Wasserverband: Zehn Brunnen im Blick

In der Filterhalle des Wasserwerks in Bad Freienwalde: Tavob-Geschäftsführer Johannes Schwanz. An den Hähnen können Proben des Roh- und Reinwassers entnommen werden.
Wolfgang RakitinIn dem Eingeschosser greift Johannes Schwanz schon mal zu einem Sauggriff, um eine der Bodenplatten im Elektroraum anzuheben. Um Kosten zu sparen, habe man den Untergrund lediglich aufgeständert. „So gut wie nötig, nicht möglich“, erläutert der Geschäftsführer seine Devise. Um die Wasserwerke — neben dem in Bad Freienwalde gehören weitere in Beiersdorf, Bralitz, Heckelberg, Kruge und Wölsickendorf zum Tavob — kümmern sich normalerweise ein Maschinist und ein Elektriker. Die Wasserwerke in Tornow und Oderberg nennt Johannes Schwanz ebenfalls, doch für diese sei der Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Eberswalde (ZWA) zuständig.
Das Wasserwerk in Bad Freienwalde läuft vollautomatisch. „Es wird regelmäßig kontrolliert und kann zur Not auch per Hand bedient werden“, erläutert der Tavob–Geschäftsführer. Es verfügt zudem über eine Chloranlage. „Die ist Pflicht, musste aber noch nie eingesetzt werden.“
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Das vom Tavob aufbereitete Trinkwasser könne sich mit dem Wasser aus dem Gesundbrunnen im Kurpark messen, das manche Leute sogar kistenweise per Sackkarre holen, sagt Johannes Schwanz. „Es kommt ja aus demselben Gebiet.“ Der Tavob müsse allerdings die Trinkwasserverordnung einhalten und deshalb Eisen und Mangan herausfiltern. „Wir nutzen in den vier Filtern nur Kies und Luft, brauchen also keine Chemie.“
Johannes Schwanz reicht den Besuchern einen Becher und lässt sie das Rohwasser (Werkseingang) und Reinwasser (Werksausgang) probieren. Bei Ersterem schmeckt klar das noch enthaltene Eisen durch. Gesundheitsschädlich sei dies aber nicht, so der Tavob–Chef, der hin und wieder auch Schulklassen durch das Wasserwerk führt. Die seien meist vom Fließschema im Kontrollraum beeindruckt, in dem ein Schreibtisch mit PC und mehreren Bildschirmen steht. Von dort aus können unter anderem die 14 Brunnen angesteuert werden, von denen zehn genutzt werden. „Mehr brauchen wir nicht.“
Auf dem Weg zu den Kompressoren und Gebläsen sind drei Zeichnungen an der Wand nicht zu übersehen. „Das sind Originalpläne von 1896“, sagt Johannes Schwanz. Das Leitungsnetz von damals werde zum Teil bis heute genutzt. „Bei Straßenbauvorhaben müssen die alten Gussrohre allerdings ausgetauscht werden. Der Boden wird heute ganz anders verdichtet, das halten sie nicht aus.“
Die Trinkwasserversorgung in der Region sei — von eventuellen Störungen abgesehen — auch an heißen Tagen kein Problem, antwortet der Tavob–Geschäftsführer auf Nachfrage. Nur in einem Bereich mit vielen Wochenendgrundstücken sei der Bedarf schwer einzuschätzen. „Da kann es zu Druckabfällen kommen und müssen wir dann gegensteuern.“ Stabilisierend eingreifen müsse man hin und wieder auch bei der Stichleitung nach Hochsaaten. „Sonst haben wir ein Ringsystem, so dass ein Ausfall meist auf die Havariestelle selbst beschränkt bleibt.“