Überraschung im Krankenhaus: Gesundheit ist das größte Geschenk

Unerwarteter Besuch: Chefarzt Dr. Georg Bauer überreicht am Heiligabend auf einer der Stationen des Krankenhauses Märkisch-Oderland in Wriezen Dieter Luthmer aus Neuhardenberg eines der kleinen Präsente – ein Gästehandtuch in Kuchenform. Rechts Pflegedienstleiterin Carola Koppitz.
Anett ZimmermannHeiligabend kurz vor 10 Uhr: Einige Patienten verlassen das Krankenhaus in Wriezen. „Ist alles wieder gut?“, fragen besorgte Angehörige, ehe es gen Auto auf dem Parkplatz und dann auf die gemeinsame Heimfahrt geht. Aber was ist mit den anderen, die bleiben müssen?
Für sie hat Carola Koppitz, Pflegedienstleiterin am Krankenhaus Märkisch–Oderland, einmal mehr eine kleine Aufmerksamkeit vorbereitet. Mit Chefarzt Dr. Georg Bauer wartet sie bereits in der Nähe des Hauptempfangs. Im Namen der Klinikleitung wollen sie den Patienten, die die Festtage auf einer der Stationen in Wriezen verbringen müssen, wenigstens eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen und etwas Freude bereiten. Schwester Grit wartet auf Station A bereits mit einer Liste der noch belegten Zimmer.
Auch Reinigungskräfte bedacht
Oft werden nicht viele Worte gemacht, wenn Georg Bauer oder Carola Koppitz die in Kuchenform gebrachten Handtücher überreichen. „Danke, danke“, heißt es immer wieder. „Dass ich hier sein muss, gefällt mir gar nicht“, ein paar Zimmer weiter. Aber immerhin komme am Nachmittag Besuch. Und die Überraschung scheint in jedem Falle groß.
85 Handtuch–Kuchen liegen zu Beginn in dem großen Pappkarton auf dem Rollwagen, den die beiden Krankenhaus–Mitarbeiter abwechselnd über die Flure ziehen. Und auch Sascha Mahnke und Michél Schmidt, zwei Beschäftigte der Reinigungsfirma Niederberger, dürfen sich jeweils über eines dieser Präsente freuen. Seit sechs Uhr sind sie bereits im Einsatz und werden es auch an den nächsten beiden Tagen sein, wie sie berichten. Wann Feierabend ist, hänge davon ab, was alles zu erledigen ist. Einige Patienten wissen, dass sie noch verlegt werden, andere wünschen den beiden Vertretern der Klinikleitung, dass sie tüchtig beschenkt werden.
So etwas wehren Erwachsene meist bescheiden ab. Das ist hier nicht anders. Bereits auf der ersten Station wird sehr deutlich, was alle wissen: Dass es nur ein Geschenk gibt, das wirklich zählt — Gesundheit. „Ich möchte etwas trinken“, heißt es kurz darauf in einem Zimmer. Und: „Mir ist kalt.“ Carola Koppitz reicht die Schnabeltasse. Georg Bauer zieht die Bettdecke etwas höher. „Ist es so besser?“ Die Frau sagt ja und schluchzt.
Von der internistischen Station geht es eine Etage höher auf die B, auf der Patienten verschiedener Fachrichtungen betreut werden. „Bei uns ist es sehr ruhig“, meint Pfleger Benjamin Ukley. Carola Koppitz hinterlässt am Empfangstresen einige der Handtuch–Kuchen. „Für Neuzugänge“, erklärt sie. „Meine Kinder waren schon hier“, berichtet ein Mann, in dessen Zimmer im Fenster ein Präsentkorb steht. Auch ihm huscht angesichts des unerwarteten Besuchs ein Lächeln über das Gesicht.
„Wir hoffen, dass keiner mehr kommt“, sagt Dr. Karin Kluge, Ärztin auf der Intensivstation. „Wer zu Hause ist, soll dort bleiben, außer diejenigen, die arbeiten müssen“, äußert sie einen nachvollziehbaren Wunsch. Ihr 24–Stunden–Dienst hat um 8 Uhr begonnen. Fünf der sechs Plätze sind zu diesem Zeitpunkt belegt. Wirklich Ruhe gebe es auf der Station nicht. „Ich habe schon sehr emotionale und alles fordernde Feiertagsdienste erlebt.“
Auch auf Station C mit Patienten der Orthopädie drückt Carola Koppitz hin und wieder eine Kollegin, dankt für ihren Einsatz nicht nur am Heiligabend. „Das ist ja eine nette Geste“, freut sich kurz darauf ein Mann, der beim Klopfen an die Zimmertür schon ans Mittagessen gedacht hatte. „Das kommt noch“, entgegnet ihm die Pflegedienstleiterin. Und Fred Hunka aus Heinersdorf strahlt. „Ich komme am Freitag raus“, weiß er und lobt: „Sie haben hier ein wirklich gutes Team.“ Beim nächsten Patienten ist Georg Bauer wieder als Arzt gefragt. Der Mann klagt über starke Schmerzen.
Plätzchen für die Kollegen
In der Rettungsstelle hat Katharina Pfeifer unterdessen gerade selbst gebackene Plätzchen vorbeigebracht. Die Assistenzärztin für Innere Medizin wohnt in der Nähe, ist aber noch in Elternzeit. Und während Georg Bauer dann nach Hause fahren, noch etwas Musik machen und den Rest der Feiertage mit seiner Familie verbringen will, wartet auf Carola Koppitz eine weitere Tour — mit Dr. Steffen König im Strausberger Betriebsteil. Erst danach trifft sie ihre Lieben, will mit ihnen Kaffee trinken und in die Stadtkirche. Zum Abendbrot gibt es Kartoffelsalat und Würstchen und dann natürlich auch die Bescherung.