag etwa 20 Interessierte.
Erster Halt also Schiffmühle: Gegenüber dem Fontane–Haus, in dem früher einmal Theodors Vater lebte, kommt der Bus zum Stehen. „Hier sieht man bestens, wie sich das Leben vor 150 Jahren im Oderbruch abspielte“, sagt Schmidt, ehe er eine Strophe des Fontane–Gedichts „Meine Gräber“ vorträgt.
Danach setzt sich der Bus wieder in Bewegung. Es ist einer von zwei Exemplaren, die bald auf der Route von Bad Freienwalde nach Wriezen eingesetzt werden. Lösungen muss man bei diesen aber offensichtlich noch bei der Fahrrad–Mitnahme suchen. Mit dieser wird das Projekt beworben, wirklich viel Stauraum bietet sich im Bus aber nicht. Bernd Stolarek vom Fahrradladen Bad Freienwalde hat zu Probezwecken ein Rad mitgebracht. Das passt auch problemlos rein. Aber schon ein zweites Fahrrad wäre im Grunde eins zu viel. Abhilfe könnte dabei vielleicht ein Anhänger schaffen. Das befindet sich aber noch in der Planung.
Die Fahrt geht weiter, vorbei am Dom des Oderbruchs in Neuküstrinchen, der allein ob seiner Größe eine überregionale Bedeutung besitzt. „Das ist ein absolutes Highlight auf der Tour“, sagt Christian Schmidt deshalb auch. Beziehungsweise er ruft es in den Bus. Schließlich muss er ja lauter sein als das Brummen des Motors.
Ziel der zweiten Probefahrt ist das Theater am Rand in Zollbrücke, das etwa eine dreiviertel Stunde nach Abfahrt erreicht wird. Hier geben die anderen Initiatoren des Projekts „Oderbus“ Einblicke in den aktuellen Stand der saisonalen Buslinie. „Das Wichtigste vorneweg: Der Bus kommt. In einem Monat starten wir“, sagt beispielsweise Jörg Schleinitz vom Landkreis Märkisch–Oderland. „Wenn es soweit ist“, ergänzt Ilka Krüger, Geschäftsführerin der Bad Freienwalde Tourismus GmbH, „hoffen wir auf das Interesse vieler Berliner, die einfach mal rauskommen und die Region kennenlernen wollen.“ Dass sich diese Reise lohnt, ist jedem klar, der das Oderbruch kennt. Die anderen können das ab Ostern mit dem Oderbus auch entdecken.


