Tourismus
: Kritische Töne zum Oderbus

Die Gemeinde Oderaue diskutiert über den Kulturbus, die geplante Saisonlinie für Touristen und Einheimische. Mehrere Kommunalpolitiker haben noch Fragen.
Von
Nadja Voigt
Neureetz
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Kurz vor der ersten Probefahrt: Oberspielleiter Thomas Rühmann vom Theater am Rand und die Bad Freienwalder Tourismus-Chefin Ilka Krüger warten am 12. Februar 2019 am Marktplatz der Kurstadt auf den Oderbus.

Wolfgang Rakitin

Noch ehe das Projekt „Oderbus“ so richtig ins Rollen gekommen ist, wird schon die erste Kritik laut. Die Gemeindevertreter von Oderaue haben sich mit dem Thema befasst – und fordern Nachbesserungen.

Gleich einen ganzen Fragenkatalog hatte am Montagabend Gemeindevertreter Kenneth Anders aus Croustillier zum angedachten Saisonbus. Der war jüngst das erste Mal probehalber von Bad Freienwalde über Schiffmühle und Neuranft nach Zollbrücke und zurück über Altreetz nach Wriezen gerollt. Und war bei den Mitfahrern auf große Resonanz gestoßen.

Ideengeber sind das Theater am Rand in Zollbrücke und die Bad Freienwalder Tourismus GmbH. In dieser Woche hatte es dazu auch einen Termin beim Landkreis mit den Beteiligten gegeben. Unklar war bisher noch die Finanzierung. Idee war, dass die Städte und Gemeinden an den rund 30 000 Euro für den Zeitraum zwischen Ostern und Oktober, in dem der Bus an den Wochenenden mehrmals täglich verkehren soll, beteiligt werden sollen.

Deshalb hatte nun Oderaue am Montag einen Beschluss auf der Tagesordnung, der vorsieht, das Projekt, von dem zunächst maßgeblich die Gemeinden Oderaue und Neulewin im Amt Barnim-Oderbruch sowie die Städte Wriezen und Bad Freienwalde profitieren würden, mit einmalig 2500 Euro zu bezuschussen. „Die Buslinie soll in den warmen Monaten jeweils samstags und sonntags verkehren und dabei touristisch interessante Orte miteinander vernetzen. Den Touristen sollen damit einerseits touristisch interessante Highlights durch direkte Anfahrten näher gebracht werden. Andererseits soll die Buslinie helfen, den Individualverkehr und dessen Folgen etwas abzumildern“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Eine Entscheidung vertagten die Gemeindevertreter am Montag jedoch: Der Gesprächsbedarf sei noch zu groß. „Für welche Zielgruppe ist der Bus gedacht? Wer nutzt ihn?“, begann Kenneth Anders seinen Fragenkatalog. Es müsse empirische Anhaltspunkte geben, auch für eine spätere Evaluation, so der Gemeindevertreter. Zudem kritisierte er einen zu ungenau geplanten Streckenverlauf. Es gebe zum Beispiel 30 Kulturerbe-Orte im Oderbruch, die vermarktet werden sollten, um das Europäische Kulturerbe-Siegel zu erhalten. „Alle, die davon profitieren, sollten an einen Tisch kommen“, so Anders weiter. Denn die Buslinie müsse wie ein Produkt beworben werden. „Und die Profiteure müssten auch einen geringen Beitrag leisten“, forderte er. Überhaupt müsse es ein Gremium geben, das festlege, wer von den touristischen Anbietern dabei ist. Weiterhin wollte Kenneth Anders wissen, wie der Bus an die Niederbarnimer Eisenbahn angebunden sei.

„Mir fehlt ein Konzept“, sagte Michael Rubin, der die Idee zu so einem Bus schon seit vielen Jahren hegt. „Ich bin für den Bus“, machte er am Montag im Bürgerhaus in Neureetz deutlich. „Aber nicht dafür, das ihn die Gemeinde finanziert.“ Er sitze als Gemeindevertreter und nicht als Ziegenwirt aus Zollbrücke im Gemeinderat, machte er deutlich. „Ich möchte auch nicht, das in der Gemeinde die Diskussion aufkommt, das wir bestimmte Betriebe bevorzugen.“ Außerdem fragte er sich, warum die angedachte Buslinie nicht ausgeschrieben wurde.

„Das ist alles noch sehr schwammig und ich sehe noch großen Redebedarf“, sagte Rosemarie Daue, Ortsvorsteherin von Zäckericker Loose. Oliver Proft, Gemeindevertreter aus Zollbrücke, begrüßte die Idee, fragte sich aber, wie es gelingen sollte, bis Ostern das Ganze auf die Beine zu stellen. Er fände es sinnvoller, jetzt die Planungen für die nächste Saison anzugehen.

Geplante Saisonbuslinie „Oderbus“

■ Die geplante Buslinie „Oderbus“ ist als Saisonbuslinie angedacht. Sie würde am Wochenende vier- bis fünfmal täglich, also alle zwei bis drei Stunden fahren.

■ Es ist angedacht, das es möglich ist, Fahrräder mitzunehmen. Zudem soll die Buslinie die Möglichkeit bieten, am Samstagabend zum Beispiel den letzten Zug in Eberswalde nach Berlin zu bekommen.

■ Die Buslinie würde Halt an allen touristisch und kulturell wichtigen Orten machen und nach dem „Hop on, hop off“- Prinzip verkehren. Das bedeutet, die Reisenden könnten von  Freienwalde nach Schiffmühle fahren, das Fontane-Haus besichtigen und dann weiter ins Oderbruch fahren.

■ Die Mitfahrt mit den Fahrzeugen der Barnimer Busgesellschaft würde zum normalen VBB-Tarif erfolgen.

■ Laut Tourismus-GmbH gibt es bereits jetzt eine große Nachfrage.